Fußball

UEFA-Supercup im Schnellcheck Eintracht durchlebt eklige Champions-League-Lehrstunde

Der Champions-League-Sieger ist zu stark für Eintracht Frankfurt. Gegen Real Madrid bemüht sich der Europa-League-Champion, unterliegt im UEFA-Supercup aber verdient. Um in der europäischen Königsklasse zu bestehen, muss der Bundesligist die richtigen Schlüsse aus diesem Abend ziehen.

Was hat es mit dem Duell Frankfurt gegen Real Madrid auf sich?

Wenn Ferenc Puskás vor 62 Jahren nicht unterschrieben hätte, würden die Sportgemeinde Eintracht Frankfurt und der Real Madrid Club de Fútbol an diesem Mittwochabend in Helsinki erstmals gegeneinander antreten. Glücklicherweise aber zeigte sich der aus Ungarn nach Spanien emigrierte Ausnahmefußballer bereit, so zumindest wird es erzählt, eine schriftliche Bitte um Entschuldigung zu signieren - um damit das Finale im Europapokal der Landesmeister im Mai 1960 möglich zu machen. Der Deutsche Fußball-Bund hatte seinen Mannschaften nämlich eigentlich verboten, gegen Puskás anzutreten, nachdem in Ungarn Dopingvorwürfe gegen die deutsche Weltmeister-Elf von 1954 erhoben worden waren.

So aber konnten Frankfurt und Madrid damals den besten Klub Europas ausspielen. Die Eintracht traf dreimal, Alfredo di Stéfano auch, Puskás dazu noch viermal und Real somit insgesamt siebenmal. Das bis heute torreichste Finale des Wettbewerbs, verfolgt von 135.000 Fans im Hampden Park zu Glasgow, auch das noch immer gültiger Rekord. Im Jahr 2022 passen in Helsinki knapp 100.000 Menschen weniger ins Stadion, ein Fußballfest ist vermutlich nicht zu erwarten. Dafür aber Verlängerung oder gar Elfmeterschießen. Sechs der jüngsten sieben UEFA-Supercups dauerten (mindestens) 120 Minuten, bis ein Sieger ermittelt war.

Darin wiederum haben die Frankfurter ja Erfahrung. Im Europa-League-Finale hielt erst Kevin Trapp den vierten Elfmeter der Rangers, ehe Rafael Borré mit dem entscheidenden Treffer für bis heute anhaltende hessische Glückseligkeit sorgte. Das Endspiel gegen Real Madrid, mit 14 Titeln Rekordgewinner des zur Champions League gewordenen Landesmeister-Pokals von einst, ist deshalb ein klassisches Bonusspiel für die Eintracht. Ein Sieg gegen die Königlichen wäre der nächste Höhepunkt einer herausragenden Reise durch den europäischen Fußball, eine Niederlage nur eine Randnotiz, weil das Erlebnis Supercup viel größer ist als das Ergebnis an diesem Augustabend im Olympiastadion der finnischen Hauptstadt.

Teams und Tore

Madrid: Courtois - Carvajal, Eder Militao, Alaba, Mendy (85. Rüdiger) - Modric (67. Rodrygo), Casemiro, Kroos (85. Tchouameni) - Fede Valverde (76. Camavinga), Benzema, Vinicius Junior (85. Ceballos). - Trainer: Ancelotti
Frankfurt: Trapp - Toure (70. Alario), Tuta, Ndicka - Knauff, Sow, Rode (58. Götze), Lenz - Kamada, Lindström (58. Muani) - Borre. - Trainer: Glasner
Schiedsrichter: Michael Oliver (England)
Tore: 1:0 Alaba (37.), 2:0 Benzema (65.)
Zuschauer: 31.500
Gelbe Karten: - Alario

Im Spielfilm

Vor dem Anpfiff: Die erste Überraschung gibt es, als die Mannschaften den Platz betreten. Sebastian Rode darf als Kapitän der Eintracht die Europa-League-Trophäe auf den Rasen tragen. Nach den - freundlich ausgedrückt - bemerkenswerten Szenen beim Empfang in Frankfurt hätte es nicht verwundert, wenn sich Oberbürgermeister Peter Feldmann auch hier eingeschlichen hätte, um sich den Pokal zu schnappen. Vielleicht war er aber zu sehr damit beschäftigt, sich auf seine Verteidigung gegen die Korruptionsvorwürfe vorzubereiten, nachdem er die seine Abwahl durch die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung nicht angenommen hatte.

14. Minute: Daichi Kamada verpasst die große Chance, seine Heldengeschichte auf der großen Bühne fortzuschreiben. Der fünffache Europa-League-Torschütze des Vorjahres scheitert aus halblinker Position daran, einen großartigen Steckpass von Rafael Borré zur Führung zu vollenden. Dieser Thibaut Courtois soll aber auch ganz gut als Torwart sein, wie Jürgen Klopp nach dem Endspiel der Champions League recht deutlich festhielt.

17. Minute: Tuta tut, was ein Abwehrspieler tun muss. Karim Benzema schiebt den Ball zu Vinicius Junior, dessen Abschluss dann Kevin Trapp überwindet - doch Tuta wirft sich dazwischen und klärt knapp einen Meter vor der Linie.

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1:0 Madrid.

(Foto: IMAGO/Jan Huebner)

37. Minute, TOOOOOR FÜR REAL MADRID: Vinicius Junior erzielte das entscheidende Tor im Champions-League-Finale und er ist auch hier entscheidend an der Führung für Madrid beteiligt, die aus einem starken Umschaltmoment entsteht. An der Mittellinie spielt er Doppelpass mit Benzema und geht auf die Reise, zieht vom linken Flügel nach innen, seinen Abschluss lenkt Trapp noch um den Pfosten. Die Ecke von Toni Kroos aber bekommt die SGE nicht verteidigt. Benzema köpft rechts neben das Tor, Casemiro legt von dort zurück per Kopf zurück in die Mitte, wo David Alaba überhaupt keine Mühe mehr hat, zur Führung einzuschieben.

Halbzeit: Frankfurt macht das ziemlich oft ziemlich gut, verliert nur einmal wirklich die Ordnung. Weil auf der Gegenseite die Mannschaft steht, die solche Momente nicht nur provoziert, sondern auch bestraft, liegt die Eintracht hier nach 45 Minuten hinten. Schöne Geste übrigens von Trainer Oliver Glasner, die Finalhelden von Sevilla geschlossen aufzustellen. Einzig für Filip Kostić, der gerade auf dem Weg nach Turin ist, steht Christopher Lenz auf dem Platz.

55. Minute: Trapp bekommt gerade noch den Fuß dazwischen und verhindert den Zwei-Tore-Rückstand. Eine Flanke von Ferland Mendy findet Vinicius Junior, der zieht aus der Drehung ab. Der Schuss wird abgefälscht und Trapp klärt in höchster Not.

61. Minute: Die Eintracht wankt, diesmal ist Trapp machtlos, die Torlatte aber rettet. Casemiro hält aus zentraler Position drauf, vom Querbalken (haben Sie dieses Wort jemals außerhalb des Fußballs wahrgenommen?) springt der Ball ins Aus.

64. Minute: Ansgar Knauff! Findet von rechts einen freien Weg in den Strafraum und dann auch zum Tor. Sein Abschluss allerdings ist zu schwach, um Courtois ernsthaft herauszufordern.

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2:0 Madrid.

(Foto: IMAGO/Newspix24)

65. Minute, TOOOOOR FÜR REAL MADRID: Wieder schaltet Real schnell um, wieder über Vinicius Junior - und wieder landet der Ball kurz darauf im Tor der Frankfurter. Auf dem linken Flügel wird die Eintracht-Abwehr überspielt, Vinicius Junior legt flach in die Mitte, wo Benzema nicht nur Platz, sondern auch Zeit hat. Sein nicht sonderlich platzierter Schuss scheint Trapp zu überraschen. Zumindest gelingt es ihm nicht mehr, die mutmaßliche Vorentscheidung zu verhindern.

80. Minute: Frankfurt versucht es nochmal, richtig gefährlich aber wird es nie. Der eingewechselte Randal Kolo Muani dribbelt vielversprechend, allerdings letztlich erfolglos. Real verteidigt sich gegen die Bemühungen der Eintracht souverän.

Abpfiff: Gefahr kommt nicht mehr auf, Real bringt diesen Supercup souverän zu Ende. Für die Madrilenen ist's der fünfte Titel, damit sind sie jetzt gemeinsam mit dem FC Barcelona und der AC Mailand Rekordsieger dieses Wettbewerbs.

Was war gut?

Real Madrid. Das Spiel der Königlichen ist nicht so spektakulär-aggressiv wie das des FC Liverpool, nicht so passlastig-beeindruckend wie das von Manchester City, nicht so offensiv-gewaltig wie die Ansätze, die der FC Bayern gegen die Frankfurter zeigte. Aber defensiv ist der Champions-League-Sieger einfach eklig, und das ist anerkennend gemeint. Im Champions-League-Finale war Thibaut Courtois unüberwindbar, gegen die Eintracht hält er alles sicher, was zu halten. Am besten lässt sich das positive Eklig-Sein aber wohl an Casemiro sehen, dessen Intensität in direkten Duellen heraussticht und dessen Zweikampfhärte selbst auf diesem höchsten europäischen Niveau Gegenspieler immer wieder zu beeindrucken scheint.

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Casemiro wurde anschließend als Spieler des Spiels ausgezeichnet.

(Foto: IMAGO/Jan Huebner)

Diese Casemiro-Haftigkeit trägt die ganze Mannschaft vor sich her, die nie aus der Ruhe zu kommen scheint. Toni Kroos gewinnt seinen (grob überschlagen) hundertsten Titel mit Real, Luka Modrić bleibt Luka Modrić und diesmal ist es beim 1:0 eben David Alaba, der den ersten großen Fehler des Gegners direkt bestraft. Es sind nicht viele große Chancen, die sich die Elf von Carlo Ancelotti herausspielt, aber auch das 2:0 leitet ein Moment, in dem die Geschwindigkeit im Denken und Handeln zu hoch für die Frankfurter ist.

Vinicius Junior ragt offensiv heraus, seine Dribbelstärke eröffnet den Madrilenen immer wieder Optionen. Bei beiden Treffern sind es seine Läufe, die den Erfolg entscheidend begünstigen. Und dann ist da eben auch noch Karim Benzema, der in Helsinki sein 324. Pflichtspiel-Tor für Real erzielt, nur Cristiano Ronaldo (450) steht in dieser Statistik noch vor ihm. Es wäre nicht verwunderlich, wenn der Franzose sich bald auch Weltfußballer nennen darf.

Was war nicht so gut?

Erstmals in der Klubgeschichte wird Eintracht Frankfurt in dieser Saison in der Champions League antreten. Der Titelverteidiger ist natürlich gleich der schwerstmögliche Gradmesser, aber auf den Bundesligisten wartet ein hartes Stück Arbeit, wenn es über die Gruppenphase hinausgehen soll. Das ist auch logisch, immerhin ist der Europa-League-Sieg der SGE auch drei Monate später noch eine Sensation und die Supercup-Teilnahme die Belohnung für ein herausragendes Jahr.

Aber im Duell mit Real Madrid wird an diesem Augustabend in Helsinki eben deutlich, dass es in der Innenverteidigung für das höchste Regal noch nicht reicht und offensiv viel davon abhängt, wer als Nachfolger für Filip Kostić noch präsentiert wird und wie Mario Götze sich als kreativer Kopf in die Angriffsbemühungen einbringen kann. Ein klassischer Abschlussspieler fehlt, der eingewechselte Kolo Muani deutet aber zumindest an, mit Dribblings Räume für seine Teamkollegen auftun zu können. Dass Kevin Trapp beim zweiten Gegentreffer nicht gut aussieht, begünstigt zwar das 0:2, ändert am Gesamteindruck der 90 Minuten aber nur wenig.

Das sagen die Beteiligten

Sebastian Rode (Kapitän von Eintracht Frankfurt): "In so einem Spiel willst du den Titel holen. Es hat nicht gereicht, aber es war eine bessere Leistung als gegen Bayern. Gegen den Champions-League-Sieger musst du halt deine wenigen Chancen nutzen. Wir haben die entscheidenden Sachen nicht genutzt."

Oliver Glasner (Trainer Eintracht Frankfurt): "Es ist schade, aber ich bin sehr stolz. Wir haben es Real sehr schwer gemacht, hatten bei 0:0 die Riesenchance. Es ist schade, dass wir wieder nach einer Ecke in Rückstand geraten. Aber wir haben bis zur letzten Sekunde alles versucht und nach vorne gespielt. Deshalb blicke ich sehr positiv nach vorne."

Carlo Ancelotti (Trainer Real Madrid): "Wir haben kein spektakuläres Spiel gemacht, aber es war solide. Wir wussten, dass sie im Umschalten gefährlich sein können. Wir mussten einfach effizient sein und das haben wir geschafft."

Quelle: ntv.de

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