Fußball

Paderborn macht es historisch FC Bayern spektakelt Schreck schnell weg

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Leon Goretzka machte mit seinem Führungstreffer den schnellen Rückstand seines FC Bayern vergessen.

(Foto: Ralf Ibing /firo Sportphoto/POOL)

Der FC Bayern München liegt am 30. Spieltag der Fußball-Bundesliga schnell zurück, schüttelt sich kurz und überrollt Leverkusen dann. Im Keller gelingt Mainz 05 ein wichtiger Sieg, der SC Paderborn ist nur noch rechnerisch noch zu retten. Die Westfalen würden sich mit einer Bestmarke verabschieden.

Bayer 04 Leverkusen - FC Bayern München 2:4 (1:3)

Bayern München marschiert unaufhaltsam seiner achten deutschen Meisterschaft in Serie entgegen: Das Team von Trainer Hansi Flick gewann nach einer weiteren beeindruckenden Vorstellung das Spitzenspiel bei Bayer Leverkusen verdient mit 4:2 (3:1) und dürfte sich die Schale kaum noch entreißen lassen.

Dank der Treffer von Kingsley Coman (27.), Leon Goretzka (42.), Serge Gnabry (45.) und Robert Lewandowski (66.) lösten die Bayern die wohl schwerste verbliebene Aufgabe im Saisonendspurt in meisterlicher Manier. Lucas Alario (9., nach Videobeweis) hatte die ohne ihren angeschlagenen und von Bayern umworbenen Topstar Kai Havertz angetretene Werkself früh in Führung gebracht. Der erst 17-jährige Florian Wirtz (89.) sorgte mit seinem ersten Bundesligator für den Endstand. Mit 17 Jahren und 34 Tagen ist Wirtz nun der jüngste Torschütze der Bundesliga-Geschichte.

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Der historische Moment: Florian Wirtz (nicht im Bild) zirkelt den Ball ins lange Eck.

(Foto: Ralf Ibing /firo Sportphoto/POOL)

Für Leverkusen war die erst zweite Pleite in den letzten 15 Pflichtspielen im Kampf um die Champions League zwar ein Rückschlag, aufgrund der überraschenden Niederlage von Borussia Mönchengladbach am Freitag (0:1 in Freiburg) aber zu verschmerzen. Bayer-Trainer Peter Bosz hatte sich vor der Partie als Fan des Tabellenführers geoutet. "Ich genieße, wie Bayern spielt", sagte der Niederländer: "Das ist etwas für Fußball-Liebhaber. Das ist, wie Fußball gespielt werden sollte." Am Ende wurde er in seiner Ansicht bestätigt, seine Schützlinge hatten keine Chance. Daran änderte auch die Bayer-Führung nichts.

Im weiteren Verlauf versuchten die Bayern die Werkself etwas rauszulocken und selbst zu kontern - mit Erfolg. Nach Ballverlust von Moussa Diaby traf Coman alleine vor Hradecky ins lange Eck, Goretzka vollendete aus 16 Metern einen Konter nach Eckball der Bosz-Elf. Die nun sehr hoch stehenden Gastgeber befanden sind in den letzten fünf Minuten vor der Pause im Tiefschlaf. So tauchte Gnabry innerhalb von 60 Sekunden gleich zweimal mutterseelenallein vor Hradecky auf und vollendete im zweiten Versuch per Lupfer. Bosz reagierte zur Pause mit einem Dreifachwechsel und einer Umstellung auf Viererkette, doch es half nur wenig.

Bis auf zwei harmlose Distanzschüsse von Diaby (48./63.) kamen die mutig nach vorne spielenden Rheinländer aber nicht zu Abschlüssen. Stattdessen ließ die Flick-Elf auf der Gegenseite zunächst durch Gnabry (64.) einen Hochkaräter liegen, ehe Lewandowski per Kopf sein 30. Saisontor erzielte.

Eintracht Frankfurt - 1. FSV Mainz 05 0:2 (0:1)

Mit dem ersten Sieg nach der Corona-Pause hat der FSV Mainz 05 im Abstiegskampf ein wichtiges Lebenszeichen gesendet. Die Rheinhessen gewannen das Derby bei Eintracht Frankfurt nach einem überzeugenden Auftritt mit 2:0 (1:0), für den Tabellen-15. bleibt die Situation freilich weiterhin gefährlich. Moussa Niakhate (43.) und Pierre Kunde Malong (77.) erzielten die Treffer der Rheinhessen, die zuvor fünfmal vergeblich auf dieses erlösende Erfolgserlebnis gehofft hatten. Damit durfte sich auch Trainer Achim Beierlorzer den Sieg auf die Fahnen schreiben: Niakhate war der einzige Abwehrspieler, der von seiner Rotation verschont wurde, Malong wechselte Beierlorzer Mitte der zweiten Halbzeit ein.

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Moussa Niakathé durfte im Team bleiben - und rechtfertigte diese Entscheidung.

(Foto: Jan Huebner/Pool)

Die gewaltigen Veränderungen im Defensivverbund machten sich größtenteils auch nicht bemerkbar - was daran lag, dass die drei Neuen in der Viererkette blendend von ihren Vorderleuten unterstützt wurden. Dank großer Laufbereitschaft stellten die Gäste im Mittelfeld immer wieder mögliche Anspielstationen der Frankfurter zu, außerdem attackierten die Offensivspieler um den präsenten Jean-Philippe Mateta die Eintracht-Abwehr so früh wie nur möglich. In einer taktisch hochinteressanten Begegnung blieben allerdings lange Zeit die Torabschlüsse auf der Strecke.

Auch nach der spielerisch besten Phase in der ersten halben Stunde durften sich die Torhüter äußerst glücklich schätzen, dass den Feldspielern die Präzision fehlte. Sowohl die Mainzer Robin Quaison (29.) und Taiwo Awoniyi (31.) als auch Frankfurts Filip Kostic (30.) hätten aus kurzer Distanz die Führung erzielen können. Die besorgte Niakhate mit einem wuchtigen Kopfball.

Und hätten die Gäste ihre gelegentlichen Konter besser ausgespielt, wäre die Begegnung wohl frühzeitig entschieden gewesen. Mateta (53.) sowie Robin Quaison (67.) standen bei ihren Treffern allerdings im Abseits, da die Zuspiele im falschen Moment erfolgten. Erst Malong machte alles klar, sein Treffer wurde nach Videobeweis gegeben.

RB Leipzig - SC Paderborn 1:1 (1:0)

RB Leipzig leidet weiter unter einem Heimkomplex. Die Elf von Trainer Julian Nagelsmann blieb zu Hause auch im dritten Spiel ohne Zuschauer ohne Sieg. Die lange in Unterzahl agierenden Sachsen kamen gegen Schlusslicht SC Paderborn nicht über ein 1:1 (1:0) hinaus und verpassten einen großen Schritt in Richtung Qualifikation zur Champions League.

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Timo Werner war gegen Paderborn uneffektiv. Trotz klarer Ansprache seines Trainers.

(Foto: Kevin Voigt/Jan Huebner/Pool)

Patrik Schick (27.) hatte RB in Führung gebracht, Christian Strohdiek (90.+2) glich für die Gäste in der Nachspielzeit aus. Leipzigs Dayot Upamecano sah schon in der 43. Minute wegen Foul und Ballwegschlagens Gelb-Rot. Gegner Paderborn blieb auch im elften Ligaspiel in Folge ohne Sieg und kommt dem Abstieg aus dem Oberhaus immer näher.

Im Blickpunkt der Partie stand Timo Werner, dessen wahrscheinlicher Wechsel zum Premier-League-Klub FC Chelsea am Donnerstag publik geworden war. Der 24-Jährige agierte zunächst hinter Schick als hängende Spitze mit Qualitäten auch als Spielmacher. Nach seinem Pass zog Christopher Nkunku (10.) nur knapp vorbei, kurz darauf wurde Werners Schuss im letzten Moment von Paderborns Uwe Hünemeier geblockt.

Paderborns Abwehr hielt zunächst dagegen. In der 27. Minute war die Gegenwehr gebrochen. Werner legte uneigennützig auf Schick ab, und der Tscheche stellte einmal mehr seine Abschlussqualitäten unter Beweis.

Die Ostwestfalen hatten dem druckvollen Spiel der Leipziger nicht viel entgegenzusetzen und waren zum größten Teil mit Defensivaufgaben beschäftigt. Kam die Mannschaft von Trainer Steffen Baumgart mal in die Nähe des Leipziger Strafraums, fehlte die Genauigkeit im Passspiel.

Kai Prögers Schuss Mitte der erste Halbzeit war lange Zeit die einzige Szene mit etwas Torgefahr. Paderborns Klaus Gjasula sah in der 22. Minute seine bereits 16. Gelbe Karte in der laufenden Saison und zog mit Rekordhalter Tomasz Hajto (MSV Duisburg 1998/99) gleich. Nach dem Platzverweis von Upamecano blieb Schick in der Kabine, dafür rückte Nationalspieler Marcel Halstenberg in die Viererkette. Werner hatte vorne nun noch mehr Platz, ließ den aber zunächst ungenutzt.

Paderborn zeigte in numerischer Überzahl eine deutliche andere Einstellung und drängte auf den Ausgleich. Pröger zwang Leipzigs Keeper Peter Gulacsi mit einem direkt geschossenen Freistoß zur Parade. Leipzig ließ sich hinten reindrängen und lauerte auf Konter. Allerdings fehlte Werner in der Offensive die Unterstützung, so dass die Gastgeber nur noch selten vor das Tor der Gäste kamen. Kurz vor Schluss traf Werner (89.) bei seiner besten Szene die Latte, ehe doch noch der Ausgleich fiel.

Fortuna Düsseldorf - TSG Hoffenheim 2:2 (1:1)

Fortuna Düsseldorf kommt nicht vom Fleck. Die Rheinländer retteten beim 2:2 (1:1) gegen den Europapokalanwärter TSG Hoffenheim trotz mehr als 80-minütiger Überzahl nur mit Ach und Krach einen Punkt. Der Traditionsklub könnte so noch vor den kniffligen Duellen mit Borussia Dortmund und RB Leipzig seinen Vorsprung auf einen direkten Abstiegsplatz einbüßen.

Top-Torjäger Rouwen Hennings per Kopf (5.) und Foulelfmeter (75.) traf für die Gastgeber, die nach einem Platzverweis gegen Hoffenheims Kapitän Benjamin Hübner (9.) fast die gesamte Spielzeit mit einem Mann mehr agierten. Munas Dabbur (16.) und Steven Zuber (61.) hatten die Partie zwischenzeitlich zugunsten der Gäste gedreht. Während die Kraichgauer im vierten Spiel in Serie ungeschlagen blieben und weiter im Rennen um die Europapokalplätze mitmischen, muss Düsseldorf-Coach Uwe Rösler den Blick nach dem bereits siebten Unentschieden unter seiner Regie nach unten richten. Sein Team brachte zum wiederholten Mal eine Führung nicht über die Zeit, 24 Punkte gingen in dieser Saison so schon verloren.

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Eine der Szenen des Spiels: Sören Storks schickt Benjamin Hübner vom Feld.

(Foto: Norbert Schmidt)

Viel Ballbesitz forderte Rösler vor dem Spiel, und die Düsseldorfer Mannschaft folgte der Anweisung ihres Coaches. Die erste gefährliche Hereingabe von Regisseur Kevin Stöger fand gleich den Kopf von Hennings, der völlig freistehend gegen die Laufrichtung von TSG-Keeper Oliver Baumann einköpfte.

Als kurz darauf Hübner vor einer eigenen Ecke den Ellenbogen in Kaan Ayhans Gesicht ausfuhr, entschied Schiedsrichter Sören Storks auf Tätlichkeit und glatt Rot, eine harte Entscheidung. Nach nur wenigen Minuten in Überzahl fingen die Gastgeber nach einem schlecht verteidigten Standard aber das Gegentor durch Dabbur, der nach einer kurzen Abwehr von Düsseldorf-Keeper Florian Kastenmeier zu seinem ersten Bundesligatreffer abstaubte.

Einen weiteren Hennings-Treffer per Kopf erkannte Storks nach Ansicht der Videobilder ab, weil der frühere Hoffenheimer Kenan Karaman zuvor Stefan Posch gefoult hatte. Düsseldorf war bemüht, mit einem Mann mehr spielerisch Chancen zu kreieren. Die Fortuna machte nach der Pause aber kaum noch etwas aus ihrer Überzahl, die Gäste setzten dagegen immer wieder Nadelstiche und bewiesen Effizienz: Zuber verwandelte nach einer Kontersituation flach ins linke Eck.

Rösler reagierte auf die Schockstarre seines Teams und brachte vier Spieler auf einen Schlag. Düsseldorf intensivierte nun wieder seine Bemühungen, Hennings köpfte aber über das Tor (68.), kurz darauf verwandelte er vom Punkt.

Der 30. Spieltag der Fußball-Bundesliga geht ab 18.30 Uhr weiter: Borussia Dortmund empfängt Hertha BSC (im Liveticker auf ntv.de). Am Sonntag muss Werder Bremen gegen den VfL Wolfsburg (13.30 Uhr) punkten, um den Relegationsrang im Blick zu behalten. Union Berlin empfängt den FC Schalke 04 zum Krisengipfel (15.30 Uhr), bevor der FC Augsburg und der 1. FC Köln (18.30 Uhr) den Spieltag beschließen.

Quelle: ntv.de, ter/sid