Fußball

"Nummer der Stärke" statt "da27" Königlicher Alaba wird Reals neuer Leader

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David Alaba präsentiert sein neues Real-Trikot mit Florentino Perez.

(Foto: twitter.com/realmadrid)

Real-Legende Sergio Ramos ist weg, David Alaba ist da. Bei seiner offiziellen Vorstellung übernimmt der ehemalige Bayern-Profi nicht nur die Trikotnummer des langjährigen Abwehrbosses. Alaba will auch in dessen Manier mit Führungsstärke vorangehen - und Titel sammeln.

Im feinen Zwirn steigt David Alaba langsam und bedächtig auf das kleine Podest. "Hola a todos, muchas gracias", so lautet sein erster offizieller Satz als Profi von Real Madrid. "Hallo alle zusammen, vielen Dank." Der ehemalige Verteidiger von Bayern München hat bereits Spanisch gebüffelt - ein paar Vokabeln hätte er ohnehin schon dank ehemaliger spanischer Mitspieler drauf, sagt er später - und bedankt sich für die Herzlichkeit. Danach spricht er auf Englisch weiter: "Ich bin sehr stolz und werde alles für das Trikot von Real Madrid geben." Dann wechselt der Österreicher noch einmal ins Spanische und ruft ein "Hala Madrid" in den Raum, das vom Jubel des Publikums begleitet wird.

Mit einem Video über Alabas Kindheitsanfänge und Bayern-Erfolge beginnt die Vorstellung. Am Morgen absolvierte der 29-Jährige, der mit seiner gesamten Familie angereist war, bereits den obligatorischen Medizincheck. Vor dem Abwehrspieler kommt Florentino Perez zu Wort. Der Real-Präsident steht derzeit massiv in der Kritik, weil Tonbandaufnahmen aufgetaucht sind, auf denen er ehemalige Madrid-Stars aufs Übelste beleidigt haben soll. Außerdem hält der Real-Boss weiterhin an den stark kritisierten Plänen für die Super League fest.

"Mit David Alaba beginnt eine neue Etappe", erklärt Perez und lobt ihn als einen "sehr besonderen Fußballspieler" und sogar als "eine der größten Legenden von Bayern München". Dann wendet sich der Präsident direkt an seinen Neuzugang und sagt: "Heute beginnt für dich eine großartige neue Herausforderung, um die Geschichte unseres Vereins mit weiteren Titeln zu schmücken." Alaba könne immer auf die Unterstützung aller im Verein und der Fans zählen. Perez schließt mit den Worten: "Willkommen in deinem neuen Zuhause."

"Diese Nummer steht für Leadership"

Anschließend folgt der Fototermin, auf den eigentlich alle gewartet haben. Es wurde schon viel darüber diskutiert, welche Trikotnummer Alaba bei Real zukünftig tragen würde. Bei den Bayern spielte er mit der 27. "da27" wurde dort zur Marke, Alabas Instagram-Account mit sechseinhalb Millionen Followern trägt denselben Namen. In Spanien dürfen Spieler aus der ersten Mannschaft aber nur Zahlen von eins bis 25 wählen. Klar war, dass nach dem Abgang des langjährigen Abwehr-Bosses Sergio Ramos die Nummer vier vakant war. Doch möchte Alaba direkt in die riesigen Fußstapfen des ehemaligen Anführers treten? Ja, lautet die Antwort, obwohl die spanische Sportzeitschrift "Marca" zuletzt berichtet hatte, dass niemand die Nummer übernehmen und damit die Nachfolge des langjährigen Kapitäns antreten wolle. Doch ein selbstbewusster Alaba strahlt mit dem Trikot mit der Nummer vier in die Kameras.

Der Österreicher weiß: Bei Real beginnt eine neue Ära. Eine, in der es natürlich wieder Titel regnen soll. Und er selbst ist eine der ganz wichtigen Säulen dieser neuen "Etappe". Genau deshalb hat er einen Langzeitvertrag von fünf Jahren unterschrieben. Alaba will sich nicht verstecken. Er geht als Königstransfer der Königlichen voran und zeigt durch seine Nummernwahl: Seht her, ihr könnt auf mich zählen. Ich komme, um Verantwortung zu übernehmen und anzuführen. "Der Verein kam auf mich zu, und es war eine Ehre für mich, diese Nummer zu tragen", sagt der Abwehrspieler auf der anschließenden Pressekonferenz. "Diese Nummer steht für Leadership und für Stärke. Dafür möchte ich alles geben."

Dass Alaba nicht nur enorme Qualität auf dem Rasen mitbringt, sondern auch Führungsqualitäten, versteckt er nicht: "Ich bin hier hergekommen, um David Alaba zu sein und zu bleiben. Ich möchte meine Stärken am Platz aber auch menschlich einbringen." Bei den Bayern werden sie seine Ausstrahlung neben und Dominanz auf dem Platz vermissen. Madrid erwartet viel von dem 29-Jährigen, aber bei der österreichischen Nationalmannschaft hat er als Kapitän bewiesen, dass er mit einer solchen Last gut umgehen kann.

Wiedersehen mit Toni Kroos

Die neue Real-Ära begeht der Österreicher auch mit dem zurückgekehrten Trainer Carlo Ancelotti. Erfolgscoach Zinédine Zidane ist weg. Ancelotti und Alaba müssen Real nach nur einer Meisterschaft in den vergangenen vier Jahren und drei Jahren Flaute in der Champions League neu erfinden und zurück auf den Weg des Erfolgs bringen. Kein kleines Unterfangen. Beide kennen sich aus der Meistersaison der Münchner 2016/17. Wie lange die Alt-Stars Toni Kroos (31 Jahre, Alaba äußert auf der Pressekonferenz seine Vorfreude auf ein Wiedersehen mit dem ehemaligen Bayern-Kollegen), Luka Modric (35), Karim Benzema (33), Gareth Bale (32) und Marcelo (33) noch Teil des Gerüsts sein werden, bleibt abzuwarten. Ancelotti lobte zuletzt den Hunger seiner "Senioren".

"Ich denke, ich werde spätestens übermorgen mit der Mannschaft einsteigen", sagt Alaba zum Abschluss. In knapp einem Monat beginnt die Saison. Viel zu tun für den Neuzugang und für alle anderen in Madrid. Ein Jahr später ist gerade noch pünktlich für die eingeläutete Ära dann auch das Bernabéu 2.0 fertig, das rundum erneuerte Stadion, das mit einem verschließbaren Dach, 360-Grad-Videowall, neuer Fassade zu den modernsten Fußballtempeln der Welt gehören wird. Kostenpunkt: 525 Millionen Euro.

Bei Real wird gerne geprotzt. Und bei Real zählen nur Titel. Manchmal genügt nicht mal das. 2014 gewann Ancelotti die Champions League und musste trotzdem gehen. David Alaba wird gewarnt sein - und vorangehen, um seine neue Ära mit Erfolgen zu segnen. Mit seiner neuen Nummer der Stärke.

Quelle: ntv.de

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