FC Bayern feiert KantersiegWerder schubst Wolfsburg an den Abgrund, Torfestival in wildem Derby

Der VfL Wolfsburg taumelt weiter in Richtung Abstieg: Am 27. Spieltag der Fußball-Bundesliga verlieren die Niedersachsen den Kellerknaller gegen Werder Bremen. In einem wilden Rhein-Derby gibt es zwar sechs Tore, aber keinen Sieger.
FC Bayern München - Union Berlin 4:0 (2:0)
Die "Crunchtime" kann kommen: Dank seiner überragenden Offensive hat der FC Bayern vor dem Start in den heißen April seine komfortable Tabellenführung in der Fußball-Bundesliga gefestigt. Die Mannschaft von Trainer Vincent Kompany gewann ihr Heimspiel gegen Union Berlin souverän mit 4:0 (2:0) und geht mit einem Polster von mindestens neun Punkten vor Verfolger Borussia Dortmund in die entscheidende Phase ihrer Triple-Jagd.
Nach der zweiwöchigen Länderspielpause stehen für den Rekordmeister unter anderem die Giganten-Duelle in der Champions League mit Real Madrid (7. und 15. April) und das DFB-Pokal-Halbfinale in Leverkusen (22. April) auf dem Programm. Solange die Münchner vom Verletzungspech verschont bleiben, können sie dieser Zeit recht zuversichtlich entgegenblicken.
Michael Olise (43.), Serge Gnabry (45.+1, 67.) und Harry Kane (49.) unterstrichen am Samstag einmal mehr die Vormachtstellung der Bayern in der Liga. Nach 27 Spieltagen haben die Münchner bereits 97 Tore erzielt - der Rekord von 101 Treffern aus der Saison 1971/72 wird nicht mehr lange Bestand haben.
Die Bayern, die gegen Union auf die gesperrten Jonathan Tah, Luis Díaz und Nicolas Jackson sowie Aleksandar Pavlovic (Hüftbeschwerden), verzichten mussten, bestimmten gegen Union von Beginn an das Geschehen. Viele Lücken taten sich in der stabilen Berliner Defensive zunächst jedoch nicht auf. Auch die zahlreichen langen Bälle, die die Bayern in den Rücken der Abwehr schlugen, hatten wenig Ertrag.
Ein Chipball von Olise in den Lauf von Kane (9.) blieb lange die gefährlichste Aktion - auch, weil Lennart Karl (16.) und Gnabry (21.) bei ihren Abschlüssen zu ungenau blieben. Oder zu genau: Nach einem flüssig vorgetragenen Angriff kam Karl (29.) frei vor Union-Keeper Frederik Rönnow zum Abschluss, schob den Ball aber an den Pfosten.
Dennoch: Die Bayern wirkten wacher, zogen das Tempo an - und machten rund um die Halbzeitpause kurzen Prozess mit nun wehrlosen Berlinern. Nachdem Olise, Kane (beide 39.) und Leon Goretzka (42.) noch aussichtsreiche Chancen liegen gelassen hatten, traf der Franzose sehenswert per Schlenzer ins lange Eck. Gnabry erhöhte mit dem Pausenpfiff, Kane ließ kurz nach dem Wiederanpfiff den dritten Treffer folgen - es war sein 31. Saisontor in der Liga.
Die Münchner ließen im Anschluss keinesfalls nach. Union versuchte noch, über Konter Nadelstiche zu setzen, öffnete dabei aber auch immer wieder Räume für die Bayern. Gnabry nutzte diese für seinen zweiten Treffer, Olise (78.) traf nur den Pfosten.
VfL Wolfsburg - Werder Bremen 0:1 (0:0)
Der VfL Wolfsburg hat im Abstiegsgipfel der Fußball-Bundesliga gegen den ebenfalls bedrohten Konkurrenten Werder Bremen den nächsten Rückschlag kassiert. Beim Heim-Debüt von Rückkehrer Dieter Hecking mussten sich die Niedersachsen mit 0:1 (0:0) geschlagen geben – nach zehn Spielen ohne Sieg wird die Lage in der Autostadt immer brenzliger.
Justin Njinmah (68.) traf für die Bremer, die sich mit nun 28 Zählern auf dem Konto etwas Luft zu den Abstiegsrängen verschafften. Für ein Aufatmen ist es aber noch zu früh. Die Wolfsburger, bei denen Moritz Jenz mit Gelb-Rot vom Platz flog (90.+2), stecken derweil tief in der Gefahrenzone. Als Tabellen-17. droht mit 21 Punkten der Absturz in die Zweitklassigkeit. Auf den lang ersehnten Befreiungsschlag muss der VfL dabei weiter warten, Hecking bleiben für seine Rettungsmission nur noch sieben reguläre Partien.
Das so wichtige Duell um den Klassenerhalt wurde dabei von Auseinandersetzungen am Rande des Spiels begleitet. Laut der Polizei Wolfsburg kam es zu mehreren Festnahmen von Werder-Fans, demnach sei es zu Angriffen auf Ordner gekommen, die Einsatzkräfte hätten einschreiten müssen. Die Fanhilfe Bremen warf den Beamten dagegen "massive Übergriffe" vor. Einige Plätze im Gästebereich blieben augenscheinlich leer.
Auf der anderen Seite empfing die gut gefüllte Nordkurve im ersten Heimspiel nach den Fan-Tumulten die Wolfsburger Mannschaft, machte mit zahlreichen Bannern ihr Anliegen aber deutlich. "Nicht für irgendwelche Spieler - wir singen nur für unseren Verein", war dort unter anderem zu lesen.
Sportlich war der Druck für beide Teams im Vorfeld groß gewesen. Dieser gehöre jedoch "in der Situation dazu, den können wir auch nicht wegreden, der ist da", erklärte VfL-Coach Hecking. Druck könne aber "auch Kräfte freisetzen". Auf dem Rasen versuchten die Gastgeber, den Worten ihres Trainers Taten folgen zu lassen, und ließen den Ball durch die eigenen Reihen laufen. Richtig gefährlich wurden beide Teams in der Anfangsphase aber nicht.
Eine gute Freistoßposition für die Bremer konnte Cameron Puertas nicht nutzen. Wolfsburg-Keeper Kamil Grabara parierte nicht nur dessen direkten Versuch, sondern auch den Nachschuss von Yukinari Sugawara (12.). Auf der anderen Seite bewahrte Werder-Torhüter Mio Backhaus (16.) nach einer Ecke sein Team vor einem Rückstand.
Beide Teams waren bemüht, offensive Akzente zu setzen, scheuten aber das letzte Risiko. Vor allem im letzten Drittel fehlte es an Präzision. Wolfsburg machte zunehmend Druck, ließ aber die entscheidende Durchschlagskraft vermissen, Mohamed Amoura (60.) verfehlte zudem knapp. Stattdessen ließ Njinmah den Bremer Anhang jubeln. Wolfsburg versuchte in der Schlussphase, Schadensbegrenzung zu betreiben.
1.FC Köln - Borussia Mönchengladbach 3:3 (2:2)
Moral bewiesen - doch die Krise hält an: Der 1. FC Köln hat im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga einen immens wichtigen Sieg verpasst. Im spektakulären 100. Rheinderby gegen den Erzrivalen Borussia Mönchengladbach kam das Team des angezählten Trainers Lukas Kwasniok nicht über ein 3:3 (2:2) hinaus und wartet seit nunmehr sieben Spielen auf einen Sieg.
Said El Mala (4.), Ragnar Ache (7.) und Eric Martel (84.) sicherten den aufopferungsvoll kämpfenden Kölnern zumindest noch einen Punkt - und Kwasniok womöglich vorerst den Job. Martel sah zwei Minuten nach seinem Ausgleichstor wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte (86.). Jens Castrop (1./60.) hatte die Gäste von Trainer Eugen Polanski zweimal in Führung gebracht, zudem traf Philipp Sander (20.). Der Vorsprung der Kölner auf den Relegationsplatz beträgt vorerst zwei Punkte, Gladbach hat weiter drei Punkte mehr auf dem Konto.
Von einem persönlichen Endspiel wollte Kwasniok im Vorfeld nichts wissen. "Die Jungs geben ihr letztes Hemd. Ich hoffe, man spürt, dass das der Trainer auch tut", sagte der 44-Jährige. Er stehe bildlich gesprochen "gerne im Wind - und ich bin nicht so leicht umzustoßen".
Toptorschütze El Mala, der schon in der vergangenen Woche zum 1:1 beim Hamburger SV getroffen hatte, stand nach leichter Krankheit unter der Woche, den Gerüchten um eine vermeintliche Wechselzusage in die Premier League sowie der Nichtnominierung für die anstehenden Länderspiele in der Startelf. Ordentlich Wirbel gab es auch um Borussia-Kapitän Rocco Reitz, der nach seinem Wechsel zu RB Leipzig im Sommer und Rotsperre in die Anfangself zurückkehrte.
"Den Feind schlagen - die Klasse halten!", hieß die klare Vorgabe der Kölner Südkurve, die ihrem Team schon vor dem Spiel ordentlich einheizte. Tom Krauß musste das Warmmachen mit Knieproblemen abbrechen, für ihn feierte Cenny Neumann sein Startelfdebüt.
Und der 19-Jährige verschätzte sich bei einem Steilpass gleich massiv, musste Castrop ziehen lassen, der locker durch die Beine von Torhüter Marvin Schwäbe zur Gäste-Führung einschob. Doch die Kölner zeigten sich nur kurz geschockt, nach einem hohen Ball von der Mittellinie traf El Mala sehenswert zum Ausgleich - und legte beim Jubeln demonstrativ einen Finger ans rechte Ohr. Wieder nur drei Minuten später brachte Ache das Stadion endgültig zum Beben.
Das Spiel blieb nach den wilden Anfangsminuten schnell und direkt. Sander bekam im Sechzehner viel zu viel Platz, sein erster Abschluss wurde noch geblockt, dann aber war Schwäbe chancenlos. Ansonsten hatte Köln die besseren Gelegenheiten, etwa durch den Kopfball von Ache (30.) oder Distanzsschuss von Jóhannesson (37.). Gladbachs Kevin Diks scheiterte am Pfosten (40.).
Nach der Pause verflachte die Begegnung, bis Castrop aus dem Nichts aus 20 Metern traumhaft unter die Latte traf. Doch Köln kam noch einmal zurück.
FC Heidenheim - Bayer 04 Leverkusen 3:3 (0:2)
2:0 geführt, 3:2 geführt - und trotzdem nicht gewonnen: Bayer Leverkusen hat im Kampf um die erneute Teilnahme an der Champions League einen weiteren Rückschlag erlitten. Beim designierten Absteiger 1. FC Heidenheim kam die Werkself nicht über ein 3:3 (2:0) und damit das vierte Unentschieden in Serie in der Bundesliga hinaus. Vier Tage nach dem Achtelfinal-Aus in der Königsklasse beim FC Arsenal verpasste es die Mannschaft von Trainer Kasper Hjulmand, bis auf zwei Punkte an den vierten Tabellenplatz heranzurücken.
Nach einer kurzen Anlaufphase hatte Leverkusen das Spiel zunächst dominiert. Dabei nutzten Malik Tillman (22.) und Patrik Schick (35.) die großen Abwehrschwächen der Heidenheimer eiskalt aus. Nach der Pause kamen die Gastgeber zügig zum Anschlusstreffer durch Hennes Behrens (56.) - und dann sogar zum Ausgleich: Der eingewechselte Marvin Pieringer verwandelte einen von Robert Andrich verursachten Foulelfmeter (72.) und besorgte nach dem zweiten Treffer von Schick (79.) auch den Endstand (85.).
Eines hatten die Heidenheimer unbedingt verhindern wollen: Noch einmal so hoch zu verlieren wie beim 0:6 im Hinspiel - und wie zuvor nur ein weiteres Mal in der Vereinsgeschichte. "So etwas vergisst man nicht, so was will man kein zweites Mal haben", sagte Trainer Frank Schmidt vor dem Spiel bei Sky.
Das gut gemeinte Vorhaben gelang freilich nur wenig mehr als 20 Minuten. Dann durfte Aleix García unbedrängt aus dem Mittelfeld flanken - im Strafraum vollendete Tillman ebenfalls ohne Heidenheimer Gegenwehr. Im Hinspiel hatte Leverkusen zu diesem Zeitpunkt (22. Minute) schon 3:0 geführt. Auch beim zweiten Leverkusener Treffer standen die Heidenheimer zu weit weg von ihren Gegenspielern.
"Wir verteidigen einfach nicht gut genug", klagte Heidenheims Geschäftsführer Holger Sanwald während der Pause bei Sky. Danach aber spielte der 1. FCH offensiv besser als vor dem Seitenwechsel. Leverkusen war ein wenig zu sorglos und passiv, auch nach dem erneuten Führungstreffer, den Schick nach einem Eckball erzielte, bekam Bayer das Spiel nicht mehr in den Griff.