Fußball

So läuft der 31. Spieltag FC Bayern wird magisch, BVB hat Herzrasen

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Praktisch: Josep Guardiola und sein FC Bayern können bei der Generalprobe fürs Pokalfinale im Berliner Olympiastadion den Meistertitel klarmachen. Der wäre ein historischer.

(Foto: dpa)

Meisterschale in Berlin? Der FC Bayern wiegelt cool ab. Derweil sorgt Vater Hummels beim BVB für Herzrasen. Während Schalke träumt, stellen Bremen und Hamburg fest: Mist, wird haben das Nordderby geschrumpft!

Was machen Guardiola und der FC Bayern?

Aufgepasst, an diesem 31. Spieltag der Fußball-Bundesliga kann sich der FC Bayern, nachdem er nach harter Arbeit und einer unverschämten Theateraufführung das Pokalfinale erreicht hat, nun die deutsche Meisterschaft sichern - wenn er am Samstag ab 15.30 Uhr in Berlin gewinnt und die Dortmunder Borussia zur gleichen Zeit beim VfB Stuttgart verliert. Was ist daran so besonders? Zunächst einmal nichts. Früher oder später holen sich die Münchner die Schale, das war eh klar. Thomas Müller ist sogar später lieber: "Wenn man es sich wünschen könnte, würden wir gerne vor unseren eigenen Fans Meister werden." Also am Samstag drauf, dem 30. April, im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach. Obwohl: "Lieber wäre es mir trotzdem, wenn es schon am Wochenende möglich wäre." Was denn jetzt? Dann schau'n mer mal. Allzu wahrscheinlich ist eine Niederlage des BVB ja nicht. Ihr Pokalhalbfinale jedenfalls gewannen die Dortmunder souverän in - genau - Berlin bei der Hertha.

Wie dem auch sei: Das Besondere am designierten Titelgewinn ist, das es der vierte hintereinander ist. Und das ist in der seit 1963 währenden Geschichte der Bundesliga noch keiner Mannschaft gelungen. Josep Guardiola, noch bis zum Ende der Saison Trainer des FC Bayern, nimmt diese historische Tatsache gerne zum Anlass, darauf zu verweisen, das der Titel in der Liga ihm der liebste sei. Matthias Sammer, der in Berlin nicht dabei ist, weil ihn eine Grippe plagt, unterstützt ihn dabei eifrig: "Wir können Geschichte schreiben im deutschen Fußball. Ich rede nicht von der Champions League, ich rede nicht vom Pokal. Ich rede von der magischen Vier - die uns alle antreibt, die auch mich antreibt", hatte der Sportvorstand schon vor Wochen gesagt. Aber natürlich geht es ihm und seinen Eleven in erster Linie darum, in seinem dritten Münchner Jahr erstmals das Finale der Champions League zu erreichen. Um das zu schaffen, müssen sie sich gegen Atlético durchsetzen, am Mittwoch nächster Woche geht's zum Hinspiel nach Madrid ins Estadio Vicente Calderón.

Guardiola und die Bayern haben jedenfalls noch keine Meisterfeier geplant: "Wir fahren am Abend noch nach München zurück. Dortmund wird in Stuttgart gewinnen, daher müssen wir selbst noch zwei Mal gewinnen. Ob wir Meister sind oder nicht vor dem Atlético-Duell, ist egal." Da ist die Partie morgen im Olympiastadion nicht viel mehr als eine Durchgangsstation. Zumal die Hertha und ihr Trainer Pal Dardai noch daran zu knabbern haben, dass der große Traum vom Pokalendspiel im eigenen Stadion wieder einmal geplatzt ist. Nun gilt es, sich als Tabellenvierter am Ende einen Platz im Europapokal zu sichern.

Wie läuft's bei Borussia Dortmund?

Wenn der BVB aus dem dramatischen Europaliga-Spektakel in Liverpool etwas gelernt hat, dann: immer das 3:0 zu machen. So hielten es die Dortmunder Borussen gegen den Hamburger SV, so hielten sie es im Pokal-Halbfinale bei Hertha BSC. Es ist nur so: Statt von der erfolgreichen Traumabewältigung und der unerhörten Cup-Konstanz des BVB mit dem perfekten Final-Hattrick zu schwärmen, reden in Dortmund und um Dortmund herum alle nur über: Mats Hummels. Und am meisten redet dessen Vaterberater Hermann. Der warf erst den FC Bayern in den Gerüchtetopf und sorgte für Herzrasen und Fatalismus bei einigen BVB-Fans, die nun kurz vorm Pokal-Traumfinale gegen den FC Bayern die Verkündung des Wechsels erwarten. Dann schob er eilig nach, "auch Man City kann sehr interessant sein" und verdiente sich endgültig den Titel "Verschlimmbesserer der Woche".

In Stuttgart werden sie die (Schlaf-)Leiden des jungen Mats womöglich mit gewisser Genugtuung aufgenommen haben. Und der Hoffnung, dass die Dortmunder angesichts des beruhigenden Tabellenpolsters nach oben und unten angemessen abgelenkt und abgeschlafft zum Gastspiel im Ländle anreisen - und vielleicht Pünktchen dalassen. Die wären für die Stuttgarter im Siebenkampf gegen den Abstieg pures Zählgold. Offiziell erwarten sie freilich einen BVB in absoluter Topform, zu der deshalb Jürgen Kramny als Chefcoach und Chefmotivator in Personalunion auflief: "Wir haben nach dem Augsburg-Spiel Schlüsse gezogen, die auch mit der Einstellung zu tun haben. Wir haben Dinge wie Mentalität offen angesprochen. Wir werden Spieler aufs Feld schicken, die fighten und die Herausforderung annehmen." Kramnys Motto: "Gas geben, zusammenhalten, fighten - und punkten". Und den Präsident besänftigen, der in Person von Bernd Wahler polterte: "Ich bin extrem sauer, dass wir erneut in diese Lage gekommen sind, aber das nutzt ja nichts."

Wie läuft der Kampf um den Europapokal?

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Falls alle Stricke reißen, könnte Andre Breitenreiter auch als Horst-Heldt-Double arbeiten. Allerdings nicht auf Schalke.

(Foto: imago/Michael Weber)

In Gelsenkirchen träumen sie ja immer noch von der Champions League. Doch noch liegt der FC Schalke 04 vier Punkte hinter der Berliner Hertha. Gemessen daran, dass sich der Klub gefühlt ständig in der Krise befindet und zudem munter darüber diskutiert wird, ob Trainer André Breitenreiter nach dieser Saison und nur einem Jahr im Amt gehen muss, kann man durchaus sagen: nur vier Punkte. Und dass die Berliner an diesem Spieltag eventuell gegen den FC Bayern verlieren könnten, verleiht der Partie der Schalker am frühen Samstagabend gegen den Tabellendritten aus Leverkusen, der sechs Zähler mehr auf dem Konto hat, eine umso höhere Bedeutung. Wobei der Trainer sicherheitshalber behauptet: "Meine Aufgabe ist anders formuliert worden, intern sind wir uns auch einig. Von mir hat noch niemand die Champions-League-Qualifikation eingefordert." Dann hoffen wir für ihn, dass er diese Auffassung nicht exklusiv hat. Breitenreiter jedenfalls scheint fest entschlossen, um seinen Job zu kämpfen. Und er teilt aus: "Die Bild-Zeitung gibt mir seit Saisonbeginn das Gefühl, dass sie mich abschießen will." Und was sagen die Spieler zur leidigen Debatte um den Trainer? Benedikt Höwedes windet sich: "Sowohl ich als auch die Mannschaft werden zu diesem Thema nichts sagen. Das ist ein Thema, bei dem wir uns nicht einmischen sollten und bei dem wir uns nur selbst die Finger verbrennen können." Dafür hat der Kapitän einen Plan für das Spiel: "Jeder muss spüren, dass wir gewinnen wollen."

Was für die Schalker gilt, trifft auch auf die Mönchengladbacher und die Mainzer zu - zumindest was die 45 Punkte betrifft, die sie bisher gewonnen haben. Das heißt: Auch für sie ist die europäische Königsklasse noch in Reichweite; und da der VfL Wolfsburg auf Rang acht bereits sechs Punkte Rückstand hat, dürfte es zumindest mit der Europaliga klappen. Den Anfang machen die in jüngster Zeit extrem auswärtsschwachen Gladbacher am Sonntag ab 15.30 Uhr mit ihrem Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim, die sich mutmaßlich erfolgreich gegen den Abstieg stemmt. Borussias Granit Xhaka formulierte im Gespräch mit der "Rheinischen Post" das Ziel so: "Es sind nur vier Punkte Rückstand. Die Europa League ist ein absolutes Muss. Aber ich bin sicher, dass wir auch noch die Champions League packen können. Wir brauchen drei, vielleicht vier Siege. Aber das geht nur, wenn alle noch einmal das Letzte rausholen. Gegen Hoffenheim müssen wir anfangen."

Die Mainzer folgen zwei Stunden später mit ihrer Partie bei der Frankfurter Eintracht, die mutmaßlich in der nächsten Saison in der zweiten Liga spielt. Stefan Bell, Abwehrchef des FSV, ist vor dem Rhein-Main-Derby froh, dass seine Mainzer damit nichts zu tun haben: "Ich weiß es sehr zu schätzen, dass wir den Klassenerhalt schon geschafft haben und genieße die Situation. Wir gehen unbelastet in das Spiel", sagte er der "Allgemeinen Zeitung". Und was ist mit Europa, kein Thema? "Eigentlich kaum. Wir haben natürlich verfolgt, dass Bremen aus dem DFB-Pokal ausgeschieden ist und wissen, was das bedeutet." Nun reicht besagter Platz sieben, um zumindest in die Qualifikationsrunde einzusteigen. "Wir sind aber nicht am Rechnen und eher froh, dass wir alles selbst in der Hand haben. Und wir wollen alle die Chance ergreifen, die sich uns bietet."

Brisanz oder Langeweile?

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HecKing.

(Foto: picture alliance / dpa)

Aufmerksame n-tv.de Leser wissen: Mainz ist das Kölner Istanbul und der FC deshalb schon gerettet. Brisant bleibt es trotzdem, denn aufmerksame Rechner wissen: Theoretisch ist das große Kölner Abstiegsdrama bei bisher 37 Zählern und sechs Punkten Polster auf Relegationsrang 16 noch drin - vor allem, wenn es gegen Mitkonkurrent Darmstadt einen Nuller gibt. Das würde allerdings gegen die Vorgabe von FC-Coach Peter Stöger verstoßen. Seine "Wir wollen die 40 Punkte am Wochenende erreichen"-Marschroute ist eine ziemlich charmante Forderung nach einem Sieg. Den allerdings will Darmstadt verhindern, dort flirtet man ja auch noch mit zwei unerwünschten Extrarunden zum Saisonende. Trotz Personalproblemen kündigte Coach Dirk Schuster mutig an: "Nach zwei Siegen und sechs Spielen ohne Niederlage fahren wir mit einem guten Gefühl nach Köln. Wir wollen die Serie ausbauen."

Im Mai 2016 hüpfte Dieter Hecking mit einer "King"-Mütze als Pokalsieger durch die Berliner Nacht, im April 2016 wird über seinen Job diskutiert. Nach dem 2:3 in Bremen ist selbst die Europaliga kaum noch zu erreichen und nun wartet mit dem FC Augsburg das nächste Team, das hat, was Wolfsburg verloren gegangen ist: Biss und Willen. Hecking ist die Diskussion um seinen Job "egal", er findet: "Wir dürfen nicht alles rosarot malen, was im letzten Jahr passiert ist. Auch im Erfolg haben wir nicht alles richtig gemacht." Die "King"-Mütze ist der Beweis. In Erfolg und Misserfolg viel falsch gemacht hat Hannover 96, weshalb am 31. Spieltag der Abstieg besiegelt werden könnte. Das Gastspiel in Ingolstadt steht unter dem Motto "Anständig absteigen", was unter Interimscoach Daniel Stendel auch prima gelingt. Der ließ deshalb schon mal wissen: 2. Liga, die traut er sich auch zu.

Für welchen Trainer wird's eng?

Für Viktor Skripnik und seinen SV Werder sind das harte Tage. Erst schlugen sie in der Liga den VfL Wolfsburg mit 3:2, dann beeindruckten die Bremer am Dienstag in München mit einem couragierten Auftritt, verloren aber ihr Halbfinale im DFB-Pokal mit 0:2 beim FC Bayern. Und nun geht es an diesem Freitag (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) weiter, das zum Abstiegsgipfel geschrumpfte Nordderby beim Hamburger SV steht auf dem Programm. Gewinnen die Werderaner, ziehen sie nach Punkten mit dem HSV gleich und holen ihn mit ins Boot. Dann hätte Hamburgs Trainer Bruno Labbadia ein Problem, sah es doch in dieser Saison lange Zeit so aus, als würden er und sein Team eben nicht Gefahr laufen, zum dritten Mal hintereinander in die Relegation zu schlittern.

Verlieren die Bremer aber, ist die Abstiegsgefahr größer als je zuvor. Dementsprechend bleibt es ruhig vor dieser Partie. "Wir wollen keine Sprüche klopfen, die sich der HSV dann in die Kabine hängt. Weniger sagen und mehr machen - das ist unser Motto", sagte Skripnik. "Wir wollen mutig sein und nicht nur brav. Und ich bin überzeugt, wir können das. Wenn wir Angst hätten, könnten wir gleich hierbleiben." Zumindest ist es so: Nachdem sich seine Mannschaft explizit gewünscht hat, dass er der Trainer bleibt, spielt sie gut. "Ich bin echt froh über die Form, die wir momentan haben", sagte Skripnik: "Da kann man nur sagen: Weiter so." Sein Kollege Labbadia gibt sich allerdings ähnlich optimistisch. Er glaubt an die Macht der Zuschauer im Volksparkstadion: "Das kann ein Hexenkessel werden. Unsere Fans sind heiß auf das Derby." Und fordert: "Wir brauchen Galligkeit." Schließlich sei es so: "Wir haben alles selbst in der Hand." Der Trend allerdings spricht gegen die Hamburger: Vier der jüngsten fünf Spiele haben sie verloren. Es könnte also noch einmal verdammt eng werden. Wieder einmal.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Es ist eine sehr schwierige Entscheidung. Wenn ich sie irgendwann getroffen habe, dann werden alle verstehen, warum es so schwierig für mich ist." Glaubt noch irgendjemand, dass Dortmunds Mats Hummels nicht zum FC Bayern wechselt?

Quelle: ntv.de

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