Fußball

FCB-Stürmer trifft, wie er will "Legende" Lewandowski jagt großen Traum

Die Welt wartet beim Bayern-Sieg auf Schalke auf das Coutinho-Debüt - und sieht mal wieder eine Lewandowski-Show. Von fünf Saisontreffern des Serienmeisters hat der Ausnahmestürmer nun fünf erzielt. Jetzt verfolgt der Pole noch ein ehrgeiziges Ziel.

Da stand er nun im Feuerzeugregen. Mit gekreuzten Armen vor der Nordtribüne. Der pflichtschuldige Jubel eines Torjägers. Der Unmut der Heimfans. Robert Lewandowski war mal wieder zu Gast in der Arena auf Schalke.Gelsenkirchen war immer schon ein gutes Pflaster für den mittlerweile 31-jährigen Kapitän der polnischen Nationalmannschaft. Hier erzielte er am 19. September 2010 seinen ersten Bundesliga-Treffer beim 3:1 Derby-Erfolg von Borussia Dortmund. Knapp neun Jahre später gelingt ihm ein Hattrick beim 3:0 Erfolg der Bayern. Große Auftritte sind längst Normalität geworden.

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Ein Elfmeter, ein Freistoß, ein flacher Distanzschuss. Lewandowski trifft, wie er will. Von fünf Saisontreffern des Serienmeisters hat der Pole fünf erzielt. Eine gewisse Abhängigkeit lässt sich nicht verleugnen. Gegen Schalke 04 erzielte der Bayern-Stürmer in den letzten acht Liga-Spielen nun insgesamt 11 Treffer. Er hat nun 18 Tore in Liga, Pokal und Supercup laut "transfermarkt.de" gegen die Königsblauen erzielt, nur Gerd Müller gelangen mehr. Aber Gerd Müller spielt nicht mehr.

"Er ist eine Legende", sagte dann auch Philippe Coutinho, um dessen Debüt sich an diesem milden Samstagabend alles hätte drehen sollen. Unter der Woche von Barcelona zum FC Bayern transferiert, saß der Brasilianer jedoch für Teil 1 der Lewandowski-Show auf der Bank und konnte seinen neuen Teamkameraden ganz nah beobachten.

Er wird den Elfmeter nach Foul des überforderten Schalker Verteidigers Jonjoe Kenny an Kingsley Coman beobachtet haben. Er wird diesen Freistoß Anfang der zweiten Halbzeit gesehen haben. Weston McKennie hatte Corentino Tolisso berührt und Schiedsrichter Marco Fritz auf Freistoß entschieden. Bei diesem Freistoß lehnte sich Lewandowski mit den Augen um die Mauer, machte ein paar kurze Schritte in Richtung Ball, nur um ihn unhaltbar im Schalker Tor zu versenken. Das Stadion schwieg anerkennend.

Lewandowski lechzt nach großem Titel

"Dafür ist er da", sagte Niko Kovac über seinen Stürmer. "Er hat in den letzten neun Jahren bewiesen, dass er der beste Stürmer der Bundesliga ist. Die Effizienz, die Kaltschnäuzigkeit ist einzigartig." Die fehlende Effizienz, die fehlende Kaltschnäuzigkeit, das fehlende Match-Glück ist vielleicht der letzte große Makel des Stürmers, der spätestens seit seinem verlorenen Champions-League-Finale 2013 nach dieser einen großen Nacht und diesem einen großen Klub-Titel lechzt.

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Noch einmal will er alles versuchen. Noch einmal hofft er darauf, dass ihn das Glück ins Finale spült, und noch einmal werden die Bayern auf seine Tore in der K.o.-Phase der Champions League hoffen. Hier wird er sich beweisen müssen. Längst einer der größten Ligaspieler der Geschichte, steht Lewandowski eben auch symbolisch für das Scheitern der Bundesliga in Europa. Dort gilt er als einer, der für Deutschland zu stark, aber für die großen Erfolge zu inkonstant ist. Erst im Frühjahr lieferte er sich ein heftiges Wortgefecht mit Didi Hamann. Längst redet Lewandowski, sein Wort findet Gehör. Hin und wieder trägt er in München nun auch die Kapitänsbinde.

Coutinho legt auf

Nicht ohne Grund. Der große Solist jagt einen Traum. Er weiß: Ohne einen guten Kader wird der Gewinn der Champions League auf ewig nur ein Traum bleiben. "Klar kann man als Spieler auch mal allein ein Spiel entscheiden, doch mit dem Team gewinnt man Titel", sagte Lewandowski nach dem 3:0 Erfolg am Samstag. Vor weniger als einem Monat hatte er am Team gezweifelt. Es fehlt ihm an Tiefe. Da meckerte er: "Wir brauchen neue Spieler, die uns sofort Impulse geben." Jetzt am Ende des Monats sind diese Spieler da. Die beiden Leihspieler Coutinho und Ivan Persisic kamen auf Schalke noch vor der Bank, doch besonders über den Brasilianer dürfte sich der Stürmer gefreut haben. Für Teil 2 der Lewandowski-Show stand er auf dem Platz.

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Freut sich über das neue Personal: Lewandowski (Mitte) mit Ivan Perisic (l.) und Philippe Coutinho.

(Foto: imago images / Team 2)

Schon nach wenigen Minuten steckte Lewandowski einen Ball zu Coutinho durch. Dem aber fehlte noch die Spritzigkeit. Schalker-Keeper Alex Nübel gelangte vor ihm an den Ball. Es war eine erste Andeutung, was aus dieser Partnerschaft werden könnte. Einige Minute später nahm Lewandowski einen Ball von Coman auf, drehte sich in Richtung Tor und erzielte seinen dritten Treffer des Tages. Diesmal war Nübel chancenlos. Klar, dass Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic richtig gute Laune hatte: Über Lewandowskis Bedeutung sagte er: "Ein Wort: Unverzichtbar!"

Geschichtsschreiber Lewandowski

Robert Lewandowski hat nun 207 Tore in 292 Spielen erzielt. Er ist bereits der erfolgreichste Ausländer der Erstliga-Geschichte. Ihm fehlen noch sechs Tore auf Manfred Burgsmüller, 13 auf Jupp Heynckes. Beide wird der Pole noch in dieser Saison überholen. Er wird dann der drittbeste Torschütze der Ligageschichte sein. Auch Klaus Fischers Marke von 268 Treffern ist nicht mehr in weitester Ferne, sondern ein realistisches Ziel. Erreicht er Fischer, steht nur noch Gerd Müller vor ihm. In diesen Kategorien muss man den Fußballer Lewandowski denken. Ob er darüber hinaus Spuren hinterlassen wird? Dafür fehlt ihm noch der große Wurf.

Salihamidzic schwärmte: "Lewa ist Wahnsinn. Ein Stürmer, wie man sich ihn nur wünschen kann. Fünf Tore in zwei Spielen. Die Messlatte hat er hoch gesetzt. Jetzt schauen wir mal, was er noch alles trifft in diesem Jahr." Erst einmal wird Lewandowski nun seinen Vertrag verlängern. Bis 2023. Dann wird er beinahe 35 sein.

Am Samstag marschierte er mit dem Ball unterm Arm vom Feld der Arena auf Schalke. Er war rundum zufrieden.

Quelle: n-tv.de