Fußball

Titel für Arsenal nach Murks-Saison Mertesacker staunt - Wenger gönnt sich einen

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Mesut Özil und Per Mertesacker haben wieder einen Pott geholt.

(Foto: dpa)

Für den FC Arsenal - und damit für die deutschen Spieler Per Mertesacker und Mesut Özil - läuft die Saison nicht gerade optimal. Doch am Ende gibt es dann doch noch Grund zum Jubeln - auch dank der deutschen Legionäre.

Wie wild geworden rennt Per Mertesacker über den Platz, die Arme zum Jubel in die Luft geworfen, aus seinem Gesicht sprechen Freude und Erstaunen. Ich? Wirklich? Ja, wirklich: Mertesacker hat ein Tor gemacht im Finale des FA-Cups im Londoner Wembley-Stadion. Mit der Schulter hat der Kapitän in der 62. Minute zum 3:0 für den FC Arsenal gegen Aston Villa getroffen und die letzten Zweifel an der gelungenen Titelverteidigung seines Teams zerstreut. "Es war ein entscheidender Moment. Da war klar: Wir gewinnen das", sagt Mertesacker später. Weil in der Nachspielzeit noch Olivier Giroud trifft, endete die Partie sogar mit einem standesgemäßen Ergebnis. 4:0 gewinnt Arsenal gegen den dramatisch überforderten Viertletzten der gerade zu Ende gegangenen Premier-League-Saison.

Mit dem zweiten Pokalsieg nacheinander und dem insgesamt zwölften Triumph im FA-Cup krönen sich die Londonern zum alleinigen Rekordsieger des traditionsreichen Wettbewerbs, Manchester United liegt als elfmaliger Gewinner nur noch an zweite Stelle. So endet eine durchwachsene Saison positiv für Arsenal. In der Liga war die Meisterschaft früh außer Reichweite nach einem missratenen Start in die Saison, in der Champions League scheiterte das Team im Achtelfinale am AS Monaco. Wieder einmal brachten sich die Kritiker von Trainer Arséne Wenger in Stellung, jene Fraktion, die der Meinung ist, das Wengers Zeit beim FC Arsenal nach 19 Jahren abgelaufenen sei.

Wenger warnt vor zu hohen Erwartungen

Doch mit einer starken Rückrunde schafften es die Londoner in der Liga noch auf den dritten Platz. Nach dem Festakt im Wembley-Stadion kann Wenger auf zwei Titel in zwei Jahren verweisen. Es gibt schlechtere Bilanzen. Entsprechend ist er in der Stunde des Sieges zum Scherzen aufgelegt. Welche Spieler er denn zur neuen Saison zu kaufen gedenke, wurde Wenger gefragt. "Kaufen? Erstmal kaufe ich heute Abend ein paar Drinks", sagt der Trainer.

Wenger muss keine Sekunde um den Titel zittern. Zu überlegen war sein Team von der ersten Sekunde gegen einen Gegner, für den schon der Einzug ins Endspiel ein Erfolg vom Range eines Meistertitels war. Es ist erstaunlich angesichts der eklatanten Überlegenheit, dass es bis zur 40. Minute dauert, ehe der Anhang des FC Arsenal den ersten Treffer bejubeln darf. Theo Walcott bringt sein Team auf Kurs, kurz nach der Pause erhöht Alexis Sanchez auf 2:0. "Wir haben unsere Tore zum richtigen Zeitpunkt gemacht", sagt Wenger später. Die Treffer von Mertesacker und Giroud veredeln den Erfolg. Der FC Arsenal kann zuversichtlich in die Zukunft schauen, aber Wenger warnt direkt vor zu hohen Erwartungen für die kommende Saison. In England könnten eben immer sechs verschiedene Mannschaften Meister werden, damit müsse man leben. In der abgelaufenen Spielzeit lag Meister Chelsea am Ende zwölf Punkte vor dem Stadtrivalen. Arsenals Rückstand auf Vizemeister Manchester City betrug vier Punkte.

Özil: "Ich habe den Fußball vermisst"

Dennoch ist die Mannschaft gereift aus Mertesackers Sicht, das habe die erfolgreiche Titelverteidigung im Pokal gezeigt. "Wir sind immer drangeblieben, haben uns nicht aus der Bahn werfen lassen", sagt Arsenals Kapitän. Nicht aus der Bahn werfen lassen von den Misserfolgen im Laufe der Saison und der öffentlichen Kritik. Entsprechend ausgelassen gestaltet sich die Jubelfeier vor der Fankurve. Auf der Tribüne der Arsenal-Fans wird noch gesungen und getanzt, als sich der Rest des Stadions schon geleert hat.

Zu den Gewinnern des Spiels gehört auch Mesut Özil. Wie sein Klub hatte er eine komplizierte Saison, Ende des vergangenen Jahres war er über zwei Monate verletzt gewesen. Gegen Aston Villa trägt er mit einer starken Leistung zum Erfolg bei, auch wenn ihm selbst kein Tor gelingt. "Ich war schon traurig, so lange verletzt zu sein. Ich habe gemerkt, dass ich den Fußball vermisse", sagt Özil. Für 50 Millionen war er im September 2013 von Real Madrid nach London gewechselt, der Transfer war von der Fachwelt als Abstieg gewertet worden. Auch bei Arsenal überzeugt Özil nicht immer. Wenn die Mannschaft schwach spielt, was oft genug der Fall war in dieser Saison, vermag er es nicht, seine Inspirationskraft zu entfalten. 

Doch der Blick auf die nackten Zahlen stimmt Özil glücklich. "In zwei Jahren habe ich hier zwei Titel gewonnen, ich bin sehr glücklich", sagt er – und klingt dabei, als würde er gerade die Wettervorhersage verlesen. Das liegt an Özil selbst, der nicht zu überschwänglichen Gefühlen neigt, aber auch daran, dass alles andere als ein Sieg gegen Aston Villa ein Debakel gewesen wäre für Arsenal. Messen lassen muss sich die Mannschaften an den Ergebnissen in der Liga und in der Champions League.  

Quelle: n-tv.de

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