Fußball

Sechs Lehren des 23. Spieltags FC Bayern setzt auf die Kraft der Sieben

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Rücknummer sieben, sieben Punkte Vorsprung und die Sieben auf dem Kopf: Franck Ribéry ist bestens eingestellt.

(Foto: AP)

Die Statistik ist der Star des 23. Spieltags. Sie macht nämlich den FC Bayern zum Deutschen Meister und Aubameyang besser als Lewandowski. Über Schalke sagt sie indes nichts, was die beste Nachricht für den Klub ist.

1. Der FC Bayern ist (wahrscheinlich) Deutscher Meister

Nun, die in der Überschrift über diesem Absatz transportierte Botschaft ist das Folgende alles nicht: exklusiv, überraschend, aufregend, spannend oder gar offiziell. Deswegen Obacht mit dem Vorwurf Lügenpresse. Wir geben hier nur wieder, was die Statistik ausweist: Der FC Bayern hat nach dem 23. Spieltag der Fußball-Bundesliga sieben Punkte Vorsprung auf Platz zwei. Da steht, um der Chronistenpflicht nachzukommen, nach wie vor RB Leipzig. Nach deren überraschender Punkteteilung in Augsburg (2:2) und dem überzeugenden 3:0-Sieg der Münchener beim "Eff-Zeh" in Köln beträgt der Abstand zwischen dem Rekordmeister und dem Rekordaufsteiger nun halt eben jene sieben Zähler. Einen solchen Vorsprung haben die Münchener zu diesem Saison-Zeitpunkt noch nie verspielt.

Und aktuell deutet ja auch nicht so viel daraufhin, dass es im Frühsommer 2017 zur Alle-Punkte-vergeigt-Premiere kommen könnte. Denn passend zur seit Monaten fast trumpesk-penetrant ausgeschlachteten Ancelotti-Zeit sind die Bayern zur Ancelotti-Zeit tatsächlich in Form gekommen. Was man sich in München, je nach befragtem Analysten so erklärt: "Wir sind ein echtes Team", sagt zum Beispiel Franck Ribéry, aktuell einer der Top-Performer des FCB, der übrigens sowohl die Rückennummer sieben trägt, als auch die Sieben im Haar und nun seine siebte Meisterschaft mit München gewinnen will. "Wir haben eine Super-Beziehung zum Trainer" (nochmal Ribéry), "wir lachen viel" (wieder Ribéry), "wir wollen um alle Titel kämpfen, deswegen geben wir alles" (Javi Martinez) oder "wir haben jetzt Vertrauen in uns" (Carlo Ancelotti). Wer nun recht hat, ist im Prinzip völlig wumpe, denn es ist doch so, wie Kölns Trainer Peter Stöger im ZDF-Sportstudio erklärte: "Sonderlich spannend wird die Saison nicht mehr werden."

2. Der BVB spektakelt, leidet und grantelt

Borussia Dortmund kehrt zur Wucht zurück. Abbekommen hat sie das abwehrabstinente und seit Sonntagnachmittag Roger-Schmidt-befreite Bayer Leverkusen in Form einer 6:2-Lasche. Wie seriös das Ergebnis und die damit verbundene Leistung einzuschätzen ist, nun darüber waren sie nach dem Spiel geteilter Meinung. Weil aber weder die Einschätzung von Bayers Roger Schmidt ("Guter Auftritt meiner Mannschaft"), noch die von Dortmunds Abwehrchef Sokratis (Gegen Benfica müssen wir "300 Prozent besser" spielen) besonders realistisch sind, lohnt sich der Blick auf Thomas Tuchel. Der sagte nämlich: "Man sieht, dass der Spirit in der Mannschaft wächst. Im Moment ist es eine tolle Entwicklung".

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Ein Mann mit Spaß: BVB-Trainer Thomas Tuchel.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Vergessen ist die Peinlichkeit von Darmstadt vor drei Wochen, als Tuchel noch einen ganz anderen, nur düsteren Eindruck von seinem Team in die Öffentlichkeit tackerte. Drei souveräne Liga-Siege, eine spektakulär unnötige 0:1-Champions-League-Pleite in Lissabon (Rückspiel am Mittwoch, 20.45 Uhr im n-tv.de-Liveticker) und ein witterungsbedingt verhinderter Pokal-Knockout in Lotte haben die schwarzgelbe Laune wieder rosarot werden lassen. Mit zwei dunkleren Nuancen. Die eine verantwortet die neuerliche Verletzung von Ewig-Pechvogel Marco Reus, der wegen eines Muskelfaserriss vermutlich sieben Pflichtspiele verpassen wird. Für den zweiten sorgt Pierre Emerick Aubameyang. Der ist nach seinem Doppelpack gegen Bayer zwar jetzt offiziell besser (weil erfolgreicher) als Robert Lewandowski (75:74 Bundesliga-Tore), aber weiterhin auch streitbarer: Sein liebevoll ins Haupthaar eingearbeiteter und im Spiel gegen Leverkusen für jedermann sichtbarer rosa Nike-Pfeil stößt dem Klub böse auf, wird er doch von Konkurrent Puma ausgestattet. "Wir werden das besprechen", so Sportdirektor Michael Zorc. "Das muss man nicht häufig wiederholen." Was freilich nicht fürs Sportliche gilt.

3. Ach Schalke,…

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Nicht so clever, die Schwalbe von Franco di Santo

(Foto: dpa)

… damit ist eigentlich alles schon gesagt. Kein Klub im Oberhaus spielt sich seit Jahren so konsequent an seinen Ansprüchen vorbei wie die Schalker. In der mittlerweile dritten Krise in dieser Saison haben die "Königsblauen" gefühlt so viele Baustellen im Verein wie die Liga Spieltage hat. Ob Sieglos-Serie, 30-Minuten-Blamage im Pokal gegen den FC Bayern, die Demontage von Nationalspieler Max Meyer, das Zwölf-Minuten-Desaster gegen Borussia Mönchengladbach, der eingeläutete Abstiegskampf, die verpassten Europapokal-Ambitionen oder aber die Peinlich-Schwalbe von Stürmer Franco di Santo – es wird nicht besser. Aber wo anfangen und wo aufhören?

Vielleicht erstmal mit den stümperhaften Fehlern im Aufbauspiel? Die nämlich haben Schalke nicht nur gegen die Bayern das Genick gebrochen, sondern auch gegen konterstarke Gladbach und machen Trainer Markus Weinzierl und Kapitän Benedikt Höwedes fassungslos: "Es ist verboten, da durchs Zentrum zu spielen, und wir machen es trotzdem", fluchte der Coach nach dem 2:4 (1:1) im Borussia-Park, während sich Höwedes wechselweise mit den Worten "stümperhaft", "naiv" und "wahllos" in Rage erregte. Einen zweiten guten Weg zum Abarbeiten der fast BER-artigen Baustellen hat indes Sportvorstand Christian Heidel gefunden, er hat die Saisonziele dramatisch korrigiert: "Das Wort Europa will ich jetzt nicht mehr hören. Ich will mich nicht lächerlich machen. Jetzt reden wir erst einmal davon, dass wir unten wegwollen."

4. "Lilien" sind spitze – am Phrasenschwein

Der größte Freund des Phrasenschweins ist ja eigentlich Thomas Schneider. Doch auch ohne den verbal derzeit abstinenten DFB-Co-Trainer grunzt die Münzen-Sau an diesem Spieltag mit wohligem Gefühl im Magen. Grund dafür sind frustriert-floskelumtriebige Darmstädter, denen als abgehängtes Schlusslicht nach bester Bundesliga-Performance (laut Sky-Kommentator) der jüngeren Vereinsgeschichte samt Kruse-Schock in Bremen (siehe unten) nur folgende Einsichten bleiben:

"Die Tabelle, die lügt nicht." Trainer Torsten Frings.
"Jetzt spielen wir nur noch für uns, versuchen zu punkten und gut auszusehen." Nochmal Torsten Frings.
"Ich glaube nicht, dass der Fußball immer gerecht ist." Und nochmal Torsten Frings.
"Wenn man unten drinsteht, hat man eben die Scheiße am Fuß." Flügelstürmer Marcel Heller.

5. Glück ist auch eine Qualität

Wer nur die Zahlen liest, der kommt um die folgende Erkenntnis nicht umhin: Der SV Werder Bremen ist aktuell spitze drauf. Drei Spiele, drei Siege, 6:1 Tore – das klingt extrem souverän und führt den Klub langsam weg von den bedrohlichsten Plätzen der Liga. Die tolle Bilanz kaschiert allerdings die spielerische Wahrheit. Denn all jene, die sich auch mit den gezeigten Leistungen der Mannschaft von Alexander Nouri beschäftigen, müssen zu einer deutlich differenzierteren Einschätzung kommen. Sie lautet: Viel duseliger als Bremen aktuell kann man Punkte nicht einfahren.

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Gefeierter Matchwinner: Max Kruse.

(Foto: imago/Nordphoto)

Der 2:1-Sieg gegen Wolfsburg war schon einer der glücklicheren in der Bundesliga-Historie und auch beim 2:0-Erfolg gegen Darmstadt (siehe oben) wurde Werder im eigenen Stadion phasenweise vorgeführt. Was Coach Nouri dann so zusammenfasste: "Für die erste Halbzeit muss ich mich beim Publikum entschuldigen, für die zweite Halbzeit bei der Mannschaft bedanken." Und da vor allem einmal mehr bei Max Kruse, der mit seinen beiden späten Treffern (75./90.) das norddeutsche Glück erneut erfolgreich ausreizte, dann aber mahnende Worte fand. "Wir haben einen Riesenschritt gemacht. Aber in elf Spielen kann noch viel passieren. Die Punkte, die uns sicher in der Klasse halten, haben wir noch nicht." Das weiß auch Nouri, weshalb er appellierte: "Wir tun gut daran, die Spannung weiter hochzuhalten und uns nicht auszuruhen. Ich bin mir sicher, dass wir nicht anfällig für Hochmut werden." Was gegen Darmstadt freilich ganz anders aussah. Allein in Halbzeit eins nämlich liefen die "Lilien" zehn Kilometer mehr als die Gastgeber. Aber sei's drum. Wer siegt, hat Recht. Und Glück ist halt auch eine Qualität.

6. Wer will denn nach Europa? Gladbach!

Die Vergabe der drei plus eins Plätze in der Champions League scheint entschieden. Quasi-Meister Bayern zieht ebenso direkt in die Gruppenphase ein, wie das an diesem Spieltag schwächelnde Leipzig und die an diesem Spieltag spektakelnden Dortmunder. Den Weg über die Qualifikation beschreitet Hoffenheim, das sich gegen Ingolstadt (5:2) in der Schlussphase wildgeworden nun ein Vierpunkte-Polster auf den nächsten Verfolger, die Hertha, erarbeitet hat. Womit wir mittendrin im Schneckenrennen um zweimal Europa League sind.  Auf den relevanten Rängen fünf und sechs lümmeln die Hertha (37 Zähler) und die Eintracht aus Frankfurt (35) rum. Weil die sich mit dem Punkten in der Rückrunde aber einigermaßen schwer tun, massiert sich zunehmend ein ambitioniertes Verfolgerfeld mit dem 1. FC Köln (33), mit dem SC Freiburg (33) und plötzlich auch wieder Borussia Mönchengladbach (32). Die haben das indes noch gar nicht realisiert. "Im Moment passt sehr viel bei uns zusammen. Ich denke, dass wir den Abstiegskampf jetzt abhaken können", analysiert Erfolgstrainer Dieter Hecking und schiebt eiligst nach: "Jetzt müssen wir schauen, wie weit es uns noch trägt. Wir würden das Momentum gern mitnehmen." Und das winkt fleißig Richtung Europa.

Quelle: ntv.de