Fußball

Nübels Ziele beim FC Bayern Manuel Neuer weiß jetzt, was ihn erwartet

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(Foto: imago images/Sven Simon)

Vielleicht ist es für Schalkes Torwart Alexander Nübel ein glücklicher Zufall, dass er das letzte Spiel seiner Rot-Sperre absitzen muss, statt bei seinem neuen Arbeitgeber in München vorzuspielen. Denn Aussagen seines Beraters sind überraschend forsch.

Das womöglich unangenehmste Spiel seiner jungen Profi-Karriere muss Alexander Nübel gar nicht spielen. In München, wo der FC Bayern am Samstagabend den FC Schalke 04 zum Topspiel der Fußball-Bundesliga (ab 18.30 Uhr im Liveticker bei ntv.de) empfängt, hätte es kaum Menschen auf den Tribünen gegeben, die ihm freudig begegnen. Die Fans der Gäste, also die von Nübels Noch-Klub, haben ihren Torwart längst zur Unperson erklärt. Die Fans der Gastgeber, also die von Nübels Bald-Klub, fremdeln dagegen mit den so forschen Aussagen, die aus Nübels Umfeld derzeit zu hören sind. Sie greifen nämlich die längst wieder hergestellte Unantastbarkeit von Manuel Neuer an. "Mittelfristig", so wurde erst diese Woche via "11Freunde" verkündet, wolle Nübel, der die Schalker im Sommer ablösefrei verlässt, um nach München zu wechseln, Neuer verdrängen.

Heidel weist Vorwürfe zurück

  • Der frühere Schalker Sportvorstand Christian Heidel hat Aussagen von Alexander Nübels Berater Stefan Backs zurückgewiesen, er habe die Vertragsverlängerung verschlafen.
  • Stattdessen habe Heidel im vergangenen Winter einen vorzeitigen Wechsel zum FC Augsburg verhindert. "Nachdem ich dies abgelehnt hatte, vereinbarten wir, dass wir das erste Drittel der Rückrunde 2018/2019 abwarten, ob Alex - trotz Ralf Fährmann - den Sprung ins Tor schafft. Sollte dies gelingen, reden wir über Verlängerung, gelingt dies nicht, wollte Alex im Sommer gehen."
  • "Dass der Wechsel jetzt vom Berater irgendwie begründet werden muss, nachdem er öffentlich in die Kritik gekommen ist, ist verständlich", sagte Heidel mit Blick auf Nübels vieldiskutierten Transfer im Sommer zum FC Bayern.

Verdrängen, das ist kein sehr schönes Wort. Als Nachfolger aufbauen, das wäre irgendwie netter gewesen. Und auch verträglicher. Für alle Seiten. So steht da nun ein 23-Jähriger, der bislang lediglich 35 Mal Bundesliga und zweimal Champions League gespielt hat, und traut sich dennoch zu, den wahrscheinlich besten deutschen Torwart aller Zeiten - das sagt Nübels Berater Stefan Backs - abzulösen. Wenn auch nicht sofort. Wie der Plan zur neuen Nummer eins aussehen soll, das ist indes einigermaßen mysteriös. Gerüchte über eine Einsatzgarantie für 15 Saisonspiele halten sich hartnäckig, auch wenn das niemand bestätigen will. Nicht in München, nicht in Nübels Umfeld. Aus dem heißt es lediglich, dass die Bayern dem Torwart ein "schlüssiges Konzept" aufgezeigt hätten.

"Ich bin kein Statist"

Es muss ein Konzept sein, das Neuer so nie zu Gesicht bekommen hat. Denn im Winter-Trainingslager in Doha erklärte er in überraschender Deutlichkeit: "Ich bin kein Statist, sondern Protagonist und möchte immer spielen." Zum zweiten Mal binnen vier Monaten hatte der 33-Jährige ein klares und vehementes Statement gegen einen allzu forschen Herausforderer gesetzt. Seine unmissverständliche Deutungshoheit in beiden Fällen: Über meine Ablösung bestimme ich. Nur ich (und vielleicht noch der Trainer). Mitte September war so der Kampf um den Stammplatz im Tor der DFB-Elf kurzfristig eskaliert, nachdem Barcelonas Marc-André ter Stegen seine Unzufriedenheit über die Reservistenrolle öffentlich geäußert hatte. Neuer konterte die Ansage und durfte sich der Unterstützung bellender Bodyguards aus der Münchner Chefetage sicher sein.

Auch im Kampf um das Bayern-Tor steht das Heer der Neuer-Treuen. Zu ihnen gehört Trainer Hansi Flick. Vorerst nur bis zum Sommer verantwortlich, sagte er noch in Doha: "Manuel ist für mich der weltbeste Torwart." Neuer ist - anders als eben Flick - noch bis zum Ende der nächsten Saison an den FC Bayern gebunden. Enden soll die sehr erfolgreiche Zusammenarbeit dann allerdings nicht unbedingt. "Ich bin als ältester Spieler der Mannschaft sehr hungrig und motiviert", erklärte Neuer. Er wolle noch so lange im Tor stehen, "wie ich mich gut fühle, Leistung zeigen kann, mir Fußball spielen Spaß macht, ich gebraucht werde und das Gefühl habe, dass es wichtig ist, dass ich auf dem Platz stehe und das Team mich braucht."

Mindestens zwei Jahre dürfte das über das aktuelle Vertragsende noch hinausgehen, so sieht das der 33-Jährige. Und seit Längerem wird darüber verhandelt, dass es eben zwei weitere beim FC Bayern sein sollen. Für Nübel, der in München direkt mal für fünf Jahre unterschrieben hat, hieße das im besten Fall: drei Jahre intensiver Zweikampf. Im schlechtesten Fall hieße es: drei Jahre Dauerreservist (mit Einsätzen?) hinter Neuer. Der ließ bereits wissen, er wäre diesen Weg an Nübels Stelle nicht gegangen.

"Muss ich mich durchsetzen wollen"

Den Zweikampf scheut das Talent aber offenbar nicht. Zumindest sollte er das nicht. So sagt sein Berater nun: "Wenn ich zu den Bayern wechsle, muss ich mich da durchsetzen wollen. Wenn ich also ein großer Torhüter werden will und dann nicht einen 35- oder 36-jährigen Torwart attackiere, dann habe ich es auch nicht verdient." So könne Nübel im Training und, Obacht (!), auch in den Einsätzen viel lernen.

Einsätze - da ist es wieder das ungeklärte Reizwort. Wer hat sie versprochen? Wie sind sie abgesprochen? Sind sie überhaupt abgesprochen? Die Situation ist reichlich bizarr. Denn auch Oliver Kahn war bei seiner Vorstellung als Vorstands-Lernender beim FC Bayern davon ausgegangen, dass der ehemalige U21-Keeper "sich hinten anstelle und von Manuel Neuer lernen" wolle.

Ähnlich wie in München sorgt das national rauf und runter diskutierte Nübel-Thema aber natürlich auch bei den wenig verständnisvollen Schalkern noch für heftiges Pulsieren. Ein letztes Mal stellt sich vor dem Topspiel nicht die Frage nach der Nummer eins. Denn der 23-Jährige ist nach seinem brutalen Tritt gegen den Frankfurter Verteidiger David Abraham am 15. Spieltag noch gesperrt. Aber wie geht's dann weiter? Bekommt Nübel seinen Stammplatz trotz der Fan-Wut zurück? Oder setzen die Schalker weiter auf den 21-jährigen Markus Schubert? Trainer David Wagner will das nervtötende Thema am liebsten umschiffen: "Irgendwann finde ich es langweilig. Alex genießt unsere volle Unterstützung. Er wird auch alles geben, damit wir weiter erfolgreich sind." Die Entscheidung für oder gegen Nübel oder gegen oder für Schubert soll allein sportlich begründet sein. Sie fällt in München. Jetzt. Und auch im Sommer?

 

Apropos Bundesliga und der FC Bayern: Was plant Hasan Salihamidzic? Plant der Sportdirektor des FC Bayern überhaupt irgendetwas? Und ob er das tut. Er verfolgt einen Plan über den Moment hinaus und leiht sich die Fußballprofis, die der Bundesligist aktuell braucht, eben aus. Das ist nicht ohne Risiko, aber strategisch klug. Die fundierte Analyse des Kollegen Justin Kraft lesen Sie hier!

Quelle: ntv.de