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"Gute Stimmung, kein Theater" Salihamidzic erklärt Bayerns Kader-Plan

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Kleiner Kader, große Flexibilität - das ist der Plan des FC Bayern, so hat es der Sportdirektor verraten.

(Foto: imago images / eu-images)

Zwei Weltmeister hat der FC Bayern für die neue Saison unter Vertrag genommen. Einen jungen Stürmer ebenfalls. Dennoch wirkt der Kader des Rekordmeisters fatal unfertig. Doch die Bosse beruhigen - und folgen offenbar einem klaren Plan. Der müsste nun eigentlich greifen.

Der FC Bayern rüstet ab sofort verbal wieder ab. Diese interne Übereinstimmung verkündete Karl-Heinz Rummenigge bereits am Montag. Und es ist davon auszugehen, dass diese Übereinstimmung stark durch das Drängen von Rummenigge höchstselbst erzielt wurde. Zu nervtötend treibt es die von Präsident Uli Hoeneß und Sportdirektor Hasan Salihamidzic offensiv geworfenen Transfer-Bumerangs wieder und wieder zurück zu den Münchenern. Statements zu möglichen Transferzielen werden ab sofort sehr höflich verweigert. Fortan gilt: Marktpreise durch lautes Trompeten nicht mehr treiben, Verhandlungsposition so nicht schwächen. Diese Regel gilt ausnahmslos. Und sie funktioniert prächtig - auch bei Salihamidzic. Der parierte bei seinem ersten Auftritt mit Diskretionsauflage alle Fragen zu den Bemühungen mit "Geduld."

Im Pressesaal der Münchener Allianz Arena war an diesem Freitagmittag der letzte verzweifelte Versuch der Woche unternommen worden, einem Verantwortlichen des Fußball-Meisters doch noch ein Transferfitzelchen aus der Nase zu ziehen. Am liebsten natürlich eines über Leroy Sané. Zu dem aber gab es "keine Auskunft". Dafür erfuhr die Öffentlichkeit andere Dinge, durchaus erstaunliche. Zu denen gehörte freilich nicht, dass der französische Weltmeister Benjamin Pavard, dessen Präsentation Anlass für das bereits vierte Münchener Pressegespräche in dieser Woche war, seine Lust verkündete mit dem FC Bayern "alle Titel zu gewinnen." Auch nicht besonders aufregend ist die signalisierte Bereitschaft des 23-Jährigen, dort zu spielen, wo der Coach ihn aufstellt. Ob Abwehr oder Mittelfeld, egal.

Oder auch nicht. Denn diese Flexibilität, die zumindest für alle Positionen in der Abwehr auch auf Pavards WM-Kollegen Lucas Hernández passt, ist der eine der beiden leitenden Gedanken beim Zusammenstellen des aktuellen Kaders. Das hat der Sportdirektor nun erklärt. Der andere Gedanke: innere Ruhe. Die war in der vergangenen Saison nicht gegeben, das hatte zunächst Rafinha geschimpft und nun auch nochmal Karl-Heinz Rummenigge bei Sport1 erklärt. So habe nach dem 3:3 gegen Fortuna Düsseldorf, Tiefpunkt in der Herbstkrise der vergangenen Saison, "in der Kabine Explosionsgefahr" geherrscht. Immer wieder ging es in diesen Diskussionen um den Coach, um sein System, seine Rotation, seine Moderation. In dieser Spielzeit soll die Lunte erst gar kein Feuer fangen. Mit Mats Hummels, Franck Ribéry, Arjen Robben, Rafinha und James Rodriguez wurden fünf mehr oder weniger trainerkritische Spieler abgegeben.

"... und nicht nur Theater"

"Wir lagen", so sagt Salihamidzic, "was die Einsatzzeiten angeht, in den letzten Jahren mit dem schmalen Kader richtig", sagte er, "man muss dem Trainer die Möglichkeit geben, gute Stimmung zu haben - nicht nur Theater. Deshalb der schmale Kader. Die Idee hinter der Planung ist, flexible Spieler zu haben, die auf mehreren Positionen einsetzbar sind." Aktuell umfasst das Aufgebot 17 Feldspieler und drei Torhüter. Die zuletzt unzufriedenen Jérôme Boateng und Renato Sanches gelten aber nach wie vor als Kandidaten für eine neue Herausforderung. Alphonso Davies - Zugang in der vergangenen Winterpause - und Fiete Arp, Sommerzugang vom Hamburger SV, fallen für den Trainer erstmal noch in die Kategorie "Jugendspieler". Zur erfolgreichen Umsetzung von Niko Kovac' Saisonplan mit 16 etablierten Fußballern und vier Talenten hat der FC Bayern trotz gerechtfertigter Kaderdiät noch reichlich Wegstrecke. Und natürlich wiederholt der Sportdirektor auch sein ewiges Mantra. Irgendwas zwischen vier- und elfmal sagt er: "Wir wollen versuchen, ein paar Sachen umzusetzen."

Dabei setzt Salihamidzic auf kreative Lösungen: "Der Transfermarkt ist durch verschiedene Gelder im internationalen Markt nicht einfacher geworden. Man muss andere Argumente haben und das haben wir bei den beiden Weltmeistern geschafft." Um die "auf dem Papier" schon richtig gute Mannschaft weiter zu verstärken, "muss man etwas Besonderes holen.“

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"Dominostein" Griezmann ist gefallen - und nun?

(Foto: imago images / PanoramiC)

Die Umsetzung dessen, die hatten sie ja stets an den Transfer-"Dominostein" geknüpft, der im international erst fallen müsse, damit der Markt richtig in Bewegung kommt. Bei dieser Bewertung hatten sie zumindest mal die sehr teuren Transfers von Eden Hazard (vom FC Chelsea zu Real Madrid) und von João Felix (von Benfica Lissabon zu Atlético Madrid) nicht einkalkuliert, mit dem nun aber endlich vollzogenen Wechsel Antoine Griezmanns zum FC Barcelona müsste dieser Effekt aber nun einsetzen. Denn an diesem Transfer, so wird ja gemutmaßt, hängt die Zukunft von Neymar bei Paris St. Germain. Und von dessen Zukunft solle ja halt die Zukunft von Ousmane Dembéle abhängen und irgendwie auch die von Leroy Sané. Und deren Pläne haben selbstverständlich Auswirkungen auf die Pläne von: 

  • Cengiz Ünder, 21 Jahre, Rechtsaußen; Marktwert: 35 Millionen Euro
  • Steven Bergwijn; 21 Jahre, Linksaußen; Marktwert: 35 Millionen Euro
  • Éverton, 23 Jahre, Linksaußen; Marktwert: 20 Millionen Euro
  • Alexander Nübel, 22 Jahre, Torwart; Marktwert: 12 Millionen Euro
  • Dani Olmo, 21 Jahre; Offensives Mittelfeld; Marktwert: 15 Millionen Euro
  • Leon Bailey, 21 Jahre; Linksaußen; Marktwert: 40 Millionen Euro
  • Marc Roca, 22 Jahre, Defensives Mittelfeld; Marktwert 30 Millionen Euro
  • Yannick Carrasco, 25 Jahre, Linksaußen; Marktwert: 20 Millionen Euro
  • Hakim Ziyech, 26 Jahre, Rechtsaußen; Marktwert: 40 Millionen Euro
  • Timo Werner, 23 Jahre, Mittelstürmer; Marktwert: 65 Millionen Euro
  • Joao Cancelo, 25 Jahre, Rechter Verteidiger; Marktwert: 55 Millionen Euro
  • Mario Mandzukic, 33 Jahre; Mittelstürmer; Marktwert: 18 Millionen Euro
  • Benjamin Henrichs, 22 Jahre; Rechter Verteidiger; Marktwert: 15 Millionen Euro
  • Samuele Vignato, 15 Jahre, Stürmer; Marktwert: unbekannt
  • Emanuel Vignato, 18 Jahre, Rechtsaußen; Marktwert: 2,5 Millionen Euro
    (alle Namen wurden in dieser Woche - von welchen Quellen auch immer-  mit dem FC Bayern verknüpft):

Ob das "Besondere", nach dem Salihamidzic auf seiner Suche nach Verstärkungen wühlt, dabei ist? Ob sich in der Liste tatsächlich auch Fußballer befinden, die ein Karl-Heinz Rummenigge als "Topspieler bezeichnen" würde? Geduld! Und schweigen. Mia sagen nix mehr.

Quelle: n-tv.de

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