Fußball

Tristesse trotz der Millionen Klinsmann lässt mauern, Fußball dann später

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Trainer Jürgen Klinsmann hat mit der Hertha Großes vor. Am Freitagabend war's dann aber nicht gar so glanzvoll.

(Foto: imago images/Contrast)

So schnell geht das einfach nicht. Die neureiche Hertha investiert Millionen Euro in Spieler. Aber guter Fußball lässt sich nicht auf die Schnelle kaufen. Das Motto des Trainers Jürgen Klinsmann: Sicherheit zuerst. Klingt trist, ist es auch. Gegen Schalke springt ein Punkt dabei heraus.

Das Problem der Hertha ist im Grunde nur, dass die Mannschaft zwischendurch zu Fußballspielen in der Bundesliga antreten muss. Besonders die erste Halbzeit gegen den FC Schalke 04 zum Auftakt des 20. Spieltags an diesem letzten Abend im Januar war extrem ereignislos. Die Berliner standen hinten drin und lauerten, auf was auch immer. Und den Gästen fiel vor 47.863 Zuschauern im gefühlt wieder mal halbleeren Olympiastadion auch nichts ein. Nach der Pause wurde es dann etwas munterer. Aber auch Krzysztof Piatek, Herthas nigelnagelneuem Angreifer, gelang nichts Entscheidendes. Dass dieses trostlose Schauspiel endete, ohne dass eines der beiden Teams ein Tor erzielte, war nur gerecht.

Hertha BSC - FC Schalke 04 0:0

Tore: Fehlanzeige
Berlin:
Jarstein - Klünter, Boyata, Torunarigha, Mittelstädt - Ascacibar, Skjelbred - Wolf (63. Piatek), Grujic (63. Arne Maier), Dilrosun - Lukebakio;Trainer: Klinsmann.
Schalke: Nübel - Caligiuri, Kabak, Nastasic, Oczipka - Mascarell - McKennie (90. Todibo), Serdar (78. Schöpf) - Harit - Gregoritsch, Raman (90.+2 Matondo); Trainer: Wagner.
Schiedsrichter: Stegemann (Niederkassel)
Zuschauer: 47.863

Wahrscheinlich waren sie einfach froh, dass sie nicht gegen den FC Bayern spielen mussten. Die Schalker hatten am vergangenen Wochenende mit 0:5 in München verloren, die Herthaner zum Auftakt der Rückrunde daheim mit 0:4. Ansonsten aber geschieht einiges beim selbsternannten Großstadtklub, seit Investor Lars Windhorst 224 Millionen Euro in den Verein gepumpt und Jürgen Klinsmann als seinen Adlatus installiert hat. Der war im November als Aufsichtsrat gestartet, hat als Trainer nun mit seiner Mauertaktik aus acht Spielen zwölf Punkte geholt und sein Team ein wenig von den Abstiegsrängen weggelotst. Gebannt ist die Gefahr auf Rang 13 aber noch nicht. Die Schalker bleiben auf Platz sechs, der am Ende zur Teilnahme am Europapokal berechtigt. Am Dienstag schon sehen die Klubs wieder, wenn es (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei ntv.de) darum geht, wer ins Viertelfinale des DFB-Pokals einzieht. Das kann ja was werden. Immerhin wird es einen Sieger geben.

Beide Trainer gaben sich dann auch mäßig begeistert, frei nach dem Motto: immerhin nicht verloren. Schalkes David Wagner sagte, dass es "das erwartet schwere - Schrägstrich - eklige Auswärtsspiel" gewesen sei. "Wir sind auf einen Gegner getroffen, der viel Wert auf die Defensive legt." Seine Mannschaft habe nicht gut gespielt, aber immerhin nach der Packung in München nun kein Tor kassiert. Klinsmann sprach von einem "Punktgewinn, weil jeder Punkt uns von unten wegbringt". Auch den einen würden sie gerne mitnehmen. Wie das so ist im Abstiegskampf. Sicherheit zuerst.

Die Hoffnung ist groß, dass sich was dreht

Ansonsten aber geht der Mann, der sich als Visionär sieht und gerne von der Champions League spricht, volles Risiko und krempelt den Kader um. Es kann den Berliner nicht schnell genug gehen. Sie waren einkaufen und haben allein in der vergangenen Woche 65 Millionen Euro für drei junge Spieler ausgegeben. "Kaufhaus des Ostens" titelte der "Kicker". Piatek, der am Donnerstag für 23 Millionen Euro vom AC Mailand kam, saß 62 Minuten auf der Bank. In seiner polnischen Heimat sollen sie ihm ähnliche Gaben zusprechen wie Robert Lewandowski vom FC Bayern. Piatek, 24 Jahre alt, könnte bald mit Matheus Cunha das neue Sturmduo bilden. Den verpflichteten die Herthaner kurz vor der Partie gegen Schalke und überwiesen für den 20 Jahre alten Brasilianer 18 Millionen Euro an RB Leipzig. Da Cunha mit der U23-Auswahl in Kolumbien bei der Olympiaqualifikation weilt, steht er erst am 15. Februar zum Spiel in Paderborn bereit.

Wenn neue Angreifer kommen, müssen andere gehen. Davie Selke spielt ab sofort für seinen alten Verein Werder Bremen, Salomon Kalou trainiert nicht mehr mit der Mannschaft und Vedad Ibisevic, immer noch der Kapitän, sitzt auf der Bank. Gegen Gelsenkirchen begannen die Berliner, wie beim glücklichen 2:1 in Wolfsburg am vergangenen Samstag, mit Außenangreifer Dodi Lukebakio in der Mitte. Ihm war in letzter Minute das Siegtor gelungen. Seinen Status als Rekordeinkauf ist er aber los. Den hat jetzt der Franzose Lucas Tousart, 22 Jahre alt, defensiver Mittelfeldspieler und seit Montag Herthaner. Für ihn zahlte der neureiche Klub 24 Millionen Euro an Olympique Lyon. Er kommt aber erst im Sommer und spielt bis dahin leihweise weiter beim alten Arbeitgeber.

Seine neue Mannschaft soll nun mit Sicherheitsfußball der Marke Klinsmann dafür sorgen, dass er dann nicht zu einem Zweitligisten kommt. Im Abstiegskampf ist das ja auch nicht das schlechteste Rezept. Viele Fans scheinen der sportlichen Zukunft ihres Lieblingsklubs einigermaßen optimistisch entgegenzublicken. Als Piatek nach einer guten Stunde den Rasen betrat, wurde es richtig laut im Olympiastadion. Was wäre erst losgewesen, hätte er in der 73. Minute den Ball ins Schalker Tor geköpft - und nicht knapp links oben daneben. Ansonsten bekam Piatek einen ersten Eindruck davon, was für eine denkbar undankbare Aufgabe es ist, als Mittelstürmer der Hertha verlassen vorne zu stehen und auf den Ball zu warten. Da hätte selbst Lewandowski seine Probleme.

In den letzten Minuten dieser trostlosen Partie tanzten und sangen die Anhänger in der Ostkurve, wo die sitzen, die immer kommen und für Stimmung auf den Rängen sorgen. Ihre Hoffnung ist, dass sich was dreht bei der Hertha. Und vielleicht spielen sie bald auf dem Rasen auch wieder Fußball.

Gestern abend gab's übrigens auch Spiele in der 2. Fußball-Bundesliga. In Aue war die Arminia aus Bielefeld zu Gast. Es war ein hart umkämpftes Spiel mit einer heftig diskutierten Szene. Und Jahn Regensburg empfing die SpVgg Greuther Fürth. Berichte von beiden Spielen finden Sie hier.

Quelle: ntv.de