Fußball

Komplizierte Achtelfinal-Regel Nur "Almuth Allwissend" hat den Durchblick

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Svenja Huth gehört zu den erfahrensten Spielerinnen im DFB-Team.

(Foto: imago images / HMB-Media)

Drei Tage ist das DFB-Team nun schon in Grenoble, wo am Samstag das Achtelfinalspiel der Fußball-WM in Frankreich stattfindet. Wer der Gegner wird, ist allerdings noch immer ein Rätsel. Weil die Fifa-Regularien so kompliziert sind, dass die Spielerinnen nicht einmal spekulieren wollen.

Zwei Tage noch bis zum Showdown. Am Samstag (17.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) tritt die DFB-Elf im ersten K.-o.-Duell bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Frankreich an. Viel Zeit für die Vorbereitung bleibt dem Team von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg nicht mehr. Dabei steht immer noch nicht fest, wer der Gegner beim Achtelfinalspiel in Grenoble sein wird. Welche Nation es wird hängt davon ab, welche vier Teams zu den besten vier Gruppen-Dritten gehören werden.

Das entscheidet sich erst am Donnerstagabend nach den dritten Spielen der Gruppen E und F. Die Regularien der Fifa sind so kompliziert, dass die Deutschen gar nicht erst spekulieren möchten. "Der Gegner ist mir egal", sagte Mittelfeldspielerin Lina Magull. Carolin Simon erklärte: "Wir müssen uns zunächst auf uns konzentrieren und dann taktisch auf den Gegner einstellen." Voss-Tecklenburg betonte: "Das heißt jetzt mehr auf uns zu schauen. Mehr auf die Aktionen zu schauen, die wir sowieso als Prinzipien ins Spiel bringen wollen."

"Die ganz wichtigen Leute bei der Fifa"

Sich über die Komplexität der Regeln aufzuregen, nach welchen die vier besten Gruppendritten ins Achtelfinale einziehen, habe keinen Sinn, sagte Magull: "Das entscheiden ganz wichtige Leute bei der Fifa, das muss man akzeptieren." Einen genauen Plan, welche Gegner jetzt noch möglich seien, haben im deutschen Team jedenfalls nur wenige. "Wir haben da Gott sei Dank Leute wie Almuth, die uns auf den aktuellen Stand bringen", so Simon mit einem Grinsen. Nicht umsonst werde diese Almuth Allwissend genannt. Vermutlich wird Schult am Mittwochabend interessiert verfolgt haben, wie die Spiele der Gruppe D gelaufen sind. Denn mit deren letzten Spielen haben sich die möglichen Kandidaten reduziert. Infrage kommen als deutsche Konkurrenten jetzt noch Nigeria, Brasilien oder Argentinien.

Gegen 22.50 Uhr, wenn die letzten Vorrundenpartien abgepfiffen werden, werden die Deutschen Klarheit haben. Gut 42 Stunden vor Anpfiff also. Wird es Brasilien, der WM-Zweite von 2007? Gegen Deutschland gab es bislang zwölf Duelle, sieben Mal gewann die DFB-Auswahl. Die Selecao gehört immer zu den Favoriten, konnte aber noch nie reüssieren. Für Fußball-Ikone Marta wäre dieses Turnier wohl die letzte Chance auf die Krönung. Mit 33 Jahren hat sie bei dieser WM bereits den Torrekord gebrochen. Mit nun 17 Treffern ist sie die beste Torjägerin aller Zeiten und hat sogar den männlichen Rekordhalter Miroslav Klose überflügelt.

Brasilianerinnen "mit Luft nach oben"

Und die Brasilianerinnen haben noch eine Rekordhalterin in ihren Reihen: Mittelfeldspielerin Formiga war bei ihrem Einsatz im zweiten Gruppenspiel mit 41 Jahren und 102 Tagen die älteste Spielerin bei einer WM. Brasilien sei stark, hat aber auch noch "Luft nach oben", sagte Svenja Huth. Zum WM-Auftakt siegten die Südamerikanerinnen gegen den WM-Neuling Jamaika mit 3:0, danach folgte eine 2:3-Niederlage gegen Australien, bevor sie dank eines Elfmetertores von Marta Italien mit 1:0 bezwangen. Dennoch sind die Brasilianerinnen eben nur Gruppendritte - das hatte wohl kaum jemand erwartet.

Nigeria war da schon ein naheliegenderer Dritter - in einer Gruppe mit Frankreich und Norwegen. Die Afrikanerinnen verloren zum Auftakt 0:3 gegen Norwegen, gewannen dann gegen Südkorea (2:0) und hatten die Gastgeberinnen am Rande einer Niederlage. Nur aufgrund eines wiederholten Elfmeters - Torhüterin Chiamaka Nnadozie hatte die Torlinie nicht berührt - schoss Wendie Renard ihr Team in der 79. Minute zum Sieg. "Nigeria ist eine physisch sehr starke Mannschaft", urteilte Huth. Gegen die Nigerianerinnen hat die DFB-Elf eine weiße Weste. In sieben Spielen gab es sieben Siege, das letzte Duell datiert vom 30. Juni 2011, als die Deutschen in der WM-Gruppenphase mit 1:0 gewannen.

"Eklige" Argentinierinnen

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Bleibt noch Argentinien, gegen das Deutschland erst zweimal spielte - und zweimal hoch gewann (6:1, 11:0). Das Team erkämpfte sich am Mittwochabend ein 3:3 gegen Schottland, nachdem sie schon 0:3 zurücklagen. Das Spiel endete mit einem wiederholten Elfmeter in der 94. Minute. Ohne diesen hätten sich die Schottinnen den dritten Tabellenplatz erkämpft. So aber darf Argentinien mit nur zwei Punkten auf dem Konto hoffen. Zuvor hatte es für sie 0:0 gegen Japan und 0:1 gegen England geheißen. "Argentinien ist, was man die letzten Spiele gesehen hat, unglaublich kämpferisch", urteilte Huth. Sie seien "eklig zu bespielen". Der 28-jährigen Offensivspielerin zufolge könnte es kämpferisch schwer werden. Wichtig wäre, viel Bewegung ins Spiel zu bekommen, damit sich Lücken ergeben. Für die Argentinierinnen ist das mögliche Erreichen des Achtelfinales ein Grund zur Freude, denn anders als ihre männlichen Kollegen um Superstar Lionel Messi bekommen sie fast keine Unterstützung vom Verband. Der "Welt" zufolge müssen die Spielerinnen sogar die Hotelkosten in Frankreich selbst zahlen.

Drei Mannschaften stehen also zur Auswahl - wie geht das DFB-Team damit um? "Grundsätzlich wäre es natürlich schön, wenn man sein letztes Gruppenspiel gespielt hat und wüsste, gegen wen man spielt", sagte Huth. Aber letztlich seien sie alle fokussiert. "Wir wollen unser Spiel spielen, egal, wer kommt." Linksverteidigerin Verena Schweers erklärte: Grundsätzlich mache das Trainerteam die Gegnervorbereitung. Am Freitag gebe es dann für das Team eine Gegneranalyse per Video, um sich auf das Spiel einzustimmen. Voss-Tecklenburg hatte bereits nach dem Sieg gegen Südafrika erklärt: "Es ist beim DFB tatsächlich so, dass wir so gut aufgestellt sind, dass alle Spiele geschaut werden, dass wir ein Scouting- und Analystenteam haben, das sich in Nord und Süd aufgeteilt hat." Und so können weder Nigeria, noch Brasilien oder Argentinien wirklich überraschen.

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Quelle: n-tv.de

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