Fußball

FC Bayern trotzt Widrigkeiten (Fast) ein Alptraum von Spieltag für den BVB

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Es begann mit einem Blitztor und endete mit einem Last-Minute-Tor: Erling Haaland erlebte einen persönlich erfolgreichen Fußball-Samstag. Für seinen Klub ist er enttäuschend.

(Foto: imago images/Uwe Kraft)

Es läuft so gut für Borussia Dortmund in den letzten Wochen, doch dann kommt der 26. Spieltag der Fußball-Bundesliga - und an dem geht für den Klub fast alles schief. Der FC Bayern überwindet dagegen gleich zwei Rückschläge und dürfte bald einen Fabelrekord brechen.

1. FC Köln - Borussia Dortmund 2:2 (1:1)

Markus Gisdol hat wohl zum zweiten Mal in dieser Saison durch eine Überraschung gegen Borussia Dortmund seinen Job als Trainer des 1. FC Köln vorerst gesichert. Im wie in der Hinrunde als Endspiel für Gisdol geltenden Duell kamen die Kölner nach guter Leistung zu einem 2:2 (1:1) gegen den überraschend biederen BVB und dürften ihrem Trainer trotz des bitteren Ausgleichs in der Schlussminute eine weitere Schonfrist gesichert haben. Gisdol, der schon in der Hinrunde durch ein 2:1 in Dortmund nach zuvor 18 Spielen ohne Sieg seinen Job gerettet hatte, hatte von Sportchef und Nachbar Horst Heldt im Vorfeld nur eine Job-Garantie für dieses Spiel bekommen.

Zwar sind die Kölner weiter seit sechs Spielen sieglos, der Achtungserfolg gegen den Champions-League-Viertelfinalisten dürfte Gisdol aber zur Sicherung seines Jobs reichen. Ondrej Duda mit einem berechtigten Handelfmeter nach Videobeweis (35.) und der starke U21-Nationalspieler Ismail Jakobs (65.) hatten das Spiel zwischenzeitlich für den FC gedreht. Doch Erling Haaland (3. und 90.), der Dortmund auch früh in Führung gebracht hatte, sicherte spät einen Punkt. Der Norweger steht nun bei 21 Liga-Toren und 33 Treffern nach 31 Pflichtspielen. Dennoch mussten die Dortmunder einen Rückschlag bei ihrer Aufholjagd in Richtung Champions-League-Qualifikation hinnehmen. Am Vierten Eintracht Frankfurt können die Dortmunder im direkten Duell am nächsten Spieltag angesichts von vier Punkten Rückstand nicht vorbeiziehen.

Gisdol nahm gegenüber dem 1:2 bei Union Berlin vier Änderungen in der Startelf vor und begann wieder einmal ohne gelernten Stürmer. Doch alle taktischen Erwägungen waren bereits nach 168 Sekunden durchkreuzt, als Emre Can Haaland mit einem langen Ball bediente, der den Norweger Jorge Meré scheinbar mühelos abschüttelte und den Ball an Timo Horn vorbei zur schnellen Führung einschob. Fünf Minuten später wurde ein Schuss von Thorgan Hazard aus knapp zehn Metern zentral von Jakobs geblockt. Nach etwas mehr als 20 Minuten hatten die Kölner den Schock verdaut und gestalteten das Spiel offener. Auch, weil der BVB nun unerklärlich passiv agierte.

Und nachdem die Kölner bei einem Schuss von Haaland Glück hatten (30.), fiel tatsächlich der Ausgleich. Nach einem Schuss von Noah Katterbach hatte Jude Bellingham den Ball zwar mit dem angelegten Arm abgewehrt, sich dabei aber mit dem gesamten Körper zum Ball bewegt. Schiedsrichter Daniel Siebert ließ fast eine Minute weiterspielen, die Kölner Bosse auf der Tribüne echauffierten sich lautstark, dann gab es den Elfmeter per Videobeweis doch und Duda verwandelte sicher.

BVB-Coach Edin Terzic brachte zur Pause den 16 Jahre alten Youssoufa Moukoko für den wieder einmal schwachen Julian Brandt. Der BVB begann wieder stark - und verzeichnete diesmal noch schneller einen Spannungsabfall. Ein Aussetzer von Meunier, der den Ball Jakobs unfreiwillig vorlegte, sorgte schließlich für die Kölner Führung. Nun drückte der BVB und brachte immer wieder Haaland in Position. Doch der köpfte an den Pfosten (80.) oder schoss knapp vorbei (84.). Dann traf er doch noch zum zweiten Mal. Trotzdem hat der Revierklub nun bereits einen Rückstand von vier Punkten auf den Tabellenvierten Eintracht Frankfurt, der drittplatzierte VfL Wolfsburg liegt durch das 2:1 (2:1) bei Werder Bremen schon acht Zähler vor Dortmund. Durch den Sieg von RB Leipzig am Freitag in Bielefeld (1:0) hat der BVB am 26. Spieltag auf alle Klubs auf den Champions-League-Rängen zwei Punkte verloren.

FC Bayern München - VfB Stuttgart 4:0 (4:0)

In Unterzahl hat Tabellenführer Bayern München angeführt von seinem Torjäger-Phänomen Robert Lewandowski bei der erfolgreichen Einstimmung auf den Bundesliga-Gipfel in Leipzig den Offensiv-Turbo gezündet. Nach dem mächtigen 4:0 (4:0)gegen einen defensiv überforderten VfB Stuttgart geht der deutsche Fußball-Serienmeister mit vier Punkten Vorsprung auf Verfolger und Titelrivale RB Leipzig ins direkte Duell nach der Länderspielpause. Nach der frühen Roten Karte für Abwehrspieler Alphonso Davies (12. Minute) drehten die Münchner beim 40. Sieg im 50. Bundesligaspiel von Trainer Hansi Flick auf und schlugen durch Lewandowski (17./23./39.) und Serge Gnabry (22.) gnadenlos zu.

Lewandowski erhöhte mit dem Dreierpack seine Saisonausbeute auf 35 Treffer. Damit übertraf der 32-jährige Pole seine bisherige Bestmarke von 34 Toren aus der vergangenen Spielzeit. Der 40-Tore-Rekord von Gerd Müller aus dem Jahr 1972 ist für Lewandowski ganz nah.

Die Gäste bestimmten die ersten Minuten. Und nach einem heftigen Tritt von Davies auf den Fuß von Wataru Endo zückte Schiedsrichter Daniel Schlager nach Hinweis des Video-Assistenten und eigener Betrachtung der Szene Rot. Zunächst hatte der Bayern-Verteidiger nur die Gelbe Karte erhalten. In Leipzig wird neben Davies auch Jérôme Boateng (5. Gelbe) gesperrt fehlen. Kurz danach vergab Sasa Kalajdzic in Überzahl eine große Kopfballchance für die Schwaben. Der Platzverweis wirkte aber eher wie ein Weckruf für die Bayern, die in ihrem 1900. Bundesligaspiel ohne den erkälteten Joshua Kimmich antreten mussten.

David Alaba, der für Kimmich neben Leon Goretzka ins Mittelfeld vorgerückt war, musste früh die Position von Davies links hinten übernehmen. Innerhalb von sechs Minuten fielen drei Tore und die Partie war entschieden. Gnabry bediente Lewandowski - 1:0. Thomas Müller und Leroy Sané zauberten eine Kombination auf den Rasen, die Gnabry abschloss - 2:0. Und nach Müllers Flanke konnte Lewandowski unbedrängt einköpfen - 3:0. Die VfB-Abwehr agierte total konfus. Besonders Waldemar Anton stand im Abwehrzentrum völlig neben sich, was Lewandowski bei seinem 4:0 ein weiteres Mal bestrafte.

Auch nach der Pause bemühten sich die Gäste um Ergebniskorrektur und spielten nach vorne - jedoch erfolglos. Die Angriffe der Bayern, oft jetzt als Konter, waren meist gefährlicher. Aber im Abschluss waren sie nicht mehr so konsequent, sonst wäre es ein richtig krachendes Schützenfest geworden.

Eintracht Frankfurt - 1. FC Union Berlin 5:2 (4:2)

Eintracht Frankfurt hält nach einem spektakulären 5:2 (4:2)-Sieg gegen Union Berlin weiter Kurs auf die Champions League. Torjäger André Silva (2. und 41. Minute), Berlins Robert Andrich (35.) mit einem Eigentor, Filip Kostic (39.) und Timothy Chandler (90.+2) trafen für die Hessen, die mit 47 Punkten den vierten Tabellenplatz in der Fußball-Bundesliga behaupteten. Max Kruse (7./45.+3) gelang sein erster Doppelpack für die Berliner, die mit 38 Zählern auf Rang sieben verharren.

In den ersten 45 Minuten boten beide Teams ein seltenes Offensiv-Spektakel. Sechs Tore in einer Halbzeit hatte es in der Bundesliga-Geschichte zuvor erst fünfmal gegeben - zuletzt im Mai 2019 beim 6:1-Sieg von Bayer Leverkusen gegen die Eintracht. Von Beginn an war Feuer in der Partie. Schon in der ersten Minute hatte Union die Chance zur Führung. Robin Knoche kam nach einem Eckball frei zum Schuss, doch Eintracht-Torwart Kevin Trapp und Mittelfeldspieler Djibril Sow retteten mit vereinten Kräften kurz vor der Linie. Fast im Gegenzug schlug es dann erstmals im Berliner Tor ein. Kostic tankte sich auf der linken Seite durch, seine flache Hereingabe verwandelte Silva aus Nahdistanz. Union hatte aber sofort eine Antwort parat. Julian Ryerson setzte sich im Strafraum rustikal gegen Hasebe durch und bediente Kruse, der mit einem platzierten Flachschuss traf. Die Frankfurter reklamierten ein Foul, doch nach Videobeweis gab Schiedsrichter Markus Schmidt den Treffer.

Die Gäste ruhten sich auf dem Ausgleich aber nicht aus, sondern spielten weiter mutig nach vorne. Joel Pohjanpalo (20.), der kurzfristig für den beim Aufwärmen verletzten Petar Musa in die Startelf gerückt war, verlängerte einen Kopfball von Marvin Friedrich gefährlich. Doch wieder stand Sow auf der eigenen Torlinie goldrichtig und klärte. Kurz darauf war Trapp bei einem Pohjanpalo-Kopfball auf dem Posten. Zehn Minuten vor der Pause traf dann Andrich aus fast 25 Metern - zum Entsetzen seiner Mitspieler aber ins eigene Tor. Mit dem kuriosen Treffer brachte der Union-Mittelfeldspieler sein Team aus dem Erfolgsrhythmus und empfahl sich unfreiwillig für das Eigentor des Jahres. Frankfurt nutzte die kurze Schwächephase der Berliner eiskalt und legte durch Kostic und erneut Silva nach. Für den Portugiesen war es bereits das 21. Saisontor.

In der Defensive blieben die Hessen jedoch anfällig. Vor allem das Fehlen von Abwehrchef Martin Hinteregger, der nach einer Oberschenkelverletzung nicht rechtzeitig fit wurde, machte sich bemerkbar. Das nutzte erneut Kruse, der in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit am langen Pfosten völlig frei zum Kopfball kam und Trapp mit einer Bogenlampe überwand.

Nach dem Wechsel nahmen die Hausherren ein wenig das Tempo aus dem Spiel - und auch Union agierte nicht mehr so druckvoll. Dennoch gab es auf beiden Seiten noch Chancen. Frankfurts Daichi Kamada (60.) verfehlte mit einem Flachschuss knapp das Ziel, im direkten Gegenzug scheiterte Pohjanpalo an Trapp. Auch der eingewechselte Keita Endo (68.) brachte den Ball nicht im Eintracht-Tor unter, Andrich (87.) traf zudem nur die Latte. So durfte Chandler in der Nachspielzeit den Schlusspunkt für die Frankfurter setzen.

Werder Bremen - VfL Wolfsburg 1:2 (1:2)

Der VfL Wolfsburg hat seine Königsklassen-Ambitionen erneut untermauert und Platz drei gefestigt. Die Mannschaft von Trainer Oliver Glasner bezwang Werder Bremen verdient mit 2:1 (2:1). Für die Niedersachsen war es der achte Liga-Sieg in den vergangenen zehn Spielen. Werders Joshua Sargent per Eigentor in der 9. Minute und Torjäger Wout Weghorst (42.) erzielten im Weser-Stadion die Treffer für Wolfsburg. Das Tor von Kevin Möhwald (45.) war für Bremen zu wenig.

Werder liegt mit 30 Punkten weiter im Mittelfeld. Der Vorsprung auf den Abstiegsrelegationsplatz kann am Sonntag auf sechs Punkte schrumpfen. Bremens Trainer Florian Kohfeldt hatte ein "sehr temporeichen Spiel" erwartet, "das von viel Körperlichkeit geprägt sein wird". Zumindest was den Körpereinsatz angeht, sollte er recht behalten. Beide Mannschaften lieferten sich im Mittelfeld intensiv geführte Zweikämpfe. Die Abwehrreihen standen gut, aus dem Spiel heraus kamen weder Wolfsburg noch Werder zunächst zu Torchancen.

Ein gefährlicher Freistoß reichte dem VfL allerdings, um in Führung zu gehen. Maximilian Arnold flankte aus dem Halbfeld in den Strafraum, wo Bremens Stürmer Sargent den Ball unglücklich mit dem Kopf erwischte und seinem Torwart Jiri Pavlenka keine Chance ließ. Für Sargent war es das erste Eigentor im 63. Bundesligaspiel. Nach dem 1:0 erarbeiteten sich die Wolfsburger Vorteile und hielten den SVW vom eigenen Tor weg. "Bravo", rief Glasner nach einem gewonnenen Zweikampf von Verteidiger Kevin Mbabu und wiederholte den Ausdruck der großen Zufriedenheit kurz darauf.

Noch mehr gefreut hätte sich der Österreicher, wenn sein Topstürmer seine erste Großchance zum 2:0 genutzt hätte. Weghorst zielte nach einer knappen halben Stunde aus spitzem Winkel aber nicht genau genug. In einer turbulenten Schlussphase der ersten Hälfte machte es der Niederländer besser. Weghorst nutzte einen Fehler der Gastgeber im Spielaufbau zu seinem 17. Saisontor. Damit stellte er seinen persönlichen Saison-Torrekord ein und erzielte zudem seinen insgesamt 50. Bundesligatreffer. Werder gab sich nicht geschlagen. Noch vor der Pause gelang Möhwald der Anschluss.

Wer nach dem Seitenwechsel nun aber mit Bremer Offensivpower gerechnet hatte, sah sich getäuscht. Die besseren Chancen hatte Wolfsburg. Weghorst und Mbabu verpassten eine Vorentscheidung (62.). So blieb es auf dem Spielfeld eng, an der Seitenlinie wurde es hitzig. "Ein bisschen Respekt da drüben", forderte Glasner von der Bremer Bank, nachdem es zum wiederholten Mal laut geworden war. Am Ergebnis änderte sich nichts mehr, weil Werder vorn zu harmlos blieb.

Quelle: ntv.de, ter/dpa

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