Fußball

Die Lehren des 30. Spieltags FC Bayern genießt, Götze und Reus staunen

imago39950060h.jpg

Niklas Süle trifft - der FC Bayern freut sich über den Meisterkampf.

(Foto: imago images / Sven Simon)

Endlich gibt es in der Fußball-Bundesliga wieder einen echten Titel-Kampf. Das beflügelt selbst den FC Bayern. In Freiburg sorgen die Dortmunder Götze und Reus für eine überraschende Premiere und ein kurioser Augsburg-Fluch trifft nun auch den Ex-Augsburger Weinzierl.

1. FC Bayern genießt die Titel-Spannung

6. April, 25. März, 27. April, 7. Mai, 29. April und 7. April - seit 2013 machte der FC Bayern München an diesen Daten die Meisterschaft perfekt. Bis auf 2016 also: verdammt früh in der Saison. Nun, das wird in diesem Jahr nicht gelingen. Der BVB ist den Münchnern nach ihrem 4:0-Sieg beim SC Freiburg (siehe unten) am Sonntag weiterhin auf den Fersen. Es scheint, als würden die Bayern diese Situation fast ein wenig genießen. Endlich müssen sie zum Liga-Schlussspurt keine künstliche Spannung erzeugen, die ihnen ohnehin kaum jemand ernsthaft abnimmt. "Es ist schön, dieses Kribbeln zu spüren, diese Spannung", sagt Ersatztorwart Sven Ulreich. "Das sind jetzt alles Endspiele. Da sind die Emotionen nochmal höher, da geht man auch mit einem ganz anderen Fokus rein als in die letzten Spiele der letzten Jahre." Nur ein Punkt trennt den Tabellenführer vom BVB. Die Meisterfeier kann noch nicht geplant werden, die Bierflaschen für die Bierdusche stehen wohl noch nicht kalt, vermutlich ist noch kein Gesangs-Act für den letzten Spieltag engagiert. "Dass wir nur noch Endspiele haben, das hilft uns, konzentriert zu bleiben", sagt Wochenend-Torschütze Niklas Süle nach seinem Treffer bei Werder Bremen (1:0).

ffa66d20b3aa7cd22b40791673e174f0.jpg

Niko Kovac kann sich für den FC Bayern zerrreißen, er macht es nicht allen Recht.

(Foto: imago images / Michael Weber)

Und spricht's an: "Dann muss auch mal so ein dreckiges Tor herhalten." Denn trotz klarer Überlegenheit will den Bayern bei den 2019 noch ungeschlagenen Bremern lange kein Treffer gelingen. Letztlich aber beendet der FC Bayern nicht nur diese Serie, sondern sorgt auch noch dafür, dass Werder erstmals in dieser Saison kein Tor in einer Partie erzielt. Die Bayern geben den Spielverderber - weil die Spannung der Mannschaft zu guten Leistungen verhilft. Sie spielen statistisch gesehen die zweitbeste Bundesliga-Rückrunde der Vereinsgeschichte. 34 Punkte gibt es aus 13 Spielen, elf Siegen, einem Unentschieden (1:1 gegen den SC Freiburg) und nur einer Niederlage (1:3 gegen Bayer Leverkusen). Nur - natürlich - unter Jupp Heynckes lief es einmal noch besser. In der Triple-Saison 2012/13, als die Bilanz der Rückrunde lautete: 16 Siege und nur ein Unentschieden. Und dennoch muss Niko Kovac sich weiterhin anhören, dass er nicht der richtige Trainer für die Bayern ist.

2. Reus und Götze sorgen für Liga-Premiere

Die Täter sind sich keiner Schuld bewusst. Und man nimmt ihnen das vollkommen ab. Was war passiert? Marco Reus passt auf Mario Götze - Tor, 3:0 in der 79. Minute. Noch während des Spiels des BVB beim SC Freiburg (4:0) graben Statistiker folgendes Schmankerl aus: Es ist das erste Mal, dass Reus für seinen Kumpel auflegt. Dabei bestritten die beiden zusammen bereits 87 Pflichtspiele, 72 für Borussia Dortmund, 15 für die deutsche Nationalmannschaft. "Eigentlich geht das nicht", sagte Götze bei Sky. Reus konnte es gar nicht glauben, sagte dann aber: "Irgendwann ist immer das erste Mal - heute war es zum Glück dann so." Zur Aufmunterung aller, die nun an ihrem Gedächtnis zweifeln: Andersrum gab es das schon. Sieben Tore entstanden aus Pässen von Götze zu Reus.

3. Nagelsmann träumt von der Champions League - zu Recht

80103cc75a73e6bc8dfa9e83de4ebf92.jpg

Nagelsmann geht im Freudentaumel unter.

(Foto: dpa)

Trainer Julian Nagelsmann befindet sich wahrlich in einer Luxussituation: Mit der TSG 1899 Hoffenheim hat er zuletzt die Wende geschafft. Vor dem 5:2-Sieg beim FC Schalke standen ein 2:0 gegen Hertha BSC, ein 4:0 beim FC Augsburg und ein 4:1 gegen Bayer Leverkusen zu Buche. 17 Punkte seit dem 25. Spieltag hievten die Hoffenheimer auf den Europapokal-Platz sechs. Es könnte noch mehr drin sein, bei vorübergehend nur zwei Punkten Abstand zur Eintracht aus Frankfurt, die Rang vier belegt (und am Abend noch beim VfL Wolfsburg antreten muss - 20.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de). "Wenn wir noch viermal gewinnen, glaube ich, dass wir den vierten Platz haben können", sagte Nagelsmann. Und dass er "von Tag eins an" mit der Champions League "liebäugele".

Was daran die Luxussituation ist? Nun, Nagelsmann wechselt bekanntermaßen nach der Saison zu RB Leipzig. Und könnte damit seinem Nachfolger Alfred Schreuder die Champions League hinterlassen - und definitiv selbst im Turnier mitspielen. Denn die Leipziger sind von einem Königsklassen-Platz quasi nicht mehr zu vertreiben. Platz drei, und selbst bei einem Sieg der Eintracht in Wolfsburg noch sechs Punkte Abstand auf eben jene. Solch einen Luxus kann eben kein weiterer Bundesligatrainer vorweisen.

4. Drucklöser sind keine leistungssteigernden Mittel

imago39972153h.jpg

Pal Dardai bleibt Herthaner - nicht nur in den Herzen der Fans.

(Foto: imago images / Annegret Hilse)

Nach fünf Niederlagen in Serie zog man in Berlin zu Wochenbeginn erwartungsgemäß die Reißleine: Pal Dardai, seit vier Jahren und noch bis Saisonende Cheftrainer der Hertha-Profis, wird seinen Posten abgeben und nach einer Pause ab 2020 wieder im Nachwuchsbereich des Klubs arbeiten. "Pal ist ein wichtiger Bestandteil der positiven Entwicklung unseres Klubs und wird auch über seine Zeit als Cheftrainer der Profis hinaus ein großer Faktor der Hertha-Familie bleiben", sagte Manager Michael Preetz nach der Trennung über seinen noch leitenden Angestellten. Die Entscheidung wurde (mindestens nach außen) begeisternd harmonisch getroffen – oder wenigstens so verkauft – und Dardai, Rekordspieler der Hertha, sprach hernach davon, "erleichtert" zu sein. "Oh, es wird zäh", habe er im letzten Jahr schon gedacht, "aber wir haben uns zusammengesetzt und weitergemacht."

Druck, der vom Übungsleiter abgefallen ist, fällt aber offensichtlich nicht automatisch von seiner Mannschaft ab. Statt neuer Impulse, einer frischen Dynamik durch die veränderte Situation, durften die Hertha-Fans Sonntagabend eine deprimierende Vorstellung ihrer Truppe erleben. Gegen Hannover 96, die maximalverunsicherte Krisentruppe dieser Saison, in der weniger Leben steckt, als in den Ethikrichtlinien der Fifa, gab es ein 0:0. "Man hat gesehen, dass die Fünf-Niederlagen-Mannschaft gegen die Acht-Niederlagen-Mannschaft gespielt hat. Bei uns war der Wille da, aber die Tore und das spielerische Element haben gefehlt", sagte Dardai nach dem Spiel unter Verweis auf die jüngere Bundesligahistorie beider Mannschaften. Bundesligaspiele zu gewinnen, ist eben komplizierter, als man gemeinhin denkt. Pal Dardai konnte dieses Rätsel einfach nicht mehr lösen, Erleichterung hin, Erleichterung her.

5. Kurioser Augsburg-Fluch trifft Ex-Augsburger Weinzierl

ea35965d0b2fa437b3e0ed4e6d84cf82.jpg

Weinzierl holt sein eigener Fluch ein.

(Foto: dpa)

Sagen wir es mal so: Der Abschied von Markus Weinzierl beim VfB Stuttgart kommt nicht gerade überraschend. Zu schlecht spielt die Mannschaft, zu wenig Punkte holt sie, zu lange dümpelt sie als 15. auf dem Relegationsplatz im Tabellenkeller herum. Das üble 0:6 beim FC Augsburg brachte das Fass zum Überlaufen. Für Weinzierl eine Niederlage mit besonderem Geschmäckle: Die Augsburger sind bekanntermaßen sein Ex-Ex-Klub, den er von Juli 2012 bis Juni 2016 trainierte, eher er zum FC Schalke 04 wechselte. Außerdem mächtig kurios an der ganzen Entlassungsnummer: Der 44-Jährige ist schon der vierte Trainer des VfB, der nach einer Niederlage gegen den FC Augsburg entlassen wird. Und: Seine drei Vorgänger hatte Weinzierl immer selbst aus dem Amt geschossen. In der Saison 2013/14 traf es Bruno Labbadia, der nach einem 1:2 in Augsburg gehen musste. In der Saison 2014/15 trat Armin Veh nach einem 0:1 in Augsburg ab. Und 2015/16 schließlich verlor der VfB Stuttgart 0:4 in Augsburg und Alexander Zorniger war nicht länger Stuttgarts Trainer.

Am Samstag nun traf diese Serie auch Weinzierl selbst. Nach dem 0:6 in Augsburg, nach nur vier Siegen in 23 Spielen, nach nur sieben Punkten in der Rückrunde. Der bisherige U19-Coach Nico Willig soll den dritten Abstieg der Stuttgarter in die 2. Liga nun noch verhindern. Denn die Weinzierl-Bilanz liest sich zwar ganz wie die eines Absteigers, doch hat Stuttgart immer noch allen Grund zur Hoffnung auf einen Verbleib im Fußball-Oberhaus - vermutlich mit dem Umweg über die Relegation. Denn …  

6. Abstiegskampf ist kein Kampf, sondern unansehnlicher Krampf

imago39961404h.jpg

Die Nürnberger sind zu spät aufgewacht.

(Foto: imago images / Zink)

Wir schreiben es seit gefühlten Monaten: Alle Mannschaften, die vor dem 1. FC Nürnberg und Hannover 96 liegen, brauchen sich um den direkten Abstieg keine Gedanken zu machen. Die Stuttgarter auf dem Relegationsplatz nicht, die erschütterten Schalker nicht und der FC Augsburg erst recht nicht. Denn die beiden Klubs spielen in fast der gesamten Saison 2018/19 einfach so mies, dass sie keinerlei Gefahr ausstrahlen. Die Niedersachsen rutschten am 13. Spieltag auf Platz 17, der 1. FC Nürnberg folgte am 15. Spieltag und verdrängte Hannover auf Rang 18. Seitdem tauschen die beiden Klubs lediglich untereinander die Reihenfolge. Einzig der "Glubb" sammelt noch ab und an ein Pünktchen, wie zuletzt am vorangegangenen Spieltag gegen den FC Schalke 04, der ja auch nur auf Platz 14 herumdümpelt und das Abstiegsgespenst nicht aus den Träumen verbannen kann. Doch ein Blick auf das Nürnberger Restprogramm (FC Bayern, VfL Wolfsburg, Borussia Mönchengladbach, SC Freiburg) erweckt keine Lebensgeister mehr. Dem Team unter Interimscoach Boris Schommers ist zu spät aufgegangen, dass es sich leistungstechnisch in bester Gesellschaft befindet und anderen Klubs im Tabellenkeller ebenfalls viel zu selten punkten. Über Hannover müssen wir erst recht keine großen Worte mehr verlieren. Auch wenn sie bei der seit fünf Spieltagen sieglosen Hertha aus Berlin ein trostloses Unentschieden erreichen. Mithilfe des Vorstandsvorsitzenden Martin Kind und der ewigen Fehde der Fans bietet der Klub mehr Stoff für einen Schundroman, denn für Fußballberichterstattung. Deswegen belassen wir es dabei an dieser Stelle.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema