Fußball

Nations League gegen Niederlande Löw setzt auf die Krisen-Bayern

ae03a4f2a78583ac6e49449545aa9321.jpg

Mats Hummels und andere Nationalspieler im Gespräch mit dem Bundestrainer. Der Bayern-Profi erlebte mit seinen Vereinsteamkollegen eine Reihe von Misserfolgen.

imago/Eibner

Für das Spiel in der Nations League gegen die Niederlande nominiert Bundestrainer Löw zwei Spieler nach, weil Goretzka und Trapp ausfallen. Den geschundenen Bayernprofis macht er am Abend beim öffentlichen Training in Berlin Mut.

Joachim Löw trotzt allen Zweifeln und negativen Vorzeichen. Noch vor dem Aufgalopp der Fußball-Nationalmannschaft vor vielen aufgeregten und kreischenden Kindern in Berlin machte der Bundestrainer klar, dass er in den brisanten Nations-League-Spielen gegen die Niederlande und Weltmeister Frankreich auf die ins Formtief gestürzten Spieler des FC Bayern setzen will.

peter28fdf68d1087a54f7b12efdb5c950f92.jpg

Thomas Müller will die deutschen Fans wieder begeistern.

(Foto: REUTERS)

Erste Aufmunterung für den Bayern-Block um Kapitän Manuel Neuer gab es am Abend im Hertha-Amateurstadion beim Üben vor 5000 überwiegend jungen Fans. "Ich weiß schon, welche Qualitäten diese Spieler auch haben", sagte Löw über die im DFB-Team dominierende Bayern-Fraktion. "Es war in der Vergangenheit immer wieder mal so, dass Spieler im Verein nicht in der Topverfassung waren, bei der Nationalmannschaft dann trotzdem eine tolle Leistung gezeigt haben. Die Spieler sind erfahren genug, mit solchen Situationen umzugehen", äußerte Löw zur Gruppe um Kapitän Neuer, Jérôme Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller. Wie groß das Zutrauen in die Münchner Profis trotz Vereinskrise ist, bewies Löw bei einer erzwungenen Kaderveränderung am Abend.

Denn Mittelfeldmann Leon Goretzka, der wegen einer Muskelverhärtung absagen musste, ersetzt der Bundestrainer durch dessen offensiven Bayern-Kollegen Serge Gnabry. Als dritter Torwart im 21-Mann-Kader ersetzt Bernd Leno vom FC Arsenal den Frankfurter Kevin Trapp, der wegen muskulärer Probleme für die zwei Länderspiele ausfällt. Außenverteidiger Jonas Hector, der noch am Montagabend für den 1. FC Köln in der 2. Liga spielte, trainierte nicht mit. Seine Premiere im Elitekreis erlebte der erstmals berufene Angreifer Mark Uth. "Ich will alles aufsaugen", sagte der 27-jährige Schalker.

Sportlicher Anreiz Nichtabstieg

Löw bereitet sein Team in der Hauptstadt auf die Punktspiele am Samstag in Amsterdam und drei Tage später in Paris (beide 20.45 Uhr) vor. "Wir sind uns natürlich der Schwere der Spiele bewusst, wir spielen auswärts. Aber wir sind zuversichtlich. Wir haben alle Möglichkeiten, auch wenn ein paar Spieler abgesagt haben", sagte Löw. Bierhoff verdeutlichte die Brisanz der zwei Partien in einem Satz: "Jetzt ist der sportliche Anreiz da, man will nicht absteigen." Die Trainingstage bis zum Spiel gegen die Niederländer will Löw nutzen, um "uns gut einzustellen, vorzubereiten und die Spieler wieder ein bisschen aufzubauen".

Nicht nur bei den Bayern, auch bei anderen Nationalspielern wie etwa Toni Kroos lief es zuletzt nicht rund. "Zwei Wochen enttäuschende Ergebnisse, Spiele und auch Pech", beschrieb Kroos seine eigene Situation bei Real Madrid. "Es wird eine große Herausforderung sein, wieder aufzustehen." Löw will in Gesprächen mit den Bayern-Profis erfahren, worin sie die Gründe für die Krise in München sehen. Besonders besorgt wirkt der 58-Jährige allerdings nicht: "Wenn man über Boateng, Hummels, Neuer und Müller redet - diese Spieler haben einfach auch viel Erfahrung. Sie können auch mal innerhalb einer Woche eine ganz andere Leistung zeigen." Ein Tapetenwechsel sei gut in so einer Phase.

Müller will Fans begeistern

"Die meisten von den Spielern haben schon einige Situationen gemeistert, die so ähnlich waren", sagte Julian Draxler von Paris Saint-Germain. "Deswegen mache ich mir um die Bayern-Spieler keine Gedanken. Vielleicht ist es auch ganz gut, dass sie jetzt hier sind und den Stress, den sie in Bayern haben, mal vergessen." Er betonte aber auch: "Wir brauchen natürlich die Bayern in Bestform." Profis wie Kroos oder Müller haben häufig genug bewiesen, dass sie schnell von Verein auf Auswahl umschalten können.

"Wir wollen zeigen, dass die Nationalmannschaft die deutschen Fans begeistern kann", sagte Müller. Der Offensivmann erinnerte an den Neustart im September mit einem 0:0 gegen Weltmeister Frankreich und einem 2:1-Sieg gegen Peru. Löw forderte: "Wir müssen schauen, dass wir da anknüpfen."

Natürlich seien sowohl die Niederländer als auch die Franzosen zwei Fußball-Nationen, die gegen Deutschland hochmotiviert seien. Da gehe es auch um das Prestige, unterstrich Löw. Und es geht darum, dass die Nationalmannschaft nach der WM-Blamage wieder in ruhigeres Fahrwasser kommt. Abstiegskampf in der Nations League würde dazu nicht passen.

Quelle: n-tv.de, vpe/dpa

Mehr zum Thema