Fußball

War's das für Coach Beierlorzer? Mainz lässt sich vom VfB brutal vorführen

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Fassungslos.

(Foto: imago images/Thomas Frey)

Beim FSV Mainz 05 sorgt erst ein Trainingsstreik der Spieler für Chaos, nun brennt es auch noch sportlich. Gegen Aufsteiger VfB Stuttgart gibt es eine krachende Niederlage, die die Zukunft des Trainers mehr als fraglich macht. Ein bisschen Krise gibt's auch in Mönchengladbach.

1. FSV Mainz 05 - VfB Stuttgart 1:4 (1:1)

Nach der Meuterei im Training kommt der FSV Mainz 05 auch in der Fußball-Bundesliga immer mehr vom Kurs ab. Drei Tage nach dem aufsehenerregenden Spielerstreik kassierte der Klub bei der verdienten 1:4 (1:1)-Klatsche gegen Aufsteiger VfB Stuttgart die schon zweite Niederlage. Den Mainzern stehen weitere unruhige Tage bevor, Trainer Achim Beierlorzer muss sogar um seinen Job bangen. "Die Gesamtlage in Mainz ist bedenklich, das wissen wir auch", hatte Sportvorstand Rouven Schröder schon vor dem Spiel bei Sky gesagt: "Es ist ganz wichtig, dass wir in die Analyse gehen, und dabei wird es auch um den Trainer gehen." Silas Wamangituka (45.), Daniel Didavi (61.), Mateo Klimowicz (80.) und Sasa Kalajdzic (86.) bescherten Stuttgart trotz der Gelb-Roten Karte gegen Pascal Stenzel in der Nachspielzeit (90.+1) den ersten Sieg nach der Rückkehr ins Oberhaus. Robin Quaison (13.) hatte Mainz in Führung gebracht.

Mainz 05 - VfB Stuttgart 1:4 (1:1)

Tore: 1:0 Quaison (13.), 1:1 Wamangituka (45.), 1:2 Didavi (61.), 1:3 Klimowicz (80.), 1:4 Kalajdzic (86.)
Mainz:
Zentner - Baku, St. Juste, Niakhate, Brosinski (82. Burkardt) - Barreiro (69. Öztunali), Latza - Onisiwo, Boetius (82. Alexander Hack), Quaison - Mateta (85. Nebel); Trainer: Beierlorzer.
Stuttgart: Kobel - Stenzel, Anton, Kempf - Endo - Wamangituka (83. Massimo), Mangala (87. Klement), Castro (74. Klimowicz), Sosa - Kalajdzic (87. Al Ghaddioui), Didavi (82. Coulibaly); Trainer: Matarazzo.
Schiedsrichter: Daniel Schlager (Hügelsheim)
Zuschauer: 3403
Gelb-Rote Karten: Niakhate wegen wiederholten Foulspiels (77.) - Stenzel wegen wiederholten Foulspiels (90.+1)

Wer in Mainz nach dem Klassenerhalt auf eine Aufbruchstimmung in der neuen Saison gehofft hatte, war in den vergangenen Tagen eines Besseren belehrt worden. Auf den Fehlstart mit dem 1:3 bei RB Leipzig folgte am Mittwoch der Eklat mit dem Trainingsstreik der Profis aus Unmut über die vorangegangene Aussortierung von Stürmer Adam Szalai. Doch damit nicht genug der Krisenherde am Rhein: Wie Klubboss Stefan Hofmann am Freitag bestätigte, beschäftigt auch die Diskussion um eine mögliche Rückzahlung des gekürzten Gehalts während der Coronakrise den Verein. Zudem berichtete die "Allgemeine Zeitung" schon von einem schwelenden Konflikt zwischen dem Team und Trainer Beierlorzer, was Schröders Aussage unterfütterte. Eine positive Nachricht gab es für die Rheinhessen zumindest von den Tribünen. Erstmals seit 202 Tagen waren wieder Zuschauer in der Opel Arena zugelassen. Die 3403 Fans sahen mutige Gäste, die den fahrigen Mainzern in der Anfangsphase sowohl spielerisch als auch kämpferisch klar überlegen waren.

Die 05er konnten sich kaum aus der eigenen Hälfte befreien - aber gleich die erste Chance der Platzherren verwandelte Quaison zur Führung. Zwar war der VfB auch nach dem Gegentreffer aus dem Nichts die spielbestimmende Mannschaft, gefährlicher blieb aber Mainz. Jean-Paul Boetius verpasste das 2:0 von der Strafraumkante nur knapp (25.). Stuttgart spielte sich immer wieder gefällig bis zum Sechzehner durch, machte aber zunächst zu wenig aus aussichtsreichen Gelegenheiten. Bestes Beispiel war Wamangituka, der aus guter Position deutlich verzog (36.). Kurz vor der Pause machte es der Kongolese jedoch besser und traf zum verdienten Ausgleich. Auch nach dem Seitenwechsel war der VfB die aktivere Mannschaft. Didavi musste nach Vorarbeit von Kalajdzic nur noch zum 2:1 einschieben. Nur vier Minuten später ergab sich Karim Onisiwo (65.) die Chance zum Ausgleich, sein Schuss aus kurzer Distanz kullerte aber knapp am Tor vorbei. Auch der eingewechselte Levin Öztunali vergab eine weitere vielversprechende Gelegenheit (74.), ehe aber Klimowicz und Kalajdzic alle Zweifel am VfB-Erfolg beseitigten.

Bayer Leverkusen - RB Leipzig 1:1 (1:1)

RB Leipzig hat beim viel erwarteten Debüt von Alexander Sörloth etwas glücklich einen Punkt gerettet. Das Team von Trainer Julian Nagelsmann mühte sich bei Bayer Leverkusen zu einem 1:1 (1:1) und verpasste einen perfekten Start in die Liga-Saison. Die Sachsen waren dabei über weite Strecken des Spiels die schwächere Mannschaft, Keeper Peter Gulacsi verhinderte die erste Saisonniederlage. Emil Forsberg (14.) hatte RB früh in Führung gebracht, doch Kerem Demirbay gelang nur kurze Zeit später der Ausgleich (20.). Die Werkself konnte in ihrem 1400. Bundesliga-Spiel wegen schlechter Chancenverwertung ihren Leipzig-Fluch nicht beenden, auch im fünften Heimspiel gelang gegen den Champions-League-Halbfinalisten kein Sieg. Mit nur zwei Punkten aus den ersten zwei Spielen laufen die Rheinländer der Musik im Rennen um die Königsklasse gleich etwas hinterher.

Bayer Leverkusen - RB Leipzig 1:1 (1:1)

Tore: 0:1 Forsberg (14.), 1:1 Demirbay (20.)
Leverkusen:
Hradecky - Lars Bender (90. Dragovic), Sven Bender (58. Tah), Tapsoba, Sinkgraven - Aranguiz - Wirtz, Demirbay (78. Amiri) - Bellarabi (78. Bailey), Schick, Diaby; Trainer: Bosz.
Leipzig: Gulacsi - Mukiele, Upamecano, Klostermann - Haidara, Adams, Kampl (46. Hwang), Angelino - Dani Olmo (86. Henrichs), Poulsen (27. Sörloth), Forsberg (66. Nkunku); Trainer: Nagelsmann.
Schiedsrichter: Harm Osmers (Hannover)
Zuschauer: 6042

Nagelsmann hatte die Partie zum ersten Schlüsselduell im Kampf um Europa ausgerufen und angekündigt, "wir wollen die drei Punkte Plus". Dabei verzichtete er vor 6042 Zuschauern in der ersten Elf noch auf seinen neuen Angreifer Sörloth. Auf der Gegenseite feierte der im Sommer aus Leipzig an den Rhein gewechselte Patrik Schick sein Startelfdebüt. Dessen Anwesenheit im Strafraum zwang Dayot Upamecano nach Hereingabe von Moussa Diaby gleich fast zu einem Eigentor (4.).

Es war der Startschuss einer temporeichen Begegnung. Beide Teams gingen intensiv in die Zweikämpfe und suchten zielstrebig den Weg nach vorne. Forsberg tanzte Lars Bender aus und vollendete mit einem strammen Schuss ins kurze Eck. Bayer zeigte sich nur wenig geschockt, Kerem Demirbay hatte nur sechs Minuten später mit einem perfekten Schlenzer aus 18 Meter die passende Antwort parat. Überraschend früh schlug dann schon die Stunde von Sörloth, er ersetzte nach 27 Minuten den verletzten Yussuf Poulsen. Allerdings hing der Norweger zunächst vollkommen in der Luft, weil die Rheinländer trotz der Abgänge der Topscorer Kai Havertz und Kevin Volland immer mehr das Kommando übernahmen. Leverkusen schnürte Leipzig nun am eigenen Strafraum ein, bei der besten Chance scheiterte Schick per Kopf an Peter Gulacsi (40.). Nagelsmann reagierte zur Pause mit einer Umstellung auf Viererkette und der Einwechslung von Neuzugang Hee-Chan Hwang. Doch es besserte sich in Abwesenheit des verletzten Kapitäns Marcel Sabitzer nur wenig, Leverkusen blieb das gefährlichere Team. Florian Wirtz traf nach perfektem Umschaltspiel jedoch nur den Pfosten (59.). In der Schlussphase gab sich keines der Teams mit einem Punkt zufrieden, beide spielte weiter mit Risiko nach vorne.

Borussia Mönchengladbach - 1. FC Union Berlin 1:1 (0:0)

Borussia Mönchengladbach kommt in der neuen Saison nicht in Schwung. Das Team von Marco Rose musste sich gegen Union Berlin trotz Führung mit einem müden 1:1 (0:0) begnügen und steckt mit nur einem Punkt weiter in der unteren Tabellenhälfte fest - sehr zum Umut der 10.383 zugelassenen Fans. Torjäger Marcus Thuram (56.) erzielte zwar mit Gladbachs erstem Saisontor die Führung, Union steckte aber nie auf und kam durch Nico Schlotterbeck (80.) zum ersten Punktgewinn der Saison. Besonders defensiv offenbarte die Borussia Schwächen und steht erstmals seit fünf Jahren nach zwei Spieltagen noch ohne Sieg da. Vor dem Derby beim 1. FC Köln am kommenden Wochenende wächst bereits der Druck.

Borussia Mönchengladbach - Union Berlin 1:1 (0:0)

Tore: 1:0 Thuram (56.), 1:1 Schlotterbeck (80.)
Mönchengladbach:
Sommer - Lainer, Ginter, Elvedi, Bensebaini - Kramer, Neuhaus (85. Herrmann) - Thuram (70. Wendt), Stindl, Hofmann - Plea (75. Wolf); Trainer: Rose.
Union: Luthe - Friedrich, Knoche, Schlotterbeck - Trimmel (73. Ryerson), Prömel (88. Griesbeck), Andrich, Lenz - Becker (57. Ingvartsen), Awoniyi (57. Kruse), Bülter (73. Teuchert); Trainer: Fischer.
Schiedsrichter: Tobias Stieler (Hamburg)
Zuschauer: 10.383

Erstmals seit Februar waren wieder mehr als 300 Zuschauer im Borussia-Park zugelassen, ganz ausverkauft war das Stadion indes nicht. "Einige Fans haben vielleicht noch Respekt", hatte Geschäftsführer Stephan Schippers im Vorfeld gesagt. Obwohl auch auf den Plätzen eine Maskenpflicht galt, war die Stimmung gut - auch ein paar "Eisern Union"-Sprechchöre waren zu hören. Die gute Atmosphäre lag auch an der Leistung der Borussia: Gladbach begann konzentriert, eine Woche nach dem deutlichen 0:3 bei Borussia Dortmund war die Fohlenelf um Spielkontrolle bemüht. Weil den Startelf-Rückkehrern Alassane Plea und vor allem Thuram aber die Spritzigkeit fehlte, blieben Chancen Mangelware. Das änderte sich in der 17. Minute, als Plea in seiner ersten guten Szene an Schlussmann Andreas Luthe scheiterte. Union versteckte sich indes nicht, hielt auch ohne Neuzugang Max Kruse in der Startelf dagegen und wurde beinahe belohnt: Nach einem sehenswerten Angriff traf Sheraldo Becker die Latte und verpasste auch im Nachsetzen knapp (31.).

Von Gladbachs anfänglichem Schwung war nun nicht mehr viel zu sehen, die Borussia tat sich gegen gut verteidigende Berliner schwer. Plea zwang Luthe per Kopf zwar zu einer weiteren Glanzparade (38.), insgesamt blieb es aber zäh. Den zweiten Durchgang eröffnete Borussia mit neuem Schwung - und der prompten Führung, als Thuram nach einer Ecke aus fünf Metern einköpfte. Mehr Ruhe ins Spiel der Rose-Elf brachte die Führung aber nicht. Union-Coach Urs Fischer brachte als direkte Antwort den Ex-Gladbacher Kruse. Das Spiel nahm nun deutlich an Intensität und Hektik zu. Bei den Berliner Vorstößen war indes Yann Sommer in seinem 200. Bundesliga-Spiel bis zu Schlotterbecks Treffer auf dem Posten. Der Schweizer Schlussmann knackte erst als 25. Gladbacher und als dritter Borussen-Torhüter nach Uwe Kamps (390) und Wolfgang Kleff (321) diese Marke.

Arminia Bielefeld - 1. FC Köln 1:0 (0:0)

Aufsteiger Arminia Bielefeld hat sein erstes Bundesliga-Heimspiel seit 4145 Tagen mit drei Punkten gekrönt. Gegen den 1. FC Köln gewann die Mannschaft von Trainer Uwe Neuhaus 1:0 (0:0) und feierte dank des eingewechselten Joan Simun Edmundsson (78.) seinen ersten Sieg im Oberhaus seit dem 14. März 2009 (1:0 beim Karlsruher SC). Köln wartet hingegen weiter auf seinen ersten Punkt der Saison. Besonders spielerisch gab das Team von Markus Gisdol, das zuvor in 21 Ligaspielen getroffen hatte, ein bedenkliches Bild ab. Der FC dürfte in dieser Form ein Abstiegskandidat sein - zumal der letzte Sieg der Rheinländer in der Liga schon über ein halbes Jahr zurückliegt.

Arminia Bielefeld - 1. FC Köln 1:0 (0:0)

Tor: 1:0 Edmundsson (78.)
Bielefeld:
Ortega - Brunner, Pieper, van der Hoorn, Lucoqui - Prietl - Doan (73. Schipplock), Hartel - Soukou, Klos, Cordova (68. Edmundsson);Trainer: Neuhaus.
Köln: Timo Horn - Ehizibue, Bornauw, Czichos, Jannes Horn - Skhiri, Hector (46. Drexler) - Rexhbecaj, Duda (75. Salih Özcan), Thielmann (62. Limnios) - Andersson (76. Arokodare); Trainer: Gisdol.
Schiedsrichter: Patrick Ittrich (Hamburg)
Zuschauer: 5460

Für den 60-jähriges Neuhaus war sein erstes Heimspiel als Erstliga-Chef "definitiv etwas Besonderes, alleine schon, weil wieder ein paar Zuschauer da sind". Neuhaus wurde nicht enttäuscht, die 5460 Besucher peitschten ihre Mannschaft bedingungslos nach vorn. Bei der Arminia wurde immer wieder Kapitän Fabian Klos mit hohen Zuspielen gesucht, der Zweitliga-Torschützenkönig der abgelaufenen Saison schuf wie schon in der Vorwoche beim 1:1 in Frankfurt viele Räume für seine Mitspieler, denen allerdings oft die Präzision fehlte. Köln blieb bei seinen Offensivbemühungen oft schon auf Höhe der Mittellinie hängen, die Gäste fanden kaum einmal eine spielerische Lösung gegen den bissigen und gut organisierten Aufsteiger, der durch den Fernschuss von Anderson Lucoqui (40.) seine beste Chance vor der Pause hatte.

Für die erste nennenswerte Gelegenheit des FC durch den aufgerückten Innenverteidiger Sebastiaan Bornauw brauchte es eine Ecke, da waren bereits 33 Minuten gespielt. In der Folge ging bei den Geißböcken ein wenig mehr: Rafael Czichos prüfte DSC-Schlussmann Stefan Ortega aus kurzer Distanz (42.). Kölns neuer Mittelstürmer Sebastian Andersson, dessen Einsatz nach einer Trainingsverletzung lange fraglich war, wurde erstmals in der Nachspielzeit der ersten Hälfte mit einem artistischen Abschluss auffällig. Nicht mehr dabei nach dem Seitenwechsel war Kölns Kapitän Jonas Hector, der Nationalspieler spielte nach einem Zweikampf Mitte der ersten Hälfte gehandicapt. Für den zentralen Mittelfeldspieler brachte Gisdol den deutlich offensiver ausgerichteten Dominick Drexler - für das erste Tor des Spiels sorgte aber ein anderer Joker.

Quelle: ntv.de, tno/dpa/sid