Fußball

"Man gibt ihnen Stolz und Würde" FIFA-Boss Infantino verhöhnt Arbeiter in Katar

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Gianni Infantino äußerte sich in Beverly Hills zu den Leiden der Gastarbeiter in Katar.

(Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Im Zusammenhang mit dem Bau der Infrastruktur und den Stadien für die Fußball-Weltmeisterschaft kommen Tausende von Gastarbeitern ums Leben. Die Kritik ist laut und eindringlich. FIFA-Präsident Gianni Infantino erreicht sie jedoch nicht. Der bemüht seine eigene Geschichte und ist stolz.

Gianni Infantino findet, dass die Arbeiter auf den WM-Baustellen aus ihrer "harten Arbeit Stolz ziehen" können. Der FIFA-Präsident äußert sich über das Wohlergehen der Arbeiter auf einer Veranstaltung in Los Angeles. Das Leid der Arbeitsmigranten in Katar ist in zahlreichen Studien dokumentiert. Die angegebenen Todeszahlen im Zusammenhang mit dem Bau der Stadien werden mit zwischen 6500 und 15.000 beziffert. Doch Infantino, der seit einiger Zeit im Emirat lebt, erklärte, der Bau der WM-Stadien und Infrastruktur gebe ihnen "Würde und Stolz" zurück, berichtet die Nachrichtenagentur AP.

"Eine Sache dürfen wir nicht vergessen, wenn wir über dieses Thema sprechen: Arbeit, harte Arbeit, anstrengende Arbeit", wich Infantino einer Frage nach Kompensationszahlungen aus den Gewinnen der FIFA für die Familien der in Katar verstorbenen Gastarbeiter aus. Der Schweizer ging dann auf seine eigene Lebensgeschichte ein und erzählte von seinen Eltern, die einst von Italien in die Schweiz ausgewandert waren.

"Wenn man jemanden in Arbeit bringt, auch unter harten Bedingungen, dann gibt man ihm auch Stolz und Würde. Das sind keine Almosen. Man gibt nicht jemandem etwas und bedeutet ihm dann, dass man sich gut fühle." Vielmehr hätten die Arbeitsmigranten so die Möglichkeit bekommen, die WM-Stadien zu bauen. "Es ist auch eine Frage des Stolzes", sagte Infantino: "Die Bedingungen für diese 1,5 Millionen Menschen verändern zu können. Das erfüllt uns auch mit Stolz."

"FIFA ist nicht die Weltpolizei"

Während Infantino nicht die vom "Guardian" genannte Zahl der 6500 verstorbenen Arbeiter bestritt, erklärte er, dass nur drei von ihnen direkt auf den Baustellen gestorben sein. "Es könnten 6000 Arbeiter woanders ums Leben gekommen sein", sagt er: "Die FIFA ist nicht die Weltpolizei und nicht verantwortlich für alles, was auf der Welt passiert. Doch dank der FIFA und dem Fußball konnten wir uns des Status der 1,5 Millionen Gastarbeiter in Katar annehmen."

Die leben meist zusammengepfercht in Baracken, arbeiten unter gefährlichen klimatischen Bedingungen und teils ohne Pause. Die auch unter dem Druck der internationalen Gemeinschaft implementierten Arbeitsreformen in Katar zielten zum Großteil auf das ausbeuterische "Kafala"-System im Emirat.

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Katars Botschafter in Deutschland, Abudalla Mohammed Al Thani, sagte ntv.de im vergangenen Sommer, dass das Emirat bei seinen inneren Angelegenheiten "deutliche Fortschritte" erzielt und die "Arbeitsbedingungen vieler Berufsgruppen beträchtlich verbessert" habe. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) bezweifelte dies jedoch im Gespräch mit ntv.de im Januar 2022. "Vier Jahre nach dem Versprechen, das der Sklaverei ähnliche 'Kafala'-System abzuschaffen, leidet die Mehrheit der Arbeiter weiterhin unter Missbrauch", sagte Hiba Zayadin, leitende Golf-Expertin von HRW. "Der katarische Staat lässt die Arbeiter weiterhin weitgehend im Stich."

In einer Studie von August 2021 belegte Amnesty International, dass 15.021 Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter allein zwischen 2010 und 2019 in Katar gestorben sind. Der Bericht legte dar, dass Katar Totenscheine für Gastarbeiter ausstellt, ohne die Todesursache anhand von Autopsien zu untersuchen. Zu 70 Prozent würden die Todesfälle nicht aufgeklärt. "Sterbeurkunden melden die Todesfälle in der Regel als 'natürliche Ursachen' oder 'Herzstillstand'", so die Studie. Damit würde keine Verbindung zu den Arbeitsbedingungen hergestellt. Laut Amnesty International soll es in einem gut ausgestatteten Gesundheitssystem wie dem von Katar möglich sein, die Todesursache in 99 Prozent der Fälle aufzuklären.

Quelle: ntv.de, sue

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