Fußball

"Für mich ist das kein Fußball" Real-Stars ätzen gegen Videobeweis

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Tor, kein Tor? Stars wie Cristiano Ronaldo sind nicht besonders glücklich über die technische Revolution im Fußball.

(Foto: REUTERS)

Nicht erst seit der Schwalbe von Timo Werner wird in der Fußball-Bundesliga der Ruf nach dem Videobeweis lauter - doch wie gewaltig die neue Technik danebenliegen kann, erfährt Real Madrid bei der Klub-WM in Japan. Das Starensemble reagiert genervt.

Cristiano Ronaldo malte ein imaginäres TV-Gerät in die Luft und grinste. "Da hat der Fernseher wohl nicht ganz funktioniert, was?", sagte der Superstar von Real Madrid nach dem 2:0 (0:0)-Halbfinalsieg bei der Klub-WM in Japan. Der viel diskutierte Videobeweis hatte gerade für jede Menge Verwirrung gesorgt.

Es lief die dritte Minute der Nachspielzeit im Duell gegen Club América aus Mexiko, als erstmals bei einem Fifa-Match all die Kritikpunkte der Technik-Skeptiker offen zutage traten. Ronaldo hatte gerade den zweiten Treffer der Königlichen erzielt und ließ sich nach seinem 500. Torerfolg auf Klub-Ebene gebührend feiern. Doch dann froren die Gesichtszüge des Portugiesen plötzlich ein. Schiedsrichter Enrique Cáceres aus Paraguay annullierte das 2:0 von Real, ehe er das wieder freigegebene Spiel überraschend erneut unterbrach.

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Ist die neue Technik bald auch in deutschen Fußballstadien Standard?

(Foto: imago/AFLOSPORT)

Der Videoschiedsrichter hatte eine Abseitsentscheidung nun doch zugunsten der Spanier gewertet - das Durcheinander war komplett, der Jubel über den Einzug ins Finale gegen die Kashima Antlers am Sonntag (11.30 Uhr MESZ) fiel spärlich aus. "Das Ganze muss klarer sein", sagte Real-Trainer Zinedine Zidane. Mittelfeld-Stratege Luka Modric wurde noch deutlicher: "Ich mag es nicht, es sorgt für jede Menge Verwirrung", meinte der Kroate: "Für mich ist das kein Fußball. Ich hoffe, dass sich diese Regelung nicht durchsetzt."

Uefa bittet um Geduld

Aufzuhalten ist der Siegeszug der Technik aber wohl nicht mehr, auch wenn sich Uefa-Boss Aleksander Ceferin bisher sperrt. "Das ist der erste Live-Versuch bei einem Fifa-Turnier, also ist es für alle neu", hatte Massimo Busacca, Leiter der Schiedsrichterabteilung des Weltverbandes, bereits nach dem ersten Halbfinale zwischen Kashima und Copa-Libertadores-Sieger Atlético Nacional (3:0) gesagt.

In dem Duell hatte ein Videoschiedsrichter erstmals eingegriffen. Bis Referee Viktor Kassai nach Studium der TV-Bilder dann auf Strafstoß entschied, verging eine ganze Weile. Der Ungar traf aber letztlich die richtige Entscheidung, obwohl eine vorausgegangene Abseitsstellung noch lange für Diskussionen sorgte.

In der Bundesliga wurde nicht erst nach der Schwalbe von Timo Werner der Ruf nach dem Einsatz neuer Technologie immer lauter. Zur Saison 2017/18 soll der Videobeweis eingeführt werden, dies würde sich Arsène Wenger auch für Premier League wünschen. "Ich möchte ihn am liebsten schon morgen früh sehen", sagte der Teammanager des FC Arsenal.

Die emotionale Debatte zwischen Traditionalisten und Modernisierern geht mit dem Test in Japan in die nächste Runde, der Sport rückt dabei fast ein wenig in den Hintergrund. Allerdings nicht bei Zidane. "Wir denken nur darüber nach, den Titel zu gewinnen", sagte der Real-Trainer. Am liebsten ohne große Diskussionen.

Quelle: n-tv.de, Peer Lasse Korff, sid

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