Fußball

Kritik an Bossen des FC Bayern Özils Berater greift Nationalspieler an

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Toni Kroos hatte über Mesut Özils Rücktrittserklärung gesagt, da sei ein "hoher Anteil an Quatsch" dabei.

(Foto: imago/Sportfoto Rudel)

Erstmals seit Özils Rücktritt aus dem DFB-Team äußert sich sein Berater Erkut Sögut zu dem umstrittenen Foto mit dem türkischen Staatschef. Sein Klient habe keinen Fehler gemacht. Die Äußerungen früherer Kollegen nennt Sögut "enttäuschend und deplatziert".

Erkut Sögüt, der Berater des 2014er-Weltmeisters Mesut Özil, hat das viel diskutierte Foto des ehemaligen Fußball-Nationalspielers gut acht Wochen nach dessen Rücktritt verteidigt und mehrere deutsche Spieler sowie die Verantwortlichen des FC Bayern angegriffen. "Mesut hat keinen Fehler gemacht. Dabei bleibt es", sagte Sögüt dem Magazin "11 Freunde".

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Im Mai noch vereint: Mesut Özil und Joachim Löw.

(Foto: imago/Schüler)

"Es ist eine Frage des Respekts, den Präsidenten zu treffen, wenn dieser darum bittet." Der Rechtsanwalt sprach damit das umstrittene Treffen Özils und seines Nationalmannschaftskollegen Ilkay Gündogan, den er ebenfalls berät, mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan in London vor der WM in Russland an. Die Aussagen von DFB-Kapitän Manuel Neuer, Toni Kroos und Thomas Müller, die sich nach Özils Rücktritt öffentlich geäußert hatten, bewertet der Berater als "mehr als enttäuschend und deplatziert".

Für die Worte der drei gäbe es nur zwei Erklärungen: "Sie sind entweder naiv oder berechnend." Kroos hatte gegenüber der "Bild"-Zeitung von einem "hohen Anteil an Quatsch" in Özils Statement gesprochen. Als gestandener Nationalspieler solle erklären, "was er mit dem Vorwurf Quatsch meint", forderte Sögüt. Unverständnis äußerte er auch über Aussagen von Neuer und Müller: "Neuer wirft Mesut indirekt vor, nicht mit Stolz das deutsche Nationaltrikot getragen zu haben. Das ist nicht akzeptabel. Müller hat die Diskussion nicht verstanden." Neuer, Müller und Bundestrainer Joachim Löw hatten zudem betont, dass es in der Mannschaft nie zu rassistischen Vorfällen gekommen sei. "Löw verteidigt sich gegen einen Vorwurf, der nie erhoben wurde", sagte Sögüt. "Mesut wurde nicht im Team, sondern von der Mitte der Gesellschaft rassistisch angefeindet - da hätte ihn der DFB schützen müssen." Der 29 Jahre alte Özil hatte sich zwei Monate nach seinem Treffen mit Erdogan erstmals zu der Kritik geäußert. In einer dreiteiligen Erklärung hatte er schwere Vorwürfe gegen den DFB und dessen Präsidenten Reinhard Grindel erhoben und auch seinen Rücktritt aus der Nationalelf erklärt.

"Ihre unverzollten Rolex-Uhren"

Sögüt kritisierte auch den Klubpräsidenten Uli Hoeneß und den Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge vom deutschen Fußballmeister FC Bayern. Hoeneß hatte nach Özils Rücktritt behauptet, dass dieser ohnehin "seit Jahren einen Dreck gespielt" habe. Angesprochen auf diese Aussagen setzte Sögüt gegenüber "11 Freunde" zu einer laut dem Magazin "mehrminütigen Suada" an. In dieser greift der promovierte Jurist nicht nur Hoeneß, sondern auch Rummenigge an, der die Debatte um Özil als "Phantomdiskussion" bezeichnet hatte.

"Wenn hier jemand ablenken will, dann sind es diese beiden. Und zwar von der Leistung ihrer eigenen Spieler, von ihrer Steuerhinterziehung, ihren unverzollten Rolex-Uhren und von der Vetternwirtschaft in ihrem Verein." Sögüt ist in Hannover aufgewachsen und arbeitet seit Jahren unter anderem als Berater von Özil. Auf dem Weg ins Metier der Spielervermittler hatte ihm einst auch Harun Arslan geholfen, der seit langem Berater von Bundestrainer Löw ist. Inzwischen lebt Sögüt in London und hat seine eigene Beratungsfirma. Seine Eltern waren als Gastarbeiter aus der Türkei nach Deutschland gekommen.

Sögüt wusste laut eigener Aussage "einige Tage" vorher von Özils Treffen mit dem türkischen Präsidenten Erdogan im vergangenen Mai, habe es aber bewusst nicht verhindert. "Warum sollte ich? Mesut ist alt genug, er hat seinen eigenen Kopf. Er kennt den Präsidenten seit acht Jahren", sagte Sögüt. Für Özil sei der Termin "eine Frage des Respekts" gewesen: "Es ging Mesut nie um Politik. Dafür interessiert er sich nicht."

Quelle: n-tv.de, jgu/sid

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