Fußball

Rapper Celo & Abdi im Interview "Mourinho, komm' doch zur Eintracht, Bruder!"

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Celo (links) und Abdi präsentierten das Heimtrikot von Eintracht Frankfurt zur Saison 2018/19 live auf der Bühne, jetzt freuen sie sich auf die Champions League.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Das aus Frankfurt stammenden Rapper-Duo Celo und Abdi brennt für die Eintracht. Im Interview mit ntv.de wollen die Musiker trotz der Abgänge von Adi Hütter und Fredi Bobic nichts von Zerfall wissen und planen schon eine Auswärtsfahrt zu PSG nach Paris. Außerdem verraten Celo und Abdi, welche Rolle Apfelwein bei Rangnicks Scheitern spielte und erklären, warum der Ball mit der Super League nicht mehr rund wäre.

Ntv.de: Eintracht Frankfurt steht nach einer starken Saison vor der erstmaligen Qualifikation zur Champions League. Was geht in einem fanatischen Frankfurt-Anhänger da vor?

Celo: Ich fühle mich wieder wie ein Kind. Dieses Feeling gab es zuletzt in der Zeit mit Okocha, Yeboah und Gaudino im gelben Tetra-Pack-Trikot. Das waren unsere Helden damals.

Abdi: Feelings, Bro. Damals waren wir noch elitär. Und jetzt wieder.

Celo: Das war unsere Jugendzeit. Das waren damals überragende Saisons. Danach ging es aber richtig bergab. Jetzt sind wir wieder genauso stolz darauf, was die Mannschaft in der Bundesliga aber auch in Europa erreicht hat.

Vor fünf Jahren fast abgestiegen, in der Relegation gerade noch so gerettet, dann ein fast kometenhafter Aufstieg, der Pokalsieg 2018 mit Niko Kovac, anschließend das Europa-League-Halbfinale: Ihr habt viel durchgemacht mit dem Team in den vergangenen Jahren.

Celo: Als Eintracht-Fan darf man sich nie zu früh freuen, auch jetzt bei der Champions League.

Abdi: Das hat man bei uns in den Knochen.

Celo: Man muss immer bis zum letzten Spieltag mitfiebern, egal, ob es um den Nicht-Abstieg, Aufstieg, das europäische Geschäft oder was auch immer geht.

Abdi: Salat. Das ist der reinste Salat bei uns.

Trotz der bevorstehenden Quali für die Königsklasse rumort es heftig bei der Eintracht: Sportvorstand Fredi Bobic weg, Sportdirektor Bruno Hübner weg, Trainer Adi Hütter weg. Habt ihr Angst, dass jetzt kurz vor dem großen Erfolg alles auseinanderbricht?

Abdi: Warum? Celo und Abdi sind doch da! Angst ist kein Begriff, den ein Eintracht-Fan in den Mund nimmt.

Celo: Und außerdem haben wir immer noch Peter Fischer, unseren Präsidenten. Deshalb brauchen wir keine Angst zu haben. Schöne Grüße an Peter Fischer. Wenn du ihn an Bord hast, kann nichts schiefgehen, da würde nicht mal die Titanic untergehen.

Abdi: (singt) Keine Panik auf der Titanic.

Wie war eure erste Reaktion, als klar wurde, dass sich die Macher dieses Erfolgs schon vor dem Höhepunkt vom Acker machen?

Celo: Ich war schon ein bisschen enttäuscht. Bei Bobic dachte man sich, dass man einen Sportvorstand finden kann. Aber das mit Hütter war schon hart. Ich dachte mir: 'Wo ist da die Logik? Er baut einen Traditionsverein neu auf und qualifiziert sich wahrscheinlich für die Champions League.' Aber dann sagt er: 'Nee, ich gehe zu einem Verein, der im nächstens Jahr höchstens in der Europa League spielt.' Und Bobic steht mit Hertha BSC vielleicht sogar in der zweiten Liga.

In Frankfurt wird einem der Traditionsklub Eintracht in die Wiege gelegt: Werden für die Fans nun durch die Abgänge traditionelle Werte wie Vertrauen, Loyalität oder Ehrlichkeit infrage gestellt?

Celo: Ab einer bestimmten Euro-Zahl zählen diese Werte nicht mehr. Das ist in jedem Business so. Es geht darum, wer die höchsten Gebote macht. So ist das System aufgebaut. Viele Vereine sind Firmen, GmbHs und AGs geworden, da herrscht die Geld-Maschinerie. Ich finde es auch nicht schön, aber das ist nun mal die Regel.

Abdi: Das ist wie der Mundschutz. Den muss auch jeder tragen.

Hütter sprach ja lange ein Treuebekenntnis in Richtung der Eintracht aus, das ihm dann im Anschluss Leid tat…

Celo: Das ist einfach nur Business. Hütter hat für uns Resultate erzielt und die kann man ihm nicht streitig machen. Diese Fußball-Romantik und Tagträumerei, das ist alles schön und gut. Aber am Ende des Tages zählen die Euros. Damit muss man sich abfinden. Das sieht man auch bei den Plänen zu Super League, über die sich ja zum Glück die ganze Welt aufgeregt hat. Real Madrids ignoranter Präsident Florentino Pérez wollte sogar die Spieldauer verkürzen. Das geht doch nicht, dann würde die deutsche Floskel, dass ein Spiel 90 Minuten hat, ja nicht mehr gelten.

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Abdi präsentiert stolz den DFB-Pokal bei der Trikot-Vorstellung.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Abdi: Dann wäre der Ball auch nicht mehr rund.

Celo: Frankfurt hat jetzt diesen Schritt in die oberen Ligen gemacht. Da geht es hin und her, auf gut Deutsch gesagt: abgewichst. Damit muss sich Frankfurt auch abfinden in der Zukunft.

Dass Spieler vor dem Ablauf ihrer Verträge für teure Summen verkauft werden, ist mittlerweile normal - aber dass Trainer und Sportvorstände aus ihren Arbeitspapieren rausgekauft werden und Klauseln haben, ist relativ neu.

Celo: Da brauchst heute eben nicht nur die besten Spieler und die Spieler, die Trikots am besten verkaufen, sondern auch die besten Trainer. Man muss es aber auch so sehen: Frankfurt erhält jetzt eine Summe von siebeneinhalb Millionen Euro für Hütter. Selbst für unseren Kindheitshelden Yeboah haben wir nicht so viel bekommen. Und ein Caio war sogar teurer. (lacht) Siebeneinhalb Millionen Euro, das schmeckt auch. Davon kannst du Spieler holen und Turnhallen bauen.

Das Macht-Vakuum kommt kurz vor Saisonende zur Unzeit, es muss schnellstmöglich neues Personal her und eigentlich muss ja ein Manager, der ja aber noch nicht da ist, den neuen Trainer suchen. Wie geht es da weiter?

Celo: Ralf Rangnick war ja im Gespräch, aber der wäre nicht der Richtige gewesen.

Warum?

Celo: Der trinkt nicht gerne Äppler, habe ich gehört. Er ist eher der Typ, der einen unterklassigen Verein mit vielen Millionen hochbringt. Er soll ja auch Forderungen gestellt haben, mehr Aktienanteile verkaufen zu können, um mehr Budget zu haben. Das braucht die Eintracht nicht. Bei uns lief es ja auch so, wir haben junge Spieler wie Jovic, Rebic und André Silva zu Stars gemacht.

Abdi: Das ist bei uns wie beim Bundesliga-Manager-Spiel.

Celo: Genau. So wie, wenn Rangnick mit Holstein Kiel und Scheich-Millionen die Champions League gewinnen würde.

Abdi: Aber José Mourinho, der wäre zum Beispiel was für uns.

Celo: Der hat auch Flair. Der würde auch dafür sorgen, dass André Silva bleibt.

Müssen der neue Trainer und der Sportvorstand vor allem auch von den Werten zu Frankfurt passen?

Abdi: Ja, schauen wir uns doch Mourinho und seine Werte an. Der Typ hat Klasse. Auch wenn er verliert, nimmt er das mit Klasse.

Celo: Na ja, er flucht auch ganz schön auf dem Platz.

Abdi: Ja genau, aber das mögen wir Frankfurter auch.

Celo: Vom Temperament her wäre Mourinho super. Auch, wenn er diesbezüglich etwas ganz anderes als Adi Hütter wäre, der ja ein ganz Ruhiger ist. Man braucht auch jemanden mit Connections und Erfahrung, die hätte er.

Abdi: José Mourinho, come to Eintracht Frankfurt, my brother. José Mourinho, komm' doch zur Eintracht, Bruder!

Celo: Der trinkt auch bestimmt Äppler, weil er Wein mag. Es gibt hier in Frankfurt auch genug brasilianisch- und portugiesisch-stämmige Menschen, die übersetzen können. Mourinho würde der Bundesliga einfach guttun.

Sollte es klappen mit der Qualifikation: Welche Champions-League-Gruppe wünscht ihr euch?

Celo: Mit italienischen Mannschaften haben wir immer gute Erfahrungen gemacht. Lazio Rom oder AC Mailand wären super.

Abdi: PSG wäre auch krass.

Celo: Oh, hoffentlich kriegen wir nicht PSG. Das wäre hart! Wenn dann später, bitte. Man muss ja erstmal die Gruppenphase überstehen. Dann lieber Leagia Warschau noch, damit wir noch Chancen haben.

Abdi, du warst früher auch in der Ultra-Szene unterwegs: Würdet ihr mit auf Champions-League-Auswärtsfahrt fahren?

Abdi: Auf jeden Fall! Dann würde ich meiner Frau noch etwas von Louis Vuitton mitbringen.

Celo: Aber Paris ist teuer. Da musst du von zu Hause die eigenen Schnittchen mitbringen. (lacht)

Abdi: (lacht) Genau, schön in Alufolie gewickelt und mit Aldi-Trinkpäckchen. Aber selbst mit 34 Jahren würde ich jetzt sofort sagen: 'Ob mit Regionalbahn oder Doppeldecker-Bus, ich bin am Start.' Hauptsache, sich die Seele aus dem Leib schreien.

Die Eintracht-Ultras gelten als stimmgewaltig und sehr eingefleischt.

Abdi: Das war ein sehr spezielles und schönes Kapitel meines Lebens. Der Zusammenschluss, das gemeinsam eingeschweißt sein, spielt da eine große Rolle. Ich war zu meiner aktiven Ultra-Zeit teilweise verletzt, hatte ein Gipsbein und bin damit auf dem Zaun rumgehüpft. Da wurde ich für meinen Leichtsinn schnell brüderlich in die Schranken gewiesen. Da sind ja immer wieder skurrile Unfälle passiert: abgerissene Finger mit Ringen dran, Stürze in den Graben und so weiter. Ich bin immer noch ständig mit den Leuten in Kontakt.

Wie geht es den Leuten, für die der Stadionbesuch ihr Leben war, jetzt während der Geisterspiele?

Celo & Abdi

lernten sich 2008 kennen und begannen bald, gemeinsam Musik zu machen. Ihr erstes Mix­tape Miet­wa­gen­tape wurde vom Rap-Magazin "Juice" zum Tape des Jahres gekürt. 2012 landete das erste Album Hinterhofjargon auf Platz acht der deutschen Charts. Seit ihrer Kind­heit sind die Rapper Fans der Ein­tracht. Im Januar erschien ihr aktu­elles Album Miet­wa­gen­tape 2.

Abdi: Es gibt welche, die versuchen, das Ganze so gut wie möglich am Leben zu halten. Andere sind jetzt in der Politik unterwegs und versuchen, dort etwas mit ihrer Stimme zu verändern.

Celo: Beim Augsburg-Spiel am Dienstag waren ja viele Fans vor dem Stadion, die man richtig gehört hat und die Feuerwerkskörper geknallt haben.

Abdi: Die Ultras versuchen einfach, so nah wie möglich an der Mannschaft zu sein und zu zeigen: 'Wir sind da!' Man hört sie auch in den Straßen immer vor dem Anpfiff.

Celo: Die Kurve lebt in den Straßen. Aus jedem Wohnzimmer und Kinderzimmer hörst du das Geschrei.

Abdi: Kein Block, aber Hochhaus.

Zum Abschluss: In eurer Musik finden sich immer wieder Wortspiele und Reime mit Fußballern. Welche Rap-Line würde denn zu dieser Eintracht-Saison passen?

Abdi: 'Champions League, Gruppensieger? Wir werden sehen, ja. / Schöne Grüße, Hackentor von Benzema.' Oder die hier geht auch: 'Karim Benzema wär' bei Frankfurt ein gerngesehener Star.' Mit José Mourinho natürlich. (lacht)

Mit Celo und Abdi sprach David Bedürftig

Quelle: ntv.de

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