Fans schimpfen auf zwei ProfisWolfsburg taumelt nach Slapstick-Auftakt weiter dem Abgrund entgegen

Auch der 29. Spieltag der Fußball-Bundesliga bringt für den VfL Wolfsburg nicht die Wende. Bayer Leverkusen dagegen schockt nach schweren Wochen den BVB. Auch Heidenheim sendet ein Lebenszeichen.
VfL Wolfsburg - Eintracht Frankfurt 1:2 (0:2)
Der VfL Wolfsburg taumelt in der Fußball-Bundesliga weiter dem ersten Abstieg der Klubgeschichte entgegen. Die Mannschaft von Trainer Dieter Hecking unterlag Eintracht Frankfurt mit 1:2 (0:2). Während die Hessen ihre Europapokal-Hoffnungen aufrecht erhielten, rückt der Absturz in die Zweitklassigkeit für die Wölfe immer näher.
Oscar Höjlund (21.) und Arnaud Kalimuendo (32.) vergrößerten mit ihren Treffern die sportliche Krise der Niedersachsen. Der Anschlusstreffer durch Dzenan Pejcinovic (90.+7) kam zu spät. Nur noch fünf Partien bleiben Hecking und Co., um das Worst-Case-Szenario abzuwenden, doch auf dem vorletzten Platz (21 Punkte) wird der Druck nach der zwölften Partie ohne Sieg immer größer – so lange musste der VfL zuletzt 1998 auf einen Erfolg warten. Frankfurt kann auf Rang sieben (42 Punkte) hingegen weiter vom internationalen Geschäft träumen.
In der Woche zuvor hatte Wolfsburg zum wiederholten Male eine Führung verspielt und war bei Bayer Leverkusen letztendlich mit 3:6 unter die Räder gekommen. Dennoch hatte Hecking im Vorfeld der Frankfurt-Partie versucht, Zuversicht auszustrahlen. "Wir haben diesen Glauben, dass wir noch etwas bewegen können. Aber wir wissen alle, dass wir das Ergebnis brauchen", hatte der Coach betont. Dabei musste der 61-Jährige unter anderem auf Torjäger Jonas Wind (Muskelverletzung) und den gelbgesperrten Konstantinos Koulierakis verzichten.
Wolfsburg hatte die Gäste zu Beginn auch weitestgehend im Griff und kam selbst zur ersten Chance des Spiels. Patrick Wimmer, der sein 100. Pflichtspiel im VfL-Trikot bestritt, nutzte eine Nachlässigkeit von Robin Koch aus und sprintete Richtung Tor, wurde aber noch rechtzeitig von Koch selbst gestoppt (3.).
Die Gastgeber präsentierten sich weiter hellwach - so auch, als Eintracht-Keeper Michael Zetterer sich den Ball zu weit vorlegte. Mohamed Amoura setzte nach, Zetterer konnte seinen Fehler in letzter Sekunde jedoch noch ausbügeln (12.), auch weil der heraneilende Wimmer vor dem leeren Tor wegrutschte.
Deutlich effektiver zeigten sich die Gäste: Erst schlug Höjlund aus rund 21 Metern zu, Kalimuendo staubte kurz darauf nach einem Freistoß ab. Wenig später landete der Ball wieder im Tor, doch Ayoube Amaimouni-Echghouyab hatte beim Pass von Höjlund im Abseits gestanden. Wolfsburg war bemüht, vergab Möglichkeiten aber zu leichtfertig.
Auch nach der Pause blieb der VfL zunächst glücklos. So setzte Lovro Majer, der zur zweiten Halbzeit für Jesper Lindström ins Spiel kam, einen Freistoß an die Latte (49.), auch Amoura (61.) und Christian Eriksen (68.) verfehlten knapp. Wolfsburg machte weiter Druck, Frankfurt stemmte sich dagegen.
Borussia Dortmund - Bayer Leverkusen 0:1 (0:1)
Bayer Leverkusen hat die Siegesserie von Borussia Dortmund beendet und seine Hoffnung auf den Champions-League-Einzug erhalten. Bayer gewann beim schwachen Tabellenzweiten durch ein Tor von Robert Andrich mit 1:0 (1:0) und rückte zumindest für eine Nacht bis auf einen Punkt an den viertplatzierten VfB Stuttgart heran. Der BVB kassierte nach vier Siegen in Folge wieder eine Niederlage.
Andrich (42.) nutzte vor 81.365 Zuschauern in einem größtenteils faden Spiel einen Fehler der BVB-Abwehr zum Siegtreffer. Er fing einen schludrigen Pass von Ramy Bensebaini ab und traf mit einem präzisen Flachschuss ins linke Eck.
Beim BVB war die Stimmung noch stark durch die Personalie Nico Schlotterbeck geprägt. Das Thema ist durch die Vertragsverlängerung bis 2031 geklärt - aber nicht vom Tisch. Die Diskussion über eine mögliche Ausstiegsklausel für europäische Topvereine hält den BVB in Atem, der neue Sportdirektor Ole Book wollte darauf vor dem Anpfiff bei Sky nicht inhaltlich eingehen.
Medienberichten zufolge könnte Schlotterbeck bereits im Sommer wechseln - laut Bild-Zeitung allerdings nicht zu Bayern München. Beim Verlesen der Aufstellung gab es deutlich vernehmbare Pfiffe von der Südtribüne gegen den Ersatzkapitän, die sich im Laufe des Spiels legten.
Nicht übermäßig schön, aber erfolgreich zu spielen, ist der BVB-Modus dieser Saison. Nach dem glücklichen Sieg in Stuttgart begannen die Dortmunder aktiver, sie hatten mehr Ballbesitz ohne große Torchancen - bis Julian Brandt den Ball aus dem Strafraum Richtung Winkel schlenzte. Loic Badé rettete mit dem Kopf auf der Linie (18.). Bayer hatte tabellarisch gesehen mehr Anlass zur Offensive, aber davon war sehr wenig zu sehen.
Nach einer halben Stunde war das Spiel richtig schwach: Bezeichnend, wie BVB-Torhüter Gregor Kobel ein Pass im Aufbau misslang, Christian Kofane frei zum Schuss kam - den Ball aber harmlos zurück in Kobels Arme spielte (33.). Der Dortmunder Fehler vor dem 0:1 passte perfekt ins Bild.
In der zweiten Halbzeit stellten beide Fangruppen die Unterstützung wegen eines medizinischen Notfalls ein. Ein Fan hatte im Stadion reanimiert werden müssen. Wohl auch deshalb gab es auf dem Platz wenig mehr als Ballgeschiebe, Joker Patrik Schick (60.) hatte noch eine gute Chance für Bayer. Der BVB enttäuschte weiterhin, erst spät stemmte er sich etwas mehr gegen die drohende Niederlage. Serhou Guirassy (83.) traf die Latte, Brandt (90.+3) schoss knapp vorbei.
RB Leipzig - Borussia Mönchengladbach 1:0 (0:0)
RB Leipzig hat seine gute Ausgangssituation im Kampf um die Champions-League-Plätze weiter verbessert und die Sorgen bei Borussia Mönchengladbach vergrößert. Die Mannschaft von Trainer Ole Werner gewann trotz Chancenwuchers mit 1:0 (0:0) und hat nun vier Punkte Vorsprung auf Platz fünf. Yan Diomande gelang der erlösende Treffer (81.), zuvor war RB immer wieder an Torhüter Moritz Nicolas gescheitert.
Für die Gladbacher wird dadurch die Luft im Abstiegskampf wieder dünner. Die Mannschaft von Trainer Eugen Polanski wartet seit drei Spielen auf einen Sieg, in Leipzig hat die Borussia noch nie gewonnen.
Schon vor dem Anpfiff ließen die Gladbacher Fans keinen Zweifel an ihrer Antipathie gegenüber den Leipzigern und positionierten sich zudem klar gegen ihren Kapitän Rocco Reitz. "Wer das hier will, darf niemals unser Kapitän sein", stand auf einem Transparent, das sich an Reitz richtete, der kürzlich einen Vertrag bis 2031 bei RB unterzeichnet hatte. Reitz durchlief seit 2009 alle Jugendmannschaften der Borussia.
Schon früh zeigten die Leipziger, was sie sich vorgenommen hatten. Diomande setzte sich nach einem Fehler der Gäste im Strafraum durch und fand David Raum (3.), der jedoch nur den Pfosten traf. Unter einem anhaltenden Pfeifkonzert der Gladbacher Fans bestimmten die Sachsen die Anfangsphase. Kapitän Raum (11.) ließ Joe Scally leichtfüßig stehen und steckte auf Ridle Baku durch, dessen Abschluss von Nicolas stark pariert wurde.
Wie aus dem Nichts hatte dann die Borussia die Führung auf dem Fuß. Jens Castrop (17.) tauchte völlig frei vor Keeper Maarten Vandevoordt auf, scheiterte jedoch aus wenigen Metern. Die Partie entwickelte sich zunehmend zu einem offenen Schlagabtausch. Baku bediente Romulo, der jedoch auch in Nicolas seinen Meister fand (19.).
Die mangelnde Effektivität setzte sich auch in der zweiten Hälfte fort. Raum (52.) fasste sich ein Herz und zog aus rund 20 Metern ab, doch erneut war Nicolas zur Stelle. Von bis dahin elf Leipziger Torschüssen fand keiner den Weg ins Netz. Den Gästen fehlte in dieser Phase nahezu vollständig der Zugriff. Immer wieder tauchten die Leipziger vor dem Gladbacher Tor auf, doch der Treffer ließ auf sich warten. Dann sorgte Diomande für den späten Sieg.
1.FC Heidenheim - Union Berlin 3:1 (2:0)
Der 1. FC Heidenheim hat in der Fußball-Bundesliga im Saisonendspurt noch mal ein Lebenszeichen aus dem Tabellenkeller gesendet. Das so gut wie abgestiegene Schlusslicht feierte beim 3:1 (2:0) gegen seinen "Lieblingsgegner" Union Berlin erstmals seit über vier Monaten einen Sieg und weckte damit ganz leise Hoffnungen auf einen Klassenerhalt.
Fünf Spieltage vor Saisonende hat die Mannschaft von Trainer Frank Schmidt sechs Punkte Rückstand auf den FC St. Pauli auf dem Relegationsrang. Die Hamburger empfangen am Abend (18.30 Uhr/Sky und im Liveticker auf ntv.de) den FC Bayern - und sind am 31. Spieltag auch noch in Heidenheim zu Gast. Mathias Honsak (9., 36.) und Budu Siwsiwadse (79.) trafen am Samstag für den FCH, der auch im sechsten Bundesliga-Duell mit Union ungeschlagen blieb. Die Berliner, für die Leopold Querfeld (75.) zum zwischenzeitlichen Anschluss traf, verpassten es ihrerseits, alle Zweifel am Klassenerhalt zu beseitigen.
Die monatelange Negativserie der Heidenheimer hatte auch bei Schmidt Spuren hinterlassen. "Das zu ertragen, ist wirklich schwierig", sagte der FCH-Coach nach 15 Spielen ohne Sieg zuletzt: "Wir brauchen diese drei Punkte dringend, für unser Gefühl." Trotz der aussichtslosen Lage müssten sich seine Spieler "strecken bis zum Schluss" und "immer Vollgas dagegenhalten - das fordere ich von jedem ein".
Seine Mannschaften gehorchte - wie schon bei den jüngsten Unentschieden gegen Leverkusen (3:3) und in Gladbach (2:2). Nur einen Schreckmoment mussten die Heidenheimer überstehen, als Unions Derrick Köhn (2.) früh die Führung auf dem Fuß hatte. Der Linksaußen zielte aus rund acht Metern jedoch zu hoch. Heidenheim war nun wach - und übernahm die Kontrolle.
Honsak nutzte nach einer Flanke von Marvin Pieringer gleich die erste Chance zur Führung, in der Folge verpasste Marnon Busch (19.) noch den zweiten Treffer. Dennoch agierte Heidenheim mit der Führung im Rücken sehr souverän, ließ defensiv kaum etwas zu - und konnte sich erneut auf Honsak verlassen. Union wurde erst nach über einer Stunde wieder aktiver, Querfeld gelang nach einer Ecke noch der Anschluss. Siwsiwadse antwortete für Heidenheim.