Fußball

Vertragsverhandlungen stocken Es knirscht bei Neuer und dem FC Bayern

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Neuer möchte selbst festlegen, wann er seinen Platz im Tor abgibt.

(Foto: imago images/VI Images)

Der FC Bayern möchte mit Manuel Neuer über 2021 hinaus verlängern. Doch für wie lange? Der Torhüter und Kapitän plant langfristig, die Münchner haben wegen eines Neuzugangs andere Ideen. Ungewohnt ist, wie bestimmt Neuer auftritt.

Eigentlich scheint alles klar: Manuel Neuer möchte seinen Vertrag beim FC Bayern verlängern, Sportdirektor Hasan Salihamidzic würde seinen Torwart auch gerne länger als bis 2021 an den Fußball-Rekordmeister binden. Weil mit dem Kapitän die Verträge gleich sieben verdienter Spieler auslaufen, möchten die Münchner zeitnah Fakten schaffen. Während das bei Thomas Müller offenbar gelingt, gibt es bei Neuer grundlegende Differenzen. Denn der FC Bayern soll Neuer eine Verlängerung um zwei Jahre bis 2023 angeboten haben, dessen Seite allerdings einen neuen Vertrag über fünf Jahre, also bis 2025, fordern. Und zwar mit einer Vehemenz, die sie an der Säbener Straße so nicht gewohnt sind.

Es ist die derzeit vermutlich komplizierteste Personalverhandlung der Münchner. Denn der 34-Jährige, der sich in den vergangenen Jahren aus öffentlichen Streitigkeiten heraushielt und seine Verträge weitestgehend lautlos verlängerte, tritt in jüngster Vergangenheit sichtbar für seine persönlichen Interessen ein. Im Winter-Trainingslager erklärte Neuer in ungewohnter Deutlichkeit: "Ich bin kein Statist, sondern Protagonist und möchte immer spielen." Was übersetzt so viel bedeutet wie: Ich bestimme, wann ich meinen Platz im Tor abgebe. Da war gerade bekannt geworden, dass Alexander Nübel wie einst Neuer den Schritt vom FC Schalke 04 nach München wagt. Und dieser im Sommer 2020 zu vollziehende Wechsel erklärt auch, warum der FC Bayern von Neuers Fünf-Jahres-Plan weniger angetan zu sein scheint.

Der FC Bayern möchte Neuer nicht verlieren

Denn ebenso lange läuft der Vertrag des 23 Jahre alten Nübel, der von den Münchnern mit einem laut seinem Umfeld "schlüssigen Konzept" überzeugt wurde. Dazu dürfte nicht gehören, die gesamte Vertragslaufzeit als Nummer zwei hinter Neuer auf der Bank sitzen. Das aber wäre die Aussicht. Denn Neuer ist, das sagen Trainer Hansi Flick und der neue Vorstand und designierte Rummenigge-Nachfolger Oliver Kahn: "Der beste Torwart der Welt". Weshalb die Münchner nun eben in einer Zwickmühle stecken: Verlieren wollen sie diesen weltbesten Gegentor-Verhinderer nicht, aber eben auch nicht mit einem Vertrag ausstatten, der so lange läuft wie der des designierten Nachfolgers.

Neuers nachdrückliches Auftreten gegenüber dem eigenen Klub ist dabei neu, dürfte Salihamidzic & Co. aber nicht überraschen. Als Marc-André ter Stegen im Herbst erklärte, er sei in der DFB-Elf mit der Reservistenrolle unzufrieden, machte Neuer seinen Anspruch auf den Stammplatz wiederholt und deutlich klar. Als der Nübel-Wechsel im Januar feststand, ebenso. Sportlich bietet Neuer kaum Angriffsfläche: Nach seiner langwierigen Fußverletzung fand er im Tor schnell zu alter Form zurück, auch fußballerisch und im Spielaufbau gilt er unumstritten als einer der besten der Welt.

Kahn kennt Neuers Situation

Ernsthafte Konkurrenz ist Nübel (noch) nicht, auch weil er laut Kahn erst mal von Neuer lernen soll: "Die Möglichkeit, täglich mit dem besten Torwart der Welt zu arbeiten, haben nicht viele." Seit der Bekanntgabe des Wechsels zeigte sich Nübel verunsichert, leistete sich ungewohnte Fehler, wurde dazu vom eigenen Anhang harsch kritisiert, bisweilen heftig beschimpft. Um den Weltklasse-Keeper Neuer herauszufordern, muss er zunächst von Neuer lernen, wie Weltklasse funktioniert. Ein Abgang des Stammkeepers im Sommer 2021 käme dafür zu früh.

Ein neuer Vertrag bis 2025 könnte Nübel allerdings desillusionieren. Weil Neuer bislang nicht nachlässt und weil Torhüter wesentlich öfter bis ins hohe Fußballer-Alter spielen. Das weiß auch Kahn. Als der einstige Titan im Sommer 2008 seine Karriere beendete, feierte er kurz darauf seinen 39. Geburtstag. So alt wird Neuer im März 2025. Kahn zufolge sei es zwar "schon eine große Herausforderung, das hohe Niveau zu halten". Doch auf genau diese Herausforderung scheint sich Manuel Neuer zu freuen.

Quelle: ntv.de