Fußball

Klare Ansage an ter Stegen Warum reagiert Manuel Neuer so vehement?

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Manuel Neuer hat sehr klar gemacht, was er vom Ärger seines Konkurrenten hält.

(Foto: imago images / Eibner)

Beim FC Bayern ist Manuel Neuer unumstrittene Nummer eins. Das war so. Das ist so. Und das bleibt so. Den Status hält er auch in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Wieder. Seinen Herausforderer nervt das. Und auf dessen Unmut reagiert Neuer nun ungewöhnlich scharf.

Marcel Sabitzer hatte es versucht. Mit einem äußerst kuriosen Schuss wollte er Manuel Neuer an diesem Samstagabend bezwingen. Aus vom TV-Experten Lothar Matthäus vermessenen 27 Metern hatte Leipzigs Österreicher im Topspiel zwischen RB und dem FC Bayern (1:1) abgezogen. Der Ball flatterte und flatterte. Wo genau er einschlagen könnte? Prognose unmöglich. Auch für Neuer. Der lief auf seiner Torlinie nach links, nach rechts, um dann plötzlich abzustoppen, seinen Körper etwas zu verdrehen und den linken Arm in die Höhe zu reißen. Mit dieser spektakulären Parade verhinderte er nicht nur einen Rückstand seines Teams, er lieferte dem im Zentralstadion sitzenden Bundestrainer Joachim Löw auch den Live-Nachweis, dass er völlig zurecht die Nummer eins ist. Beim FC Bayern sowieso. Aber eben auch in der Nationalelf.

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Wer ist der beste deutsche Torwart?

Nicht jeder sieht das so. Vor allem nicht Marc-André ter Stegen. Der ist Torwart beim FC Barcelona. Ein sehr guter sogar. Und wenn es Manuel Neuer nicht geben würde, dann wäre er der beste Deutsche. Aber Neuer gibt es halt. Und nach einigen Verletzungen, nach ein paar Spielen mit ungewöhnlichen Fehlern und ungewohnt seltenen Titanen-Momenten in der vergangenen Saison, ist er er nicht erst seit dem Pokalfinale Ende Mai wohl wieder so stark, wie er einmal war. Als er beispielweise mit dem FC Bayern Champions-League-Sieger wurde, im Jahr 2013. Oder ein Jahr später, als er Deutschland mit Paraden und phänomenalen Libero-Ausflügen zum Weltmeister machte. Natürlich hatten auch Fußballer wie Bastian Schweinsteiger, Mats Hummels, Jerome Boateng oder Thomas Müller sehr großen Anteil an diesem sehr großen Erfolg.

Ein offenes Duell - oder doch nicht?

Diese beiden Erfolge liegen nun schon einige Jahre zurück. Schweinsteiger, Hummels, Boateng und Müller sind nicht mehr da. Zumindest nicht im DFB-Team. Neuer aber schon. Sein unantastbarer Status aber bröckelte, erst recht nach Löws erzwungener Umbruch-Notwendigkeit nach WM-Debakel und Nations-League-Frust. Alles wurde unters Analysemikroskop gelegt, auch die Torhüterposition. Das Ergebnis der Untersuchung: Ab sofort gebe es "logischerweise" ein offenes Duell. Logisch weil Marc-Andre ter Stegen beim FC Barcelona überragende Leistungen im Akkord abrief. "Marc", so sagte Löw, "wird auf jeden Fall auch ein paar Spiele bekommen." Und was ist seitdem passiert? Ter Stegen durfte in diesem Jahr eine Halbzeit im Test im März gegen Serbien (1:1) auflaufen. In den wichtigen EM-Qualifikationsspielen aber setzte der Bundestrainer immer auf Neuer. So auch zuletzt gegen die Niederlande und Nordirland.

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Daher bekannte ter Stegen Ende der Woche bei einem öffentlichen Termin sehr deutlich: "Es ist nicht einfach, eine Erklärung für das zu finden, was ich erlebe. Ich gebe in jedem Spiel mein Bestes, um die Entscheidung zu erschweren. Ich versuche trotzdem alles, aber diese Reise mit der Nationalmannschaft war ein harter Schlag für mich." Es sind Aussagen mit gewaltigem Konfliktpotenzial. Und das entfachte seine wuchtige Kraft nun erstmals unmittelbar nach dem Topspiel des 4. Spieltags der Bundesliga. Überraschend vehement erklärte Neuer in den Katakomben Leipziger Arena: "Ich weiß nicht, ob das förderlich ist und uns das hilft. Ich bin ein Mannschaftsspieler. Auch wir Torhüter müssen zusammenhalten."

"Das Wichtigste ist das Wohl der Mannschaft"

Er habe zwar "volles Verständnis" für jeden, der unbedingt spielen wolle im Nationalteam. Aber "das Wichtigste ist immer der Erfolg und das Wohl der Mannschaft. Und so soll es sein." Und dann sorgte Neuer - absichtlich oder nicht - für eine klare Hierarchie. Hinter sich. Auch andere Torhüter wie Bernd Leno oder Kevin Trapp, die gern für Deutschland spielen würden, "bringen super Leistungen", sagte der Kapitän. Leno spielt beim FC Arsenal, Trapp für Eintracht Frankfurt. Sehr gute Klubs sind das. Aber eben nicht die europäische Elite. Bei der aber spielt ter Stegen. Und wo der sich einzuordnen habe, das sagte Neuer zwar nicht. Aber das war auch ungesagt unmissverständlich. Immerhin sagte er: "Mir ist natürlich klar, dass ter Stegen ein Super-Torwart ist und dass er auch spielen möchte. Und dass er immer Leistung gezeigt hat, habe ich auch immer gesagt." Aber: "Ich zeige halt auch sehr gute Leistungen." Nur damit das klar ist. Aber warum diese Vehemenz? Um für Ruhe zu sorgen? Aus Umbruchängsten? Neuer jedenfalls will im kommenden Jahr gerne Europameister werden. Auf dem Feld, nicht auf der Bank. Aber er weiß auch: Auf keiner Position in der DFB-Elf ist die qualitative Dichte so hoch wie im Tor.

Die nächste Spiele der DFB-Elf

  • Testspiel am 9. Oktober: Deutschland - Argentinien (in Dortmund)
  • EM-Qualifikation am 13. Oktober: Estland - Deutschland (in Tallin)
  • EM-Qualifikation am 16. November: Deutschland - Weißrussland (in Mönchengladbach)
  • EM-Qualifikation am 19. November: Deutschland - Nordirland (in Frankfurt)

Die Differenzen zwischen dem 33 Jahre alten Neuer und seinem etwa sechs Jahre jüngeren Herausforderer schwelen seit der Zeit vor der verkorksten Weltmeisterschaft 2018. Damals war der Münchner nach langer Verletzungspause zurück zur Nationalmannschaft gekommen und hatte von Löw sofort seinen Startplatz zurückerhalten. "Ich bin immer mit offenem Visier vorangegangen", erklärte Neuer. Er habe auch bei der WM mit ter Stegen geredet und ihm gesagt, "dass ich keine Garantie habe". Zuletzt hatte der Bayern-Keeper aber auch gesagt: "Ich habe das Gefühl, dass ich extrem gebraucht werde hier bei der Nationalmannschaft. Und das sich alle freuen, dass ich da bin." Tatsächlich hatte auch Löw nach den letzten beiden Quali-Spielen gesagt, dass die verbliebenen Weltmeister Toni Kroos und Neuer wichtige Stützen für das junge, neue Team seien. Matthias Ginter, ebenfalls Weltmeister und ebenfalls noch dabei, nannte er in diesem Zusammenhang nicht. Er ist aber auch noch deutlich jünger. Und (noch) nicht weltklasse.

Wie beim Sommermärchen - nur ganz anders

Und dann bemühte Neuer an diesem Samstagabend noch einen Vergleich zur Beruhigung der Gemüter. Er erinnerte an das gefeierte Sommermärchen. "Wir in Deutschland haben ja auch damals immer über die Situation geredet, wie es 2006 der Fall war, als Jens Lehmann gespielt hat. Und wie stolz man auf Oliver Kahn gewesen ist, wie er sich gezeigt hat beim Argentinien-Spiel. Es ist eben immens wichtig, dass die Mannschaft immer gut dasteht. Mehr will ich dazu auch nicht sagen."

Nun ist es aber so: Damals vor der WM war Kahn der Neuer. Und Lehmann der ter Stegen.

Quelle: n-tv.de

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