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Hoffenheim-Coach Nagelsmann hat das Gewirr um den Videobeweis im Spiel gegen den FC Bayern München harsch kritisiert.
Hoffenheim-Coach Nagelsmann hat das Gewirr um den Videobeweis im Spiel gegen den FC Bayern München harsch kritisiert.(Foto: imago/Michael Weber)
Samstag, 25. August 2018

Comans Verletzung schockt Bayern: Hoffenheim poltert gegen Videobeweis-Chaos

Wegen einer strittigen Elfmeterentscheidung im Spiel gegen den FC Bayern fühlt sich Fußball-Bundesligist Hoffenheim benachteiligt. Es entbrennt eine heftige Debatte um den Videobeweis. Münchens Trainer kann das verstehen - und beklagt einen bitteren Verlust.

Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann flüchtete sich in beißende Ironie, Sportchef Alexander Rosen wetterte richtig los. Gleich zum Saisonauftakt der Fußball-Bundesliga wird schon wieder heftig über den Videobeweis diskutiert und gestritten. Nach dem 3:1 (1:0) des FC Bayern im Eröffnungsspiel der 56. Bundesliga-Saison richtete sich der Unmut der unterlegenen Hoffenheimer am Freitagabend in München gegen Schiedsrichter Bastian Dankert und dessen Referee-Gehilfen Sören Storks im Kölner Video-Keller.

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"Was mich einfach ärgert, man kann ja eingreifen, nur bei der entscheidenden Szene - beim Stand von 1:1 - greift keiner ein", kritisierte Nagelsmann bei Eurosport. "Warum kriegen die es nicht hin, das in Köln zu entscheiden?", fragte er. "Da muss der arme Schiedsrichter vor 77.000 pfeifenden Fans jedes Mal hinrennen und sich die Szene anschauen. Da brauche ich keine 14 Screens in Köln aufbauen", kritisierte Nagelsmann. Dann schlug er vor, dass die Videoassistenten "daheim bleiben und wir bauen hier einen zusätzlichen auf. Ein Screen kostet viel weniger, dann schauen die sich hier die Szene im Stadion an. Dann müssen wir nicht immer hin- und herswitchen."

Insgesamt habe er ein gutes Spiel gesehen, erklärte Nagelsmann. "Dann kamen vogelwilde 20 Minuten und kaum noch Fußball, nur noch Video gucken und ein Elfer, der für mich keiner war", sagte der 31-Jährige.

"Collinas Erben": "Kein klarer Fehler"

Die Kritik des Hoffenheimer Teams entzündete sich an der Elfmeterentscheidung von Schiedsrichter Bastian Dankert nach einem vermeintlichen Foul von 1899-Profi Havard Nordtveit an Bayern-Profi Franck Ribéry in der 79. Minute. Diese Aktion, die zum Elfmeter und zur 2:1-Führung der Bayern führte, überprüfte Dankert überraschend nicht per Videobeweis. Vor der Wiederholung des Elfmeters und bei einem aberkannten Bayern-Tor wegen Handspiels von Thomas Müller entschied Dankert danach aber zweimal erst nach dem persönlichen Videostudium am Spielfeldrand.

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Für die Schiedsrichter-Experten von "Collinas Erben" ist die Elfmeterentscheidung weniger strittig als für den Bundesligisten aus Hoffenheim. Der Videobeweis sei nicht zu Rate gezogen worden, weil "zumindest kein klarer und offensichtlicher Fehler" erkennbar gewesen sei, schreibt Alex Feuerherdt auf Twitter: "Spieler beider Teams deutlich zu früh in den Strafraum gelaufen, daher VAR-Eingriff und Wiederholung (hätte es auch gegeben, wenn kein Tor erzielt worden wäre)." Zur Entscheidung nach dem Hand-Tor von Thomas Müller schreibt Feuerherdt: "Review des Müller-Tores und Aberkennung war für mich ebenfalls richtig. Intentional ist es schon lange üblich, mit der Hand erzielte Tore prinzipiell zu annullieren. Müller sieht den Ball kommen, versucht auszuweichen, trifft den Ball dann doch mit dem Arm."

Rosen: "Das ist eine schlechte Leistung"

TSG-Sportchef Rosen übte ebenfalls harsche Kritik an der Handhabung des Videobeweises. "Wir haben es bei der Weltmeisterschaft gesehen: Da hatten wir einen leitenden Schiedsrichter aus Simbabwe, einen vierten Offiziellen aus Saudi-Arabien und im Videoraum saß einer aus Uruguay. Es gab keine Testphase und der Videobeweis wurde zu etwas gemacht, was er sein soll, nämlich eine ganz wunderbare, sinnvolle und gerechte Einrichtung. Und dann haben wir das, was wir heute erlebt haben. Das steht im Gegensatz zu dem, was es sein sollte", schimpfte Rosen.

Zum vermeintlichen Foul an Ribéry sagte Rosen: "Diese Szene muss man zumindest überprüfen. Da muss ein Hinweis aus Köln kommen, sonst macht es einfach keinen Sinn." Dann beklagte Hoffenheims Direktor Profifußball: "Es ist einfach nicht gut gemacht. Punkt. Das ist eine schlechte Leistung, wenn man das so macht. Das kann einfach nicht so stehenbleiben. Diese Szene, die das Spiel entscheidet, hat das Spiel nicht verdient. Ein tolles Eröffnungsspiel - und dann kommt so etwas", sagte Rosen.

Coman-Verletzung trübt Bayern-Freude

Bayern-Trainer Niko Kovac räumte nach dem Spiel ein, dass die Kritik der Hoffenheimer nachvollziehbar sei. "Das war nicht glasklar, ich hätte den Elfmeter nicht gegeben", sagte er. Dennoch wollte er nach seinem Premierensieg den Wirbel um die Regelkunde nicht in den Mittelpunkt seiner Analyse stellen. Vielmehr musste er eine weitere schwere Verletzung von Kingsley Coman verdauen.

Der 22 Jahre alte Franzose zog sich kurz vor der Halbzeitpause bei einem Zweikampf mit dem Hoffenheimer Nico Schulz einen Riss des Syndesmosebandes oberhalb des linken Sprunggelenkes zu.

"Es sieht im Moment nicht so gut aus, er hat starke Schmerzen. Ich hoffe nicht, dass es was Schlimmes ist, aber die Befürchtung geht in diese Richtung", sagte Kovac. Comans Teamkollege Joshua Kimmich konstatierte: "Das ist bitter und tut extrem weh. Ich war schockiert. King hat bis dahin überragend gespielt", sagte der deutsche Nationalspieler. Coman hatte wegen des Syndesmosebandrisses bereits weite Teile der Rückrunde der vergangenen Saison und deshalb auch die Weltmeisterschaft in Russland verpasst. Sein letztes Bundesligaspiel hatte er im Februar bestritten.

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Quelle: n-tv.de