Fußball

Bayern feiert Aus gegen Barça Müssten sie sich nicht schämen?

58276147.jpg

Triple? Die Bayern sind wieder Single - aber gefeiert wird trotzdem irgendwie.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das Finale der Champions League findet ohne sie statt. Dennoch präsentieren sich die Bayern keineswegs geknickt. Was ist los? Ist das die neue Bescheidenheit des Mia-san-mia-Klubs? Nur Thomas Müller ist wieder unzufrieden.

Nach dem Sieg, der doch eine Niederlage war, kam das Mantra. Die Fans auf der Südtribüne fingen damit an. Feiern statt trauern, die Erste: "Deutscher Fußballmeister – FCB", sangen sie durchaus gut gelaunt. Dabei hatten die Münchner zwar den FC Barcelona vor 70.000 Zuschauern in ihrem ausverkauften Stadion mit 3:2 (1:2) besiegt, das Endspiel der Champions League aber verpasst, weil sie das Hinspiel mit 0:3 verloren hatten. Egal. Die Spieler absolvierten nach der Partie dennoch eine Ehrenrunde.

Wenige Minuten später stellte sich Philipp Lahm vor die Kameras und sprach. Feiern statt trauern, die Zweite. Da konnte der spanische Journalist noch so verdutzt auf den Bildschirm in der Mixed Zone schauen und um eine Übersetzung bitten. "Hat er gut gesagt?" Der Kapitän des FC Bayern hatte im Interview mit dem Bezahlsender Sky tatsächlich das gesagt, was er in den vergangenen Tagen stets gesagt hatte: "Wir sind Meister. Es war eine gute Saison."

Und als hätten sie sich in der Kabine abgesprochen, sagte auch Trainer Josep Guardiola etwas später auf der Pressekonferenz das, was er immer sagt: "Glückwunsch an meine Spieler. Ich bin sehr stolz auf sie." Feiern statt trauern, die Dritte. Was ist nur los mit den Mia-san-mia-Alphatieren, die doch immer alles gewinnen wollen? Und hatte nicht Guardiola vorher gesagt: "Ich gebe nie auf. Wir sind Bayern!"?

Manchmal gewinnt die bessere Mannschaft

58272351.jpg

Der FC Barcelona steht verdient im CL-Finale.

(Foto: picture alliance / dpa)

Eben drum, könnte die Antwort lauten. Sie haben ja nicht aufgegeben - auch wenn es am Ende nicht gereicht hat und es nur acht Minuten, zwischen dem Führungstor von Medhi Benatia (7.) und dem Ausgleich von Neymar (15.), so schien, als könnte das eine magische Nacht für den FC Bayern werden. Doch allerspätestens, als der Brasilianer nach einer knappen halben Stunde seinen zweiten Treffer erzielte, war klar, dass das ersehnte Wunder ausbleibt. Der Ausgleich von Robert Lewandowski (59.) und der Siegtreffer von Thomas Müller (74.) in einer Partie, die nach der Pause nur noch bedingt Wettkampfcharakter hatte, sorgten nur noch dafür, dass die Münchner mit Recht behaupten können, mit Anstand aus diesem Wettbewerb ausgeschieden zu sein - den sie eigentlich gewinnen wollten.

So aber stehen die Katalanen mit ihrem Trainer Luis Enrique im Finale der europäischen Königsklasse. Ob sie dann am 6. Juni im Berliner Olympiastadion auf Real Madrid oder Juventus Turin treffen, entscheidet sich heute im zweiten Halbfinale (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de).

Und die Bayern? Sie erkannten, dass im Fußball bisweilen die bessere Mannschaft gewinnt. Die Mannschaft, die mehr Tore schießt und besser in der Defensive agiert; die Mannschaft also, bei der die Balance stimmt. Und das war in beiden Spielen nicht die aus München. Oder wie es der wieder zweimal geschlagene Torhüter Manuel Neuer formulierte: "Wir haben zu viele Tore zugelassen. Da kannst du nicht ins Finale einziehen. Wir sind bei den beiden Gegentoren mit 1:2 in Unterzahl. Da haben die leichtes Spiel." Wohl war. Zumal Barça mit den Superstars Lionel Messi, Luis Suárez und Neymar ein Ensemble stellt, das sich bei solchen Gelegenheiten nicht lange bitten lässt.

Bei so viel Klasse hilft es wenig, wenn der Gegner das vorher weiß. Verhindern kann er es kaum. Zumindest nicht ein FC Bayern, der am Ende der Saison an die Grenzen seiner Kräfte stößt. Der Bessere hat gewonnen - das mag für Leistungssportler mit höchsten Ansprüchen ärgerlich sein. Ein Grund, sich zu schämen, ist es nicht. Zumal der FC Bayern auch im zweiten Jahr unter Guardiola die Bundesliga fast nach Belieben dominiert hat.

Fußball wird nicht im Konjunktiv gespielt

Und so war nicht nur die Stimmung der Spieler, sondern auch die im Stadion besser als meist bei einem Ausscheiden. Die Zuschauer honorierten, dass Guardiolas Team alles versuchte, auch wenn bei Weitem nicht alles gelang. Und sie ahnten, dass dieses Duell vielleicht anders ausgegangen wäre, wenn die verletzten Arjen Robben, Franck Ribéry, David Alaba und Holger Badstuber hätten mitspielen können. Aber, und das ist jetzt keine neue Erkenntnis, Fußball wird eben nicht im Konjunktiv gespielt.

Das wusste auch Müller, der dann doch unzufrieden war: "Natürlich ist es schön, zu sehen, dass wir mithalten können. Aber dafür können wir uns nichts kaufen. Obwohl heute viel mehr möglich gewesen wäre, trotz des 0:3 aus dem Hinspiel." Vom Publikum war auch er angetan: "Die Unterstützung war selten so groß. Da kriegt man, auch wenn man schon ein bisschen was mit den Fans erlebt hat, Gänsehaut. Das kommt bei mir nicht so oft vor, wenn ich ehrlich bin."

Raus mit Applaus - auch eine Art, mit einem Sieg umzugehen, der doch eine Niederlage war. Nur sollten sie es beim FC Bayern mit ihrem mantraartigen Selbstlob nicht überziehen. Irgendwann ermüdet es dann doch, wenn Guardiola ständig wiederholt: "Ein überragendes Kompliment an meine Spieler." Und es schadet seiner Glaubwürdigkeit. Für diese Saison aber gilt: feiern statt trauern.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema