Fußball

"Art Frauen-DFL" statt DFB-Dach? Frauenfußball-Revolution treibt Rummenigge um

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Das Wohl der Spielerinnen liegt Rummenigge offenkundig am Herzen.

(Foto: dpa)

Anders als die Männer-Bundesliga existiert die der Frauen unter dem Dach des Deutschen Fußball-Bundes. Zugunsten der Professionalisierung sollte sich das ändern, fordert Karl-Heinz Rummenigge. Der Vorschlag des Ex-Vorstandsbosses des FC Bayern ist nicht neu - erhält aber neues Feuer.

Wie kann der Fußball der Frauen in Deutschland professioneller und relevanter werden? Diese Frage treibt Karl-Heinz Rummenigge jüngst vermehrt um. Nach dem Hype bei der Fußball-EM in England soll die Entwicklung auch in Deutschland vorangehen, wünscht sich der frühere langjährige Vorstandschef des FC Bayern.

So bringt er nun erneut die Idee ins Spiel, die Frauen-Bundesliga aus dem Deutschen Fußball-Bund auszugliedern. "Genauso wie es im Männerfußball geschehen ist, sollte auch die Frauen-Bundesliga darüber nachdenken, ob sie nicht vielleicht eine Art Frauen-DFL gründet. Der Männerfußball hat sich qualitativ nachhaltig entwickelt, als er sich vom DFB in Richtung Selbstständigkeit gelöst hat", sagte Rummenigge dem "Münchner Merkur" und der "tz".

Dieser Vorschlag ist nicht neu, er selbst hatte ihn im April 2021 schon einmal gemacht. Damals hatte er vom Frauenfußball als "Stiefkind" gesprochen. "Und es ist höchste Zeit, sich so darum zu kümmern, wie er es verdient. Wir müssen den Frauenfußball nachhaltiger entwickeln, als es in den letzten Jahren beim DFB möglich war", hatte er damals gesagt.

Verband hatte Antrag schon gestellt

Der Fußball-Verband Rheinland (FVR) hatte im vergangenen Jahr sogar einen Antrag auf eine Ausgliederung gestellt. Mit einer eigenständigen Liga solle dem seit Jahren schwachen Zuschauerinteresse entgegengewirkt werden, hieß es in dem Antrag. "Wir wollen den Stein ins Wasser werfen", sagte der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger, der stimmberechtigter Ehrenpräsident im FVR-Präsidium ist. Die höchste Frauenliga brauche "eine Perspektive außerhalb eines großen, Schatten werfenden Bereichs. Das wäre gesellschaftlich unglaublich wichtig und das geht nur mit einem klaren Profil."

Doch der Antrag war noch vor der Sitzung des DFB-Bundestags vom Tisch. Die Vereine hatten sich im Januar darauf verständigt, stattdessen eine "nachhaltige Professionalisierung für ihre Ligen unter dem Dach des DFB" anzustreben.

Doch Rummenigge betonte nun erneut die Vorteile einer Abspaltung: Dies wäre "ein Ansatz, damit sich die Frauen analog dazu ein Stück weit verselbstständigen, schließlich sind Verbände aus bekannten Gründen immer sehr langsam und sehr schwierig in der Entscheidungsfindung. Darüber sollte man nachdenken."

Unterstützung erhält der frühere Nationalspieler auch von Bayern-Präsident Herbert Hainer. "Der Männerfußball hat gezeigt, dass die Ausgliederung in einen eigenständigen Spielbetrieb Sinn macht und man mit solchen Entscheidungen viel bewegen kann: Die Bundesliga wurde wesentlich professioneller und attraktiver. Daher kann das eine Option sein", sagte auch er in "Merkur" und "tz".

Kritik am "Machosport"

Man brauche, so Rummenigge, "nur einen Blick auf die britische Insel werfen. Dort wird bereits das getan, was mir vorschwebt. Man hat eine Frauen-Liga gegründet, in der verpflichtend ist, dass die Männer-Teams aus der Premier League, die für die großen Einnahmen verantwortlich sind, eben auch ein Frauen-Team haben, in das sie investieren müssen und nachhaltig entwickeln."

Dies forderte er zuletzt in der "Süddeutschen Zeitung" auch von deutschen Klubs: Er fände es gut, "wenn die Bundesliga mehr Geld in den Frauenfußball investieren würde. Die großen Vereine müssen dazu verpflichtet werden, eine Mannschaft aufzubauen, denn nur große Namen ziehen." Der Erfolg der Vize-Europameisterinnen dürfe "nicht nur ein Aufflackern gewesen sein", so Rummenigge. "Es ist eine Conditio sine qua non, dass der Machosport Fußball jetzt auch in den Frauenfußball investiert."

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Es sei kein Zufall, betonte er, "dass der Europameister in diesem Jahr aus England kam. Dasselbe geschieht nun auch in Spanien und in Italien." Das Leben für deutsche Teams werde "dadurch nicht leichter".

Die Frauen-Bundesliga nahm 1990 - damals in zwei Staffeln zu je zehn Mannschaften - ihren Spielbetrieb auf. Inzwischen spielen zwölf Teams in der ersten Liga und 14 Teams in der zweiten Liga. Noch immer müssen viele Spielerinnen neben dem Fußball arbeiten, um genug Geld für ihr Leben zur Verfügung zu haben. Die Professionalisierung ist daher zuletzt wieder in den Fokus gerückt. Spielerinnen wie Bayern-Kapitänin Lina Magull setzen sich für ein Grundgehalt ein.

Quelle: ntv.de, ara/dpa/sid

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