Fußball

Drei Kandidaten für die WM Löw hat kein Stürmer-Problem

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Drei für Low? Von links: Sandro Wagner, Timo Werner und Mark Uth.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nach der EM klagte Fußball-Deutschland über die schwache Offensive der DFB-Elf. Ein paar Monate später kann von einer Stürmer-Krise keine Rede mehr sein. Drei Angreifer empfehlen sich - einer bekommt nun eine erste Chance.

Als die deutsche Fußball-Nationalmannschaft im Halbfinale der EM gegen Gastgeber Frankreich ausschied, war der Grund schnell gefunden: In den sechs Turnierspielen im Sommer vergangenen Jahres brachte die Elf von DFB-Trainer Joachim Löw den Ball nur sieben Mal im gegnerischen Tor unter. Thomas Müller traf gar nicht, Mario Gomez sorgte für die beiden einzigen Stürmertore. Ziemlich wenig für eine Mannschaft, die mit dem Ziel angetreten war, Europameister zu werden. "Wo kriegen wir endlich wieder einen Knipser her?" - so titelten deutsche Medien nach dem Ausscheiden. "Es ist wichtig, dass wir auch wieder Torjäger züchten", sagte Torwart-Legende Oliver Kahn.

Seitdem hat sich einiges verändert: Thomas Müller trifft wieder im Dress der Nationalmannschaft - vier Mal bereits in der WM-Qualifikation. Und auch sonst scheinen die Stoßgebete von Kahn & Co. erhört worden zu sein. Mindestens drei Spieler bewerben sich für die Mittelstürmer-Position in der Nationalmannschaft und eine Nominierung für die Weltmeisterschaft 2018 in Russland. Der Jüngste von ihnen könnte im Abschiedsspiel für Lukas Podolski gegen England am Mittwoch (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) eine erste Chance bekommen. Die Freude darüber dürfte bei Timo Werner nach dem Anruf von Löw groß gewesen sein.

Erster Kandidat: Timo Werner

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Bester deutscher Torjäger der Liga: Timo Werner.

(Foto: picture alliance / Jan Woitas/dp)

Er ist den anderen beiden Kandidaten einen entscheidenden Schritt voraus: Löw hat ihn nun erstmals in den Kader berufen. Er hat die Chance, sich zu beweisen. Die beste Währung dafür sind bekanntlich Tore - und davon hat er in dieser Saison bereits zahlreiche geschossen.

Nach 25 Spieltagen ist Werner bisher der erfolgreichste deutsche Bundesligaspieler, in der Torjägerliste belegt er Platz vier. 24 Spiele, 14 Tore, 7 Vorlagen, "Kicker"-Durchschnittsnote 2,91. Werner konnte sich nach seinem Wechsel zum Bundesliga-Aufsteiger RB Leipzig auf Anhieb gegen die starke Konkurrenz behaupten und trägt wesentlich zum Erfolg der Bundesliga-Neulinge bei. Doch auch vorher schon galt der Stuttgarter als talentierter Spieler. Bereits mit 17 debütierte Werner 2013 im Trikot des VfB Stuttgart, in seiner ersten Bundesligasaison kam er auf beachtliche 30 Einsätze. Mit dem Toreschießen tat sich Werner aber lange schwer. In 95 Spielen traf er nur 13 Mal. Die Quote hat sich bei RB Leipzig schlagartig verbessert.

Seine Vorzüge: Mit seiner Physis (1,81 Meter) taugt Werner als Stoßstürmer im Zentrum, dank seiner Schnelligkeit kann er aber auch auf den Flügeln eingesetzt werden. Bemerkenswert: Werner ist erst 21, kommt aber schon auf 119 Bundesligaspiele. Wenn er seine Quote halbwegs halten kann, führt für Bundestrainer Löw auch auf längere Sicht kein Weg an ihm vorbei.

Zweiter Kandidat: Mark Uth

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Erfolgsgarant: Mark Uth.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wird er's oder wird er's nicht? Vor der Kadernominierung für die EM 2016 galt Mark Uth als einer der möglichen Überraschungskandidaten. Der Bundestrainer hatte den Stürmer angeblich auf dem Zettel, dennoch entschied er sich schließlich gegen ihn. Dabei war Uth, dessen Profikarriere beim niederländischen Erstligisten SC Heerenveen begann, schon in seiner ersten Bundesligasaison 2015/2016 ein starker Einstand gelungen - 25 Spiele, davon 17 Startelfeinsätze und acht Tore, sieben davon in der Rückrunde. Dass es bei der TSG Hoffenheim seit einem Jahr so gut läuft, hängt neben Trainer Julian Nagelsmann auch mit Uth zusammen. In dieser Spielzeit fiel der Stürmer wegen eines Muskelbündelrisses lange aus und plagt sich aktuell mit einer Rippenverletzung herum. Seine Ausbeute kann sich trotzdem sehen lassen: In 14 Spielen traf er sechs Mal. Wie Werner ist Uth im Sturm vielseitig verwendbar: Mit seinen 1,85 Meter ist er kopfballstark, kommt gelegentlich aber auch auf den Außen zum Einsatz. In der Winterpause bestätigte der 26-Jährige das Interesse verschiedener Premier-League-Vereine, darunter wohl auch Tottenham Hotspur, aber Hoffenheim-Coach Nagelsmann wollte ihn nicht gehen lassen. Nach Uths Auftritten in dieser Saison dürfte Löw dessen Namen wohl kaum aus dem Notizblock gestrichen haben.

Dritter Kandidat: Sandro Wagner

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Findet sich ziemlich gut: Sandro Wagner.

(Foto: picture alliance / Uwe Anspach/d)

Wer sich den deutschen Kader angesehen hat, der 2009 die U21-EM in Schweden gewann, dem konnte Sandro Wagner lange Zeit fast leidtun. Neuer, Höwedes, Boateng, Khedira, Özil, Hummels: Viele machten anschließend die große Karriere und wurden 2014 Weltmeister. Auch Sandro Wagner, Bayern-Eigengewächs und immerhin zweifacher Torschütze im Finale gegen England, wurde eine große Zukunft vorausgesagt. Nur: Der Hüne konnte dies lange nicht einlösen. Zwischen 2010 und 2015 fiel er bei Werder Bremen, Kaiserslautern und Hertha BSC durch, schoss nur 12 Bundesligatore.

Erst dann gelang Wagner plötzlich doch noch der Durchbruch. Er wechselte zu Aufsteiger SV Darmstadt 98, schoss 14 Tore und half den Lilien, den Klassenerhalt zu sichern. Bleiben wollte er aber nicht, Wagner ging im Sommer für 2,5 Millionen Euro zur TSG Hoffenheim – und schlug auch dort ein. Aktuell Platz fünf in der Torjägerliste, 11 Tore, "Kicker"-Durchschnittsnote 2,95. Und nun? An Selbstbewusstsein mangelt es ihm nicht. Ob er der beste deutsche Stürmer sei, wurde Wagner Ende Januar im ZDF-Sportstudio gefragt. Die Antwort des 29-Jährigen: "In meinen Augen ja." Er träumt von einer Rückkehr zum FC Bayern. Auch in der Nationalmannschaft könnte Wagner noch zum Zug kommen. "Er hat in Hoffenheim gute Leistungen gezeigt, insofern könnte er vielleicht auch für uns noch mal eine Option werden", sagte Löw im Dezember. Aktuell hat es allerdings nicht gereicht.

Deutschland hat kein Sturmproblem. Es gibt nicht nur Thomas Müller und Mario Gomez. Bis zur Nominierung des Kaders für die Weltmeisterschaft 2018 ist es noch über ein Jahr hin - viel Zeit, um neue Angreifer zu testen. Und beste Aussichten für Werner, Uth und Wagner, im kommenden Jahr bei der WM aufzulaufen.

Quelle: ntv.de

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