Fußball

Wenige Tage nach Mahner-Auftritt Rummenigge schmettert Loblied auf PSG-Boss

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Rummenigge trifft Al-Khelaifi vor einigen Jahren in einem Fußball-Stadion.

(Foto: picture alliance / ATP)

Anfang der Woche nimmt der Ex-Boss von Bayern München, Karl-Heinz Rummenigge, den Fußball in die Pflicht und tritt als Kämpfer für den fairen Wettbewerb auf. In Frankreich lobt er nun PSG-Boss Al-Khelaifi über den grünen Klee. Der hat bislang wenig Interesse an einem fairen Wettbewerb gezeigt.

Karl-Heinz Rummenigge hat nur wenige Tage nach seinem Klagegesang über den aus dem Ruder gelaufenen Kapitalismus im Fußball ein Loblied auf den Boss von Paris St. Germain, den Katari Nasser Al-Khelaifi, gesungen. "Wo war PSG vor Nasser", fragte der ehemalige Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München in der französischen Sportzeitung "L'Equipe" und riet dem ehemaligen Tennis-Profi "auf keinen Fall", seinen Posten beim französischen Erstligisten zu verlassen.

Kurz nach der umstrittenen WM-Vergabe an Katar im Dezember 2010 war Al-Khelaifi mit der Investorengruppe Qatar Sports Investments im Mai 2011 in den damaligen Mittelklassenverein Paris St. Germain eingestiegen und hatte ihn im folgenden Jahr komplett übernommen. Mit den endlosen Reichtümern des Wüsten-Staats ausgestattet, war der Verein in den Folgejahren auf Shopping Tour gegangen. Das Ziel: Der Gewinn der Champions League mit allen Mitteln.

Doch trotz der Milliardensummen für die Transfers von Neymar, Lionel Messi und Co. hat PSG auf internationaler Bühne bislang noch nicht mit dem größten Titel im Klub-Fußball schmücken können. Der Verein machte sich in all den Jahren mehr um die Aushöhlung der ohnehin schwachen Financial-Fairplay-Regelung der UEFA verdient als um den Sport an sich. In der Champions League sprang bis auf eine Finalniederlage gegen den FC Bayern München im Jahr 2020 wenig raus.

Rummenigges Rat an PSG-Boss

Rummenigge bat Al-Khelaifi darum, "geduldig" zu bleiben. Der Klub habe ein außergewöhnliches Team, aber keine Geduld. "PSG muss verstehen, dass es unmöglich ist, die Champions League von einem auf den nächsten Tag zu gewinnen." Zuletzt hatte es immer wieder Gerüchte um einen Rückzug der katarischen Investoren nach der WM 2022 gegeben.

Nach dem Aus in der aktuellen Champions-League-Saison gegen Real Madrid war Al-Khelaifi durch sein Verhalten gegenüber den Schiedsrichtern in die Kritik geraten. Zudem soll der mittlerweile ins UEFA-Exekutivkomitee aufgestiegene Katari einer Person im Zusammenhang mit einer Filmaufnahme mit dem Tode gedroht haben. Die UEFA hat ein Disziplinarverfahren gegen den Verein und auch den Klub-Boss eingeleitet.

"Ich war an Nassers Stelle und es bringt nichts, seine Nerven zu verlieren. Nasser ist einer, der rational ist und sich beherrscht. Er ist immer freundlich, aufmerksam, aber der Fußball, das sind viele Emotionen", kommentierte Rummenigge: "Das nächste Mal, wenn ich ihn sehe, rate ich ihm ab, zur Schiedsrichterkabine zu gehen."

Der lebende Widerspruch

Neben seinen Posten bei PSG und der UEFA ist Al-Khelaifi ebenfalls der Vorsitzende der europäischen Fußball-Klubvereinigung ECA und CEO bei der beIN Media Group, die zahlreiche Fußballrechte hält, unter anderem die an der UEFA Champions League für die MENA-Region, dem Mittleren Osten und Nord-Afrika. Diese hat beIN erst vor kurzer Zeit für rund 550 Millionen Euro für die nächsten drei Jahre erneut erworben.

Anfang der Woche hatte Rummenigge die Fußball-Branche für die fehlende Demut im Zuge der Corona-Pandemie kritisiert. "Die Gehälter steigen nach wie vor, die Ablösesummen steigen nach wie vor und jede Industrie, die während einer Krise ihre Budgets hochfährt, wird dafür irgendwann eine Rechnung zahlen müssen", hatte er im Tomorrow - der Business & Style Podcast gesagt.

Der Ex-Bayern-Boss hatte auch die UEFA in die Pflicht genommen und die Dominanz der Vereine der englischen Premier League im europäischen Fußball kritisiert. "Der einzige Klub, der noch mithalten kann, ist ein französischer Klub namens Paris", hatte er hinzugefügt und für Deutschland eine Lockerung oder Aufhebung der 50+1-Regel ins Spiel gebracht. Die internationalen Wettbewerbe würden "nur auf dem Transfermarkt entschieden werden und da können wir mit den Engländern nicht mithalten", hatte Rummenigge gesagt und die Regel als "ein Riesen-Riesen-Handicap" bezeichnet.

Quelle: ntv.de, sue

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