Fußball

Die Fans jubeln, der Klub nicht Niko Kovac - der ausgelaugte Meistertrainer

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Allein im Konfettiregen: Niko Kovac.

(Foto: imago images / ActionPictures)

Der FC Bayern feiert die Deutsche Fußball-Meisterschaft, sogar das Double ist mit dem Gewinn des DFB-Pokals noch drin. Doch selbst bei all dem Jubel versäumen es die Klubverantwortlichen einmal mehr, über die Zukunft von Trainer Niko Kovac zu sprechen.

Auf einmal, mitten im Meistertrubel in der Münchner Arena, stand der Trainer im Mittelpunkt. Die Fans des FC Bayern skandierten seinen Namen, laut schallte es "Niko Kovac" durch das Stadion. Der Gewürdigte schien ein wenig überrascht, er verharrte auf dem mit Glitzerkonfetti überzogenen Rasen. In diesem Augenblick sah Kovac nicht aus wie ein glücklicher Meistertrainer. Eher wie ein begossener Pudel, weil schon das erste Weißbierglas über ihn ausgeschüttet worden war. Es gehört zum Ritual einer jeden Titelsause des Rekordmeisters, dass die Spieler mit einem übergroßen mit Gerstensaft gefülltem Gefäß Jagd auf den Trainer machen. Und als dann die Kamera, sein Gesicht heranzoomte, sah man, dass nicht nur seine Kleidung nass war, sondern auch seine Augen feucht schimmerten. Vor Freude? Erleichterung? Genugtuung? "Alles", sagte er später.

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Die Bierdusche gehört dazu, doch der ganz große Jubel entfacht sich bei Niko Kovac nicht.

(Foto: dpa)

Mit dem Meistertitel, dem siebten für die Münchner in Serie und dem ersten für ihn als Trainer, hat Kovac eine schwierige Bundesligasaison noch souverän finalisiert. "Nach dem Herbst haben wir eine Serie hingelegt, die seinesgleichen sucht", fand der 47-Jährige, ehe er sich auf dem Weg zur Titelparty in eine bekannte Münchner Brauereigaststätte machte. "Und das geht nicht so einfach." Neun Punkte hatten die Bayern im November Rückstand auf Borussia Dortmund gehabt, nach dem 5:1-Sieg gegen die Eintracht Frankfurt beim Saisonabschluss sind sie in der Abschlusstabelle zwei voraus. "Ich denke, dass wir es als Trainerteam auch bewiesen haben, dass wir die notwendige Qualität haben", ließ Kovac wissen. "Man kann uns für den Herbst verantwortlich machen, aber auch, dass wir es jetzt ganz ordentlich hinbekommen haben."

Nüchterner Glückwunsch von Salihamidzic

Am Ende einer erfolgreichen Saison sollte nicht der Trainer selbst auf das Erreichte verweisen müssen, in der Regel kommt die Würdigung von anderen. Ja, das Publikum im Stadion ist ihm zur Seite gesprungen. "Die Fans", sagte Kovac, "haben ein Gespür". Eine Gespür dafür, sich trotz des emotionalen Abschieds von Franck Ribéry und Arjen Robben Zeit zu nehmen, etwas für den Coach zu tun. Von den Verantwortlichen kam auch am Samstag wieder wenig bis nichts. Nur von Sportdirektor Hasan Salihamidzic gab es - auf Nachfrage - ein kleines Lob. Es sei eine schwierige Saison gewesen, "nach dem letzten Jahr, in dem Jupp Heynckes einen Riesenjob gemacht hat". Er vergaß allerdings zu erwähnen, dass die nicht besser endete als diese - und womöglich sogar schlechter war, wenn die Münchner in der kommenden Woche gegen RB Leipzig auch noch den DFB-Pokal holen. "Glückwunsch dafür", sagte Salihamidzic, "dass er es gut gemacht hat. Die Fakten sprechen für ihn".

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Salihamidzic mit der Meisterschale - die er nicht zuletzt Trainer Niko Kovac zu verdanken hat.

(Foto: imago images / Revierfoto)

In den vergangenen Wochen hatten die Verantwortlichen des FC Bayern Rückhalt für den Trainer vermissen lassen. Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge verweigerte ihm eine Jobgarantie über die Saison hinaus - und das schürte die Spekulationen, dass ein Verbleib von Kovac vom Gewinn des Doubles abhing. Zuletzt erweckte es den Eindruck, dass nicht einmal dieser Erfolg reichen würde für ihn, um auch in der neuen Saison noch auf der Bayern-Bank zu sitzen. Denn auch Salihamidzic wirkte am vergangenen Wochenende nicht mehr so, als sei er noch hundertprozentig von Kovac überzeugt. Er drückte sich im Aktuellen Sportstudio des ZDF um die entscheidende Frage und sagte erst nach mehrmaligem Nachhaken Rückhalt für den Trainer zu. Immerhin ließ er am Samstag wissen, "dass der Trainer von mir die absolute Unterstützung hat".

Hoeneß verweigert Zusage

Präsident Uli Hoeneß, der Anfang April als Einziger aus der Chefetage öffentlich Partei für Kovac ergriffen hatte, wollte dies nun nicht mehr wiederholen. "Ich habe mich an dieser Diskussion nie beteiligt und ich möchte mich auch nicht am Tag dieses Triumphs beteiligen. Das ist jetzt nicht der richtige Augenblick, darüber zu reden", sagte er. Damit ließ auch er Raum für Spekulationen, statt Druck aus der Situation für den Trainer zu nehmen.

Kovac gab sich zuversichtlich, auch in der neuen Saison noch als Angestellter des Vereins auf der Bayern-Bank zu sitzen. "Ich bin überzeugt, dass es weitergeht", sagte er. Er habe "Infos aus erster Hand". Schließlich rede er mit seinen Chefs. Doch die vergangenen Wochen haben Spuren hinterlassen bei ihm. "Ich bin total happy und total ausgelaugt", gab Kovac zu. So richtig happy sah er allerdings nicht aus, nur so richtig ausgelaugt. Vielleicht, sagte er, würde die Freude besser auffallen, "wenn ich mit einer roten Nase oder einem Karnevalshut rumlaufen würde. Aber es ist im Moment sehr viel hier drin". Und dabei zeigte Kovac auf sein Herz.

Quelle: n-tv.de

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