Fußball

"Sie sind alle stumm geblieben" Özil erhebt Vorwürfe gegen DFB-Team

Mesut Özil spricht in einem Interview ausführlich über seinen Rücktritt aus der DFB-Elf. Er habe sich im Vorfeld der WM 2018 "nicht respektiert und ungeschützt" gefühlt. Seinen Abschied nach den rassistischen Anfeindungen bereut er nicht - im Gegenteil.

"Niemand von der Nationalmannschaft ist aufgestanden und hat gesagt: 'Hört auf damit, das ist unser Spieler'. Sie sind alle stumm geblieben und haben es passieren lassen." In einem ausführlichen Interview mit dem US-amerikanischen Portal "The Athletic" erhebt der ehemalige deutsche Fußball-Nationalspieler Mesut Özil schwere Vorwürfe gegen das DFB-Team. Er beklagt die ausbleibende Unterstützung gegen rassistische Anfeindungen im Vorfeld der Weltmeisterschaft 2018.

Kurz vor dem Turnier, Mitte Mai, waren Fotos des Arsenal-Profis mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan öffentlich geworden. Auf den Bildern sind auch der DFB-Spieler Ilkay Gündogan und der türkische Nationalspieler Cenk Tosun zu sehen. Wegen dieser Fotos hatten Özil und Gündogan viel Kritik in Deutschland einstecken müssen. Vor allem Özil wurde auch Ziel zahlreicher Diffamierungen und Beleidigungen - viele davon rassistisch. Dass sich niemand aus dem Team dagegen ausgesprochen und an seine Seite gestellt habe, habe ihn schwer getroffen: "Ich fühlte mich nicht respektiert und ungeschützt."

"Sehr glücklich" mit dem Rücktritt

Özil trat nach dem peinlichen Vorrunden-Aus in Russland aus der Nationalmannschaft zurück. Das 0:2 im abschließenden Gruppenspiel gegen Südkorea war sein 92. und letztes Länderspiel für Deutschland. Mit etwas Abstand sei er "sehr glücklich" über diese "richtige Entscheidung". Er erwarte nicht, dass die Menschen ihn liebten, "aber dass sie Respekt dafür zeigen, was ich für Deutschland geleistet habe". Das Foto mit Erdogan bereut er nicht. "Auch wenn ich in Deutschland geboren und aufgewachsen bin, gehört die Türkei zu mir." Er würde es immer wieder so machen - aus Respekt vor dem höchsten politischen Amt. Denn auch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel würde er sich jederzeit treffen.

Den Rassismus, von dem viele der Reaktionen auf sein Verhalten geprägt waren, benennt der 31-Jährige deutlich: "Natürlich darf jeder seine Meinung haben und es nicht gut finden, dass ich das Foto gemacht habe. Aber was folgte, war, dass der Rassismus vieler öffentlich zu sehen war." Mit Verweis auf den Anschlag in Halle, bei dem ein Rechtsextremer bei einem gescheiterten Angriff auf eine Synagoge zwei Menschen erschoss, sagte Özil: "Rassismus ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen."

Das Interview mit Mesut Özil bei "The Athletic" finden Sie hier. Zum Lesen ist eine kostenpflichtige Registrierung erforderlich.

Quelle: n-tv.de, tsi