Fußball

Die Lehren des elften Spieltags Hummels stellt sich seiner Verantwortung

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Im Krisenmodus: Mats Hummels.

(Foto: Ralf Ibing /firo Sportphoto/pool)

Borussia Dortmund setzt Trainer Lucien Favre ab, Mats Hummels beschwört nach der Demütigung durch den VfB Stuttgart die Verantwortung der Mannschaft. Die Schwaben dagegen brillieren, Leverkusen meint es offensichtlich ernst und die Fußball-Bundesliga wird zur Elfmeter-Attraktion.

1. Wow, VfB!

Über Borussia Dortmunds miserable Leistung ist reichlich geschrieben worden. So viel, dass dabei fast unterzugehen scheint, wie hervorragend der VfB Stuttgart diesen desaströsen schwarzgelben Auftritt erst erzwungen und dann bestraft hat. Allen voran Silas Wamangituka, der auf dem Weg zum triumphalen 5:1 die 1:0- und 2:1-Führungen erzielte und das vorentscheidende 4:1 möglich machte, indem er einen Dortmunder Pass abfing und für Tanguy Coulibaly auflegte. "Ich glaube, dass er grenzenloses Potenzial hat", sagte VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo über seinen Stürmer, der nach elf Spieltagen auf ebenso viele Startelf-Einsätze wie Scorerpunkte kommt: zehn.

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Silas Wamangituka ist in herausragender Form.

(Foto: Maik Hölter/TEAM2sportphoto/Pool)

Die Stuttgarter sind nach knapp einem Drittel der Saison sogar ungeschlagener Tabellenführer, wenn auch "nur" in der Auswärtstabelle. 14 seiner 17 Punkte holte der VfB in fremden Stadien, zu Hause dagegen ist die Bilanz mit drei Zählern und ohne Sieg eher die eines Abstiegskandidaten. Für gewöhnlich ließe sich an dieser Stelle die wohl zu hohe Erwartung der eigenen Fans als Erklärung versuchen, die sind allerdings gar nicht zugelassen und werden dies auf absehbare Zeit auch nicht sein. Und außerdem zeigten die Schwaben beim 1:3 gegen den FC Bayern beim jüngsten Heimspiel vor zwei Wochen ja, dass selbst der Rekordmeister nicht sicher davor ist, vom formstarken VfB überrascht zu werden.

Matarazzo baut dafür auf eine der jüngsten Mannschaften der Liga, in Dortmund waren elf der 16 eingesetzten Profis 23 Jahre und jünger, fünf sogar 20 Jahre und jünger, kein einziger war älter als 27. Der Trainer verordnet seiner Elf eine aggressive, temporeiche Spielweise, und das zahlt sich aus: Nur der FC Bayern (35) hat mehr Tore als Stuttgart (24) erzielt. Allerdings geht diese Ausrichtung bisweilen auf Kosten der defensiven Stabilität, auch wenn der VfB mit 17 Toren hier sogar gleichauf mit dem Rekordmeister liegt. Was nichts daran ändert, dass Platz sieben nach elf Spieltagen für einen Aufsteiger eine herausragende Bilanz ist.

2. Bewährungsprobe für Hummels und Reus

Herausragend ist beim BVB dagegen so gut wie gar nichts. Als "Katastrophe" bezeichnete der keine 24 Stunden später entlassene Trainer Lucien Favre die höchste Niederlage der Dortmunder Bundesliga-Geschichte, nur sechs Mal verlor die Borussia zu Hause mit vier oder mehr Toren Unterschied. So etwas hatte es zuletzt im Herbst 2009 gegeben, damals allerdings nicht gegen einen Aufsteiger, sondern immerhin gegen den FC Bayern. "Das ging gnadenlos schief", resümierte Mats Hummels, der auch damals schon dabei gewesen war. Der Abwehrchef zählte seine Mannschaft öffentlich an, die sich "zu viel Geschnicke" erlaube, also frei übersetzt lieber in Schönheit untergegangen sei als sich zwar vielleicht unschön, dafür aber effektiv zu wehren.

Das ist eine selten sichtbare Seite in Dortmund, deren Führungsspieler bislang wenig Kritik äußerten, zumindest nach außen. Kapitän Marco Reus konstatierte schonungslos, was nach fünf Gegentoren und der vierten Niederlage im elften Saisonspiel als Erkenntnis unvermeidbar scheint: "Wir sind eine Mannschaft, die nicht gut verteidigen kann." Wobei das nicht generell gilt, denn bis zum sechsten Spieltag spielte der BVB fünfmal zu null, stand bei 15 Punkten. Seitdem? Vier Punkte aus fünf Partien. Mit 10:13 Toren, wobei die Hälfte der eigenen Treffer aus dem 5:2-Erfolg bei Hertha BSC stammt.

Dass nun aber auch die Profis ihrer Unzufriedenheit Ausdruck verleihen - nicht nur auf dem Feld, sondern auch vor den Mikrofonen - ist besonders in dieser Deutlichkeit neu. Reus mahnte mit dem Satz "Wir müssen das intern regeln" ein klärendes Gespräch an. Das ist nach dieser 90-minütigen Offenbarung unvermeidbar. Denn mit der Beurlaubung von Favre rückt jetzt die Mannschaft ganz klar in den Fokus.

3. Der 1. FC Union bleibt stabil

Max Kruse gilt beim 1. FC Union eigentlich als unersetzlich, schließlich war der Offensivspieler vor der Partie gegen den FC Bayern an jedem zweiten Berliner Treffer direkt beteiligt. Gegen die Münchner aber fehlte er verletzt, das bleibt auch in den nächsten Wochen so - und das fiel gegen den Rekordmeister so gut wie gar nicht auf. "Mit etwas mehr Effizienz wäre vielleicht ein Sieg möglich gewesen", haderte Urs Fischer nach dem 1:1 zumindest kurz, sah im Punktgewinn schließlich aber dennoch "ein verdientes Resultat".

War Union in der Vorsaison, der ersten in der Bundesliga, noch die Überraschungsmannschaft, haben sich die Köpenicker nun erstaunlich schnell etabliert. Träume von europäischem Fußball liegen deutlich näher als der Abstiegskampf, gegen den FC Bayern nutzten die Eisernen immer wieder die Lücken, die die wacklige Abwehr des Nicht-Mehr-Tabellenführers bot. Fischer hat das Team auf beeindruckend hohem Niveau stabilisiert, auch wenn Platz sechs natürlich nur eine Momentaufnahme ist. Aber vier Punkte Vorsprung auf Platz neun sind nicht aus Versehen entstanden.

Der Klub aus dem Südosten Berlins verfügt über eine Mannschaft, die das ist, was Beobachter gerne mit "Die sind immer für ein Tor gut" beschreiben. Und tatsächlich: In zwölf Pflichtspielen in der laufenden Saison hat Union immer mindestens einmal getroffen, das ist ein Zeichen von Qualität. Vor allem, wenn sich dieser Trend nun auch ohne Max Kruse verstetigt. Am besten schon am Dienstagabend gegen den ebenso formstarken VfB Stuttgart (20.30 Uhr im ntv.de-Liveticker).

4. Die Liga der Elfmeter

Am Freitag hat der VfL Wolfsburg einen bekommen, Eintracht Frankfurt auch. Am Samstag dann der VfB Stuttgart, RB Leipzig, und der SC Freiburg und am Sonntag gab es auch noch einen für Bayer Leverkusen: einen Elfmeter. Sechsmal zeigten die Schiedsrichter an diesem Wochenende auf den Punkt, der zweithöchste Wert der laufenden Saison, nachdem es am siebten Spieltag sogar zehn Strafstöße gegeben hatte.

Nach elf Spieltagen kommt die Bundesliga als Ganzes auf 44 Elfmeter, mit Abstand ein Höchstwert in der jüngeren Vergangenheit. In der Vorsaison waren es zum gleichen Zeitpunkt gerade einmal 28, in den Jahren davor 36, 33 und 31. An dieser Stelle soll es gar nicht unbedingt darum gehen, die ewige Handspieldebatte weiterzuführen, es geht um eine reine Bestandsaufnahme.

Spitzenreiter in der zugegeben wenig aussagekräftigen Elfmeter-Tabelle ist RB Leipzig, das 1:0 von Marcel Sabitzer bei Werder Bremen war bereits der sechste Strafstoß für die Sachsen und der fünfte erfolgreich verwandelte. Die Grün-Weißen gerieten wie schon in der Vorwoche gegen Stuttgart aus elf Metern in Rückstand - und Silas Wamangituka verwandelte auch beim 5:1-Sieg des VfB beim BVB eiskalt zur Führung. Rekordverursacher sind übrigens der FC Schalke und der 1. FC Köln, die in dieser Saison bislang jeweils sechsfach für Fehlverhalten bestraft wurden.

5. Leverkusen meint das ernst

Es ist ein zumindest etwas kurioser Zufall, dass Bayer Leverkusen ausgerechnet an dem Tag die Tabellenführung übernimmt, an dem Borussia Dortmund seinen Trainer entlässt. Schließlich ereilte Peter Bosz einst dasselbe Schicksal wie nun Lucien Favre, sie beide waren eben nicht Jürgen Klopp. Bosz galt damals als gescheitert, mittlerweile ist davon keine Rede mehr. Der Niederländer hat aus der Werkself eine Spitzenmannschaft geformt, die von den Problemen beim FC Bayern und beim BVB profitiert. Einerseits deshalb, weil nach deren Sieglos-Auftritten am elften Spieltag der Weg zu Platz eins frei war und andererseits, weil deren Probleme dafür sorgen, dass Leverkusen sich wieder einmal eher abseits des ganz großen Scheinwerferlichts befindet.

Dabei hat die Bosz-Elf von 18 Spielen in dieser Saison nur ein einziges verloren, ist in der Bundesliga sogar noch ungeschlagen. 51:18 Tore sprechen eine deutliche Sprache, das 4:1 gegen die TSG Hoffenheim war also kein Ausrutscher. Im Dezember hat Leverkusen in vier Spielen jeweils mindestens dreifach getroffen - und hat nun zwei große Prüfungen vor der Brust. Erst am Mittwoch (20.30 Uhr) beim 1. FC Köln, das Derby, bei dem es darum geht, Platz eins zu verteidigen. Und dann am Samstag (18.30 Uhr, jeweils live im ntv.de-Ticker) das Topspiel gegen den FC Bayern mit der Chance, gewissermaßen als Weihnachtsmeister in die sehr kurze Winterpause zu gehen.

Dabei war Bayer doch ein Absturz prophezeit worden, schließlich verließen mit Kai Havertz und Kevin Volland zwei tragende Säulen die Mannschaft. Davon zu spüren ist jedoch fast nichts. Lucas Alario erzielte mit dem Schlusspunkt gegen Hoffenheim schon sein achtes Tor der Bundesliga-Saison, Leon Bailey traf gegen die Kraichgauer wie schon unter der Woche beim 4:0 gegen Slavia Prag doppelt. Zwar fehlen mit Santiago Arias, Charles Aránguiz, Kerem Demirbay und Sven Bender sogar vier potenzielle Stammkräfte. Aber Leverkusen scheint das ebenso wenig aufzuhalten wie die hohe Belastung in dieser Saison.

Quelle: ntv.de

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