Fußball

FC Bayern erklärt die Geldstrafe Ein Reiz ist Renato Sanches nicht genug

3ae334033302e3768749946a0f8d01da.jpg

Ein lauter Ruf nach mehr Spielzeit.

(Foto: imago images / Jan Huebner)

Renato Sanches ist ein "super Junge". Das sagt Niko Kovac. Und natürlich hat der Trainer des FC Bayern Verständnis dafür, dass der Mittelfeldspieler unzufrieden ist. Weniger gelassen nimmt der Kroate allerdings die Berichte über die Strafe des Europameisters hin.

Einen physischen Reiz sollte es noch geben. So nennt Niko Kovac eine After-Work-Einheit auf dem Rasen. Die Ersatzspieler des FC Bayern waren aufgefordert, sich mit Fitness-Coach Holger Broich noch ein wenig zu bewegen. Ein paar Läufe. Ein paar Sprints. Der Rest des Teams durfte in die Kabine, das Auftakt-Remis in der Fußball-Bundesliga gegen Hertha BSC (2:2) verarbeiten. Renato Sanches ging nun auch in die Kabine. Er hatte ja gespielt. In seiner Wahrnehmung fünf Minuten und damit deutlich zu kurz für seine Ansprüche. In Wahrheit waren es acht Minuten, an der Einschätzung, dass das zu wenig ist, ändert das aber sicher nichts. Der Portugiese ging also fix duschen und beklagte danach öffentlich seine Situation, "die nicht gut ist". Er beklagte auch, dass der FC Bayern ihn erneut nicht gehen lasse. Und er betonte, dass er das wirklich sehr gerne tun würde. Danach fuhr er einfach nach Hause.

2e2f9f0fb3548d65a1062575f4838cb9.jpg

Schafft Renato Sanches noch den Durchbruch beim FC Bayern?

Unverständnis hat ihm diese nächste Klage eingebracht. Zunächst von Klub-Chef Karl-Heinz Rummenigge. Und dann auch noch von Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Beide hielten es für äußerst unangebracht, sich zu einem so frühen Zeitpunkt in der Saison darüber zu beklagen, dass die Spielzeit nicht ausreiche. Die Verantwortlichen hatten Sanches in der Sommerpause aber mit eben jener Aussicht auf mehr Spielzeit zum Bleiben überredet. Neben dem Unverständnis gab's für den 22-Jährigen noch eine Geldstrafe von 10.000 Euro. Sie solle in einem absolut unmittelbaren Zusammenhang mit der Mixed-Zone-Miesepetrigkeit stehen. Das hatte die "Bild" berichtet. Und das hatte sich dann rumgesprochen. Machte ja auch irgendwie Sinn. Das Prinzip der Nachfrage wurde dabei ignoriert wie auf einem Kindergeburtstag. Ist ja eh viel, viel spannender, was der Letzte in der Stille-Post-Kette zu erzählen hat, als das, was am Anfang reingeworfen wird.

Nun ist der FC Bayern kein Kindergeburtstag. Sondern ein sehr großer Verein. Und deswegen findet Niko Kovac es auch nur halb so unterhaltsam, was die "Stille-Medien-Post" da verbreitet hatte. Zwar gab es, so erklärte er im Pressestüberl an der Säbener Straße, eine Geldstrafe für Sanches. Aber eben nicht, weil er moserte. "Er hat das Training nach dem Spiel nicht mitgemacht", klärte Kovac auf. Das könne man nicht einfach so zulassen. Und einfach so zulassen möchte Kovac auch das Mediengehabe nicht, sich immer nur auf die nörgelnden Spieler zu stürzen. Dass jemand enttäuscht sei, das gehöre dazu. Zu seiner aktiven Zeit habe man mit denen, die nicht gespielt haben, gar nicht gesprochen. "Das hat sich gedreht. Sie wollen ja ihre Geschichten, die gibt es von unzufriedenen Spielern", sagte Kovac. Und mahnte: "Bei großen Klubs können eben nicht alle spielen. Das geht nach Form, nach System oder Gegner. Man sollte sich auf die konzentrieren, die spielen. Und nicht immer nur die an die Angel holen, die unglücklich sind. Das ist ein bisschen zu einfach, meine Damen und Herren."

Für Coutinho reicht's noch nicht

Nun ist es aber so, dass nicht klar ist, wer am Samstag (ab 18.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) am 2. Spieltag beim FC Schalke 04 aufläuft. Leon Goretzka sicher nicht. Er ist verletzt. Jérôme Boateng auch nicht. Er ist krank. Der neue Highlightspieler Philippe Coutinho ist ebenfalls noch kein Kandidat - zumindest nicht für einen Startelfeinsatz. Er ist noch nicht fit genug. Das gilt auch für Rekordtransfer Lucas Hernández. Achja, und auch bei Fiete Arp reicht es auch nicht. Aber das war ja zuletzt auch schon so. Diesmal ist er aber auch krank. Besser sieht's bei Ivan Perisic und Mickaël Cuisance aus. Der kroatische Vizeweltmeister ist nicht mehr gelbgesperrt. Beim jungen Franzosen gab's und gibt's keine bekannten Verhinderungsgründe.

Bleibt also noch Sanches. Zwei zentrale Mittelfeldspieler (Goretzka und Coutinho eben) taugen nicht für die erste Elf und damit zwei Konkurrenten des Portugiesen. "Der Renato ist ein super Junge. Ich verstehe ihn ja auch. Ich war ja auch Spieler, ich weiß, was er fühlt", sagte Kovac. "Aber oftmals sehen die Spieler nicht, wie der Trainer fühlt und denkt. Ich versuche immer, jeden Spieler korrekt zu behandeln. Er hat ein großes Herz, ist ein toller Junge, auch wenn er mal sagt, dass er wegwill." Was das nun bedeutet? "Wir haben im Moment in Qualität und Quantität einen guten Kader", so der Trainer, der sich dann auch artig bei den Bossen dafür bedankte, dass sie erstens ihre Versprechen - welche von den vielen da gemeint sind, das sagte Kovac nicht - eingehalten und es zweitens "sehr gut" gemacht hätten. Er sprach gar ein "Kompliment" aus. "Aber das ist immer ein schmaler Grat. Wenn Spieler total unzufrieden sind, muss man drüber nachdenken. Man muss immer abwägen. Ich bin recht zuversichtlich, dass es erst mal so bleibt. Sollte sich etwas anderes ergeben, werden wir das bewerten und entscheiden."

Womöglich hat sich schon etwas anderes ergeben. Der OSC Lille soll ja um Renato Sanches werben. Und unverkäuflich ist der spätestens seit Mittwochabend auch nicht mehr. Da hatte Rummenigge gesagt: "Wir müssen eine Lösung finden, die er mitspielt und die auch am Ende des Tages für den FC Bayern und vor allen Dingen auch für den Trainer tragbar ist." Als französischer Vizemeister ist der Verein aus der Region "Hauts-de-France" für die Champions League qualifiziert. Das ist sicher durchaus reizvoll für Sanches. Und womöglich ist Lille auch ein Vorrundengegner der Münchner. Wie reizend.

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema