Fußball

Die Lehren des 29. Spieltags Nicht brillanter BVB treibt den FC Bayern

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Roman Bürki begräbt die Mainzer Hoffnungen auf den späten Ausgleich unter sich - und hält den Dortmunder Titeltraum am Leben.

(Foto: imago images / Jan Huebner)

Der FC Bayern marschiert, Borussia Dortmund verzweifelt - und trotzdem bleibt die Lage im Titelrennen der Fußball-Bundesliga nahezu unverändert. Bei Hertha BSC steht womöglich eine Ära vor dem Ende. Und der FC Schalke bettelt, wird aber nicht erhört.

1. Die Meisterschaft führt über Leipzig und Bremen

Der FC Bayern schießt derzeit (fast) alles zusammen, was ihm die Spielplanplaner vorsetzen: An diesem 29. Spieltag der Fußball-Bundesliga beließen es die Jungs um Doppeltorschütze und Rummelboxer Kingsley Coman bei einem noch gnädigen 4:1 in Düsseldorf, vorher gab es in der Liga jeweils sechs Stück für Mainz und Wolfsburg und immerhin noch fünf für den damaligen Tabellenführer aus Dortmund sowie den Zweitligisten aus Heidenheim, der aber in einem absurden Pokal-Viertelfinale immerhin noch viermal selbst traf. Den FC Bayern in seinem Lauf halten weder interne Konflikte noch die Gegner auf (das 1:1 am 27. Spieltag beim SC Freiburg ist die berühmte Ausnahme von der Regel). So scheint es also, als würde der Rekordmeister nun ohne nennenswerte Gegenwehr dem nächsten Titel entgegenstreben. Aber Vorsicht, das könnte ein Trugschluss sein. Wir hatten es letzte Woche schon angedeutet, nun wird es immer klarer: Auf Bayern-Trainer Niko Kovac und seine Mannschaft warten gegen Bremen (am kommenden Samstag ab 15.30 Uhr im Liveticker auf n-tv.de), in Leipzig (am 33. Spieltag) und gegen Frankfurt (34. Spieltag) noch mindestens drei knackige Aufgaben.

Und wir erinnern uns (I): So unterschiedlich sich die beiden verbliebenen Meisterschaftsaspiranten - neben dem FC Bayern ist das, wir erinnern uns (II), Borussia Dortmund, derzeit präsentieren, so eng liegt man auch nach diesem Wochenende noch beisammen: Ein Bayern-Ausrutscher und die Tabellenführung könnte wieder futsch sein. Denn entgegen der berühmten Uli-Hoeneß-Arithmetik gibt es für ein schmeichelhaftes, erzittertes 2:1 weiterhin genauso viele Punkte wie für einen rauschhaften Kantersieg. Oder wie Thomas Müller es prägnant zusammenfasst: "Dortmund spielt aktuell nicht brillant, aber sie bringen aktuell die Ergebnisse, das setzt uns unter Druck."

2. Der BVB bleibt sich selbst ein Rätsel

"So kannst du zu Hause nicht auftreten." Marco Reus war nach dem schmeichelhaften 2:1 gegen Mainz 05 einigermaßen ratlos - nach dem desaströsen 0:5 in München sogar bereits zum zweiten Male binnen einer Woche. "Es war natürlich nicht unser Plan, dass Roman uns hier in einem Heimspiel die drei Punkte rettet. Die zweite Halbzeit war einfach schlecht. Wir haben uns viel zu wenig bewegt und hatten ganz, ganz wenige Torchancen." Der BVB durfte sich tatsächlich bei seinem herausragenden Schweizer Torwart bedanken, der neun Mainzer Torschüsse abwehrte und damit einen persönlichen Saisonrekord aufstellte.

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Kein Jubel, nur Erleichterung: Der BVB bleibt in Schlagdistanz.

(Foto: imago images / Thomas Bielefeld)

"Die Mannschaft hat den Druck gespürt, das ist ganz klar. Sie haben gespürt, dass wir unbedingt gewinnen sollten", entschuldigte Trainer Lucien Favre die schwache zweite Hälfte, die den Meisterschaftskandidaten nach einer eigentlich komfortablen 2:0-Pausenführung nach einer absolut dominanten Vorstellung noch einmal arg in die Bredouille brachte. Warum eine simple Taktikumstellung des Mainzer Trainers - der zur zweiten Hälfte die Fünferkette auflöste - eine Spitzenmannschaft derart aus dem Konzept bringen kann, ist nicht nur für die BVB-Fans rätselhaft. Die Schwarz-Gelben wirkten gelähmt, ließen beinahe alles vermissen gegen keineswegs dramatisch starke Mainzer. Woran also lag es? "Ich weiß es nicht. Ich werde nochmal mit ein paar Jungs reden müssen. Ich will wissen, welches Gefühl sie hatten", sagte Matchwinner Bürki nach dem Spiel. Ob er zufriedenstellende Antworten bekam?

3. Schalke bettelt um den Abstieg und wird wohl doch nicht erhört

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Bitter: Was der FC Schalke auch versucht, sie werden einfach nicht absteigen.

(Foto: imago images / Zink)

"Außer Nübel könnt ihr alle geh'n", schimpften die mitgereisten Schalke-Fans am Freitagabend nach dem traurigen und eher unverdienten 1:1 des abstiegsbedrohten S04 beim noch stärker abstiegsbedrohten 1.FC Nürnberg. Sollte sich jemand so etwas wie einen Huub-Stevens-Effekt erträumt haben, ist er inzwischen aufgewacht. Der FC Schalke 04, immerhin amtierender Vizemeister, steigt nur deswegen nicht ab, weil sich die letzten drei zu einem Gruppetto zusammengeschlossen haben, einer Leidensgemeinschaft, die abgehängt und chancenlos dem Feld hinterher hechelt. Auf einen Befreiungsschlag mit einem großen Ergebnis darf aus dieser Gruppe - inklusive des FC Schalke 04 (nicht Teil dieser Gruppe) - wohl niemand mehr hoffen, die Reihenfolge des Zieleinlaufs klärt man nur im Schneckenrennen untereinander.

In Stuttgart (sechs Punkte hinter den Königsblauen) träumen sie, vornehmlich Schalkes Ex-Coach Markus Weinzierl, immer noch von einem Endspiel gegen Stevens' Schalker am 34. Spieltag, müssen dafür aber vorher aber noch mindestens drei Punkte holen, um in Schlagdistanz zu kommen. Aber wo? Am Wochenende geht es für die Schwaben nach Augsburg, denen der Befreiungsschlag in Frankfurt gerade noch rechtzeitig gelungen ist. Punktet der VfB Stuttgart dort nicht reichlich, könnte Schalke fast schon gerettet sein. Ohne eigenes Zutun.

4. Klassenerhalt schützt vor Ärger nicht

Erinnern Sie sich noch an die Friedhelm-Funkel-Posse in der Winterpause? Der Trainer, der Fortuna Düsseldorf nicht nur zum Aufstieg geführt, sondern den Aufsteiger anschließend mit einer Siegesserie überaus komfortabel im gesicherten Tabellenmittelfeld positioniert hatte, sollte zur neuen Saison seine Sachen packen. Das verkündete Vorstandschef Robert Schäfer - und musste die Entscheidung nach einer Protestwelle bereits am nächsten Tag wieder selbst kassieren. Diesen verdienten Trainer kann man nicht auf dem Höhepunkt seiner Popularität absägen, das lernte der 43-jährige Funktionär auf die harte Tour.

Die Wagenburg schloss sich um den Routinier, der Vorstandschef musste draußen bleiben. Und muss jetzt, am Wochenende, das dem Aufsteiger auch rechnerisch weit vor Saisonende den Klassenerhalt bescherte, selbst seine Sachen packen. "Seit Längerem überlegen wir, wie wir uns für die Zukunft neu aufstellen. Richtig ist, dass wir Robert Schäfer dies mitgeteilt haben", sagte Aufsichtsratschef Reinhold Ernst . "Wir befinden uns schon länger in Gesprächen mit Robert Schäfer über eine einvernehmliche Trennung." Die wurde am Sonntag vollzogen, am Tag, der eigentlich nicht für Krisensitzungen auserkoren war.

5. Augsburg profitiert vom Schmidt-Effekt

Andreas Heuer, Professor und Experte für die Theorie komplexer Systeme, untersucht in seiner Forschung auch den Fußball, gestützt auf statistische Daten. Im Interview mit "11 Freunde" erklärte der Wissenschaftler Ende 2017, er habe "herausgefunden, dass es (bei einem Trainerwechsel - Anm. der Red.) keinen sichtbaren Effekt auf die Ergebnisse der Mannschaft und damit auf die Leistungsstärke gibt. Es kann natürlich im Einzelfall immer mit Glück oder anderen Faktoren zu tun haben. Aber statistisch ist es nicht belegbar, dass es besser ist, den Trainer im Laufe der Saison zu wechseln, als ihn nicht zu wechseln. Weder langfristig noch kurzfristig."

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Martin Schmidt profitiert von Manuel Baum - und der FC Augsburg vom Trainerwechsel.

(Foto: imago images / kolbert-press)

In Augsburg würden sie da nach dem überaus überraschenden 3:1 am Sonntag in Frankfurt wohl vehement widersprechen. Zu schwach hatte sich der FC Augsburg in den letzten Wochen meistens präsentiert, zu verheerend waren die letzten Ergebnisse, als dass man sich von einem Trainerwechsel nicht mindestens übersinnliche Effekte versprechen würde. Martin Schmidt, der zu Wochenbeginn erst den Trainerposten von Manuel Baum übernommen hatte, unterstützte am Sky-Mikrofon unbewusst die These der Wechselfans: "Ich habe eine funktionierende Mannschaft übernommen. Man kann in einer Woche nicht aus einer faulen Truppe eine Sieger-Mannschaft machen, deswegen auch ein Dank an meinen Vorgänger Manuel Baum. Er hat mir eine Top-Mannschaft übergeben. Ich konnte heute davon profitieren." Eine Top-Mannschaft, die zwar den BVB von der Tabellenspitze holte, aber bei einem Torverhältnis von 12:23 auch nur zehn Punkte sammeln konnte. Irgendwas hat dieser Top-Mannschaft also gefehlt - vielleicht ein neuer Trainer?

6. Pal Dardai wird nicht Rekordtrainer bei Hertha BSC

Pal Dardai ist eine echte Legende bei Hertha BSC: Der Ungar ist nicht nur Rekordbundesligaspieler der Hauptstädter (286), sondern widerstand 1999 sogar dem Werben des großen FC Bayern München und blieb damals bei "seinem" Klub. 2015 schließlich trugen die Verantwortlichen dem treuen Pal den Cheftrainerposten beim damals abstiegsbedrohten Bundesligisten an, Dardai rettete die Erstklassigkeit und lieferte in den Folgejahren mindestens solide Ergebnisse fernab des Abstiegskampfes ab. Es hätte ewig so weitergehen können, der Coach hätte irgendwann auch noch Helmut Kronsbein als Rekordtrainer einholen können. Doch jetzt könnte alles ganz schnell zu Ende gehen. Der "Kicker" berichtet schon von Signalen aus der Branche, Hertha suche bereits nach einem neuen Trainer.

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Müssen reden: Pal Dardai (l.) und Michael Preetz.

(Foto: dpa)

Fünf Niederlagen in Serie liefern den Hertha-Bossen auch eine Menge Argumente, sich spätestens zur neuen Saison - trotz aller unbestreitbaren und unbestrittenen Verdienste Dardais - sich schnellstmöglich, vielleicht sogar kurzfristig, umzuschauen, um den berühmten nächsten Schritt zu machen. Zu signifikant ist der Hertha-Trend, einer passablen Hinrunde eine schwache Rückserie folgen zu lassen, Dardai bekommt schlicht keine Konstanz in seinen Kader. "Ich mache meinen Job mit Spaß. Ich habe jeden Tag Spaß, so lange ich das Vertrauen der Spieler, des Managers und des Präsidenten habe. Wenn das nicht da ist, will man das hören. Dann muss man sich zusammensetzen und reden", hat der verdienstvolle Trainer nach der jüngsten 0:2-Pleite gegen die TSG Hoffenheim gesagt. Das Gespräch könnte schneller kommen, als dem zuletzt arg dünnhäutigen 43-Jährigen lieb sein dürfte.

Quelle: n-tv.de

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