Fußball

Slapstick-HSV und ein Hammerlos FC Bayern kantert, Guardiola fasst es nicht

imago_sp_0814_22260004_20731696.jpg9124229112923657333.jpg

Thomas Müller gelangen zwei Treffer - gegen einen wie erwartet schwachen Hamburger SV.

(Foto: imago/Ulmer)

Josep Guardiola feiert mit dem FC Bayern zum Saisonauftakt in der Fußball-Bundesliga einen souveränen Sieg. Dass er hinterher wenig amüsiert das Stadion verlässt, liegt nicht daran, dass der Gegner nur der HSV war.

Der Mann, so schien es, war ganz und gar nicht zufrieden. Josep Guardiola wusste, was kommen würde. Also stand er auf, schwieg und ging. Was war passiert? Hatte nicht sein FC Bayern an diesem Freitagabend just das Auftaktspiel der Fußball-Bundesliga mit 5:0 (1:0) gegen den Hamburger SV gewonnen? Hatten nicht 75.000 Zuschauer im selbstverständlich ausverkauften Münchner Stadion gleich am ersten Spieltag eine Leistung der von ihm seit nunmehr zwei Jahren trainierten Mannschaft gesehen, die nicht überragend, aber sehr ordentlich war? Doch, genau so war's. Aber das war nicht sein Problem.

Tore: 1:0 Benatia (27.), 2:0 Lewandowski (53.), 3:0 Thomas  Müller (69.), 4:0 Thomas Müller (73.), 5:0 Costa (87.)

München: Neuer - Lahm (72. Thiago), Jerome  Boateng, Benatia, Alaba - Alonso (56. Rafinha) - Robben (65. Götze),  Thomas Müller, Vidal, Costa - Lewandowski

Hamburg: Adler - Diekmeier, Djourou, Spahic, Ostrzolek - Ekdal  (61. Olic), Gideon Jung, Holtby - Gregoritsch, Schipplock (69.  Lasogga), Ilicevic (69. Diaz)

Referee: Dankert   Zus: 75.000

Das Spiel im n-tv.de Liveticker nachlesen.

Guardiola hatte sich nach der Pressekonferenz in dem Saal im Erdgeschoss des Stadions mit seinem spanischen Freund und Berater Manuel Estiarte auf der Videoleinwand angesehen, wie sie im Fernsehen die zweite Runde des DFB-Pokals auslosten. Er wartete und wartete, vergeblich zunächst. Als dann der VfL Wolfsburg gezogen wurde und nur noch eine Kugel im Topf war, war klar, was das bedeutet - und er ein wenig fassungslos. Das musste er sich nicht mehr anschauen. Sein FC Bayern spielt nun am 27. oder 28. Oktober beim Titelverteidiger, Tabellenzweiten der vergangenen und mutmaßlich härtesten Konkurrenten dieser Saison. Jüngst im Supercup siegten die Wolfsburger im Elfmeterschießen, die bisher letzte Bundesligapartie gewannen sie zum Start der Rückrunde mit 4:1. Oder wie es Sportdirektor Matthias Sammer sagte: "Es gibt leichtere Lose."

Anderseits: Der HSV zumindest war ja nach der Niederlage beim Viertligisten in Jena gar nicht mehr im Rennen. Ein Gegner mithin, der gegen die Bayern nur mit dem Ansinnen aufläuft, nicht allzu hoch zu verlieren. Und selbst das hatte am Freitag nicht richtig geklappt - gegen Münchner, die erst in der zweiten Halbzeit in Fahrt kamen. Medhi Benatia traf nach 27 Minuten, Robert Lewandowski erhöhte auf 2:0 (53.), Thomas Müller besorgte das 3:0 (69.) und 4:0 (73.) und Douglas Costa setzte drei Minuten vor dem Ende den Schlusspunkt in einer Partie, in der die Bayern zu einem Dreiviertel der Zeit den Ball hatten und 23 Mal aufs Tor schossen, während es der Gegner ganze fünf Mal versuchte. Dass Costa bei seinem allerersten Tor für die Münchner von einem slapstickhaften Aussetzer des Hamburgers Matthias Ostrzolek profitierte, der sich selbst ein Bein gestellt hatte, tat der Partystimmung in der Arena keinen Abbruch.

Hamburg auf Augenhöhe mit Oberhausen

Thomas Müller konstatierte: "Wir haben es verstanden, trotz der Erfolge hungrig zu sein. Das ist etwas Schönes. Wir haben auch nach dem 2:0 weitergemacht. An dieser Mentalität wollen wir festhalten." Und Sammer assistierte, ebenfalls in der ARD: "Wir müssen jetzt Signale aussenden, die richtigen Signale." So würde die Konkurrenz nicht auf den Gedanken komme, dass "gegen den FC Bayern vielleicht was geht". Deswegen war Guardiola nach dem Spiel und vor der Auslosung mitnichten euphorisch, aber durchaus zufrieden. Auch wenn er nicht gewusst haben dürfte, dass der FC Bayern erst einmal in seiner 50 Jahre währenden Bundesliga-Geschichte am ersten Spieltag ebenso hoch gewonnen hatte. 1972 war das, gegen RW Oberhausen. Gefallen hatten dem Trainer neben Müller vor allem die beiden Neuen in der Startelf, für die die Münchner zusammen 67 Millionen Euro ausgegeben hatten: "Mit dem Debüt von Douglas Costa und Arturo Vidal bin ich zufrieden. Sie haben viel Qualität und Erfahrung. Bayern München hat zwei gute Spieler gekauft."

Wobei erwähnt werden muss, dass besagter Costa, der erst auf dem linken und später auf dem rechten Flügel wirbelte, den spektakuläreren Eindruck hinterließ. "Er hat das Auge, er hat die Vision. In den kommenden Tagen wird er viel Lob bekommen", sagte Guardiola und wies durchaus wohlwollend darauf hin, dass der 24 Jahre alte Brasilianer "links, rechts, aber auch in der Mitte" spielen könne. Aber es kämen auch wieder schlechtere Tage, Costa sei noch jung. "Wir müssen ihm helfen, auf dem Boden zu bleiben."

Und der HSV? Torhüter René Adler sah die Sache so: "Wir haben das in der ersten Halbzeit noch gut gemacht. Irgendwann haben wir Fehler gemacht, dann war das Ergebnis nicht mehr zu halten." Und Außenverteidiger Dennis Diekmeier forderte gar: "Wir müssen das Positive mitnehmen." Nur, was soll das sein? Dass sie in der ersten Halbzeit nur ein Tor kassiert haben? Dass sie deswegen am Ende nicht zweistellig verloren haben? Im Prinzip ja.

Für die Liga ist das allerdings kein gutes Signal, dass es gleich für den ersten Gegner in dieser Saison nur darum geht, den Schaden irgendwie zu begrenzen. Und dass von den Verlierern hinterher keiner richtig unglücklich ist, auch wenn ein 0:5 nun wirklich kein gutes Ergebnis ist. Anderseits darf den Hamburgern das herzlich egal sein. Für sie geht es in der Tat darum, nicht am Ende zum dritten Mal in Folge auf dem Relegationsplatz zu landen - oder gar erstmals dahinter. Das weiß auch Labbadia: "Ich habe schon vor dem Spiel gesagt, dass wir viel Arbeit vor uns haben, weil wir keine feste Struktur in der Mannschaft haben. Die können wir nicht haben." Ansonsten hofft er darauf, dass die Vorzüge seines Teams zum Tragen kommen, "wenn wir mal nicht gegen so eine starke Mannschaft spielen". Er war, so schien es, nicht unzufrieden.

Quelle: ntv.de