Fußball

Kaderdissens beim FC Bayern Salihamidzic rüffelt und ernüchtert Flick

Beim FC Bayern ist jetzt der Sportdirektor gefragt: Nachdem Hansi Flick öffentlich und deutlich personelle Verstärkungen gefordert hat, muss Hasan Salihamidzic nun liefern. Auf die Ansage seines Trainers reagiert er indes mit einem Rüffel - und einer ernüchternden Nachricht.

Oliver Kahn darf sich bestätigt fühlen. Und das schon am ersten Tag nach seiner offiziellen Vorstellung als Lernender im Vorstand des FC Bayern. Diskussionen zu führen, deren Inhalte intern bleiben, so hatte er am Dienstag gesagt, sei in München ja nicht so leicht. Es ist, als wäre dieser Mann nie weggewesen. Nicht knapp zwölf Jahre. Aber gut, er sagt es ja selbst: "Die DNA steckt so tief in einem drin, dass man diesen Verein nie verlassen kann." Nun ist es nicht so, dass er in die nächste ungewollt öffentliche Diskussion involviert ist. Ein bisschen Welpenschutz beim Comeback wird ihm schon gewährt. Und so steht in der einen Ecke Cheftrainer Hansi Flick. Und in der anderen Sportdirektor Hasan Salihamdizic.

Flick, der Herausforderer, hatte Salihamidzic, dem Geforderten, am Mittwoch den Fehdehandschuh vor die Füße geworfen. Via "Süddeutscher Zeitung" forderte er zum wiederholten Male für die Rückrunde vehement mindestens zwei neue Fußballer für den Bundesligisten, den er vorerst bis Sommer aber womöglich auch darüber hinaus trainieren darf. Und seine Forderung ist gut begründet: mit zahlreichen Ausfällen. Vor allem in der Defensive, hier fehlen die Stammverteidiger Niklas Süle und Lucas Hernandez sowie Javier Martinez seit und wohl auch noch eine ganze Weile; und auf den Flügeln, Kingsley Coman ist verletzt und Serge Gnabry angeschlagen.

Teile von Flicks Klagelied klingen dann auch so: "Die Personalsituation ist echt mau." Die mangelnde Breite im zur Verfügung stehenden Kader besorgt ihn, "gerade wenn man sieht, wie sich die Konkurrenz verstärkt hat." Besonders der Transfer des überall begehrten Stürmers Erling Haaland zu Borussia Dortmund hat die Ohren schlackern lassen. Auch in München. Nun ist der BVB wie auch der FC Bayern vorerst nur Verfolger, von Spitzenreiter RB Leipzig und des Tabellenzweiten Borussia Mönchengladbach. Und an die wollen sich die Männer des Rekordmeisters möglichst schnell ranrobben. Am besten schon über die Hertha in Berlin zum Start der Rückrunde am 19. Januar (ab 15.30 Uhr im Liveticker bei ntv.de).

Mehr Substanz und Qualität für die Tiefe

"Durch die Gelbsperre von Joshua Kimmich haben wir im Moment nur zehn etablierte Feldspieler für den Auftakt zur Verfügung", sagte Flick der "Süddeutschen Zeitung". Für höchste Ziele und eben Titelgewinne, die Flick als Ambition gerne mitträgt, brauche man jedoch "auch einen Kader, der in der Tiefe genügend Substanz und Qualität besitzt". Aktuell sei man da "nicht optimal aufgestellt". Ohne einen Adressaten zu nehmen, wusste der Adressat aber auch so, dass er der Adressat war. Und glücklich ist Salihamidzic über die Ansage an ihn nicht. Auch wenn er Kritik am Kader und seiner eigenen Zögerlichkeit ja bereits aus dem Sommer kennt. Glücklich ist er vor allem nicht über den Kanal, über den sie ihn nun erreicht hatte. "Ich war überrascht über das mediale Betreiben der Kaderplanung. Davon bin ich kein Freund." Zumal er sich ja mit dem Trainer, "sowieso die ganze Zeit" austausche.

Salihamidzic über Nübel

Sportdirektor Hasan Salihamidzic hat eine angebliche Zusicherung an Schalkes Torwart Alexander Nübel für Einsatzzeiten beim FC Bayern in der kommenden Saison nicht bestätigt. Er verteidigte die Verpflichtung des Talentes indes und bekräftigte den Wunsch nach einer Vertragsverlängerung mit Kapitän Manuel Neuer. Nübel sei "ehrgeizig, er ist sehr selbstbewusst, aber er wird sich unterordnen. Er freut sich auf die Zusammenarbeit mit Manuel". Auf die Frage, ob Nübel auch ausgeliehen werden könnte, antwortete Salihamidzic mit einem klaren "Nein". Er stuft den viel diskutierten Transfer "strategisch und qualitativ" als "Riesengewinn" für den FC Bayern ein.

Damit ist das ganze Ausmaß des Dissens aber auch bereits erfasst. Denn über den allgemeinen Zustand des Kaders, so sieht es Salihamidzic, gebe es keine unterschiedlichen Meinungen. Und überhaupt dürfe Flick seine Meinung, in diesem Fall seine Kaderanalyse, natürlich sagen. Flick würde schließlich nun als Cheftrainer auch den großen Erwartungsdruck in München spüren. Die Personaldecke, damit ist Salihamidzic dann wieder zurück beim Kaderthema, könnte demnach gerne ein wenig dicker sein. Dass das Bestücken des Aufgebots in seinem Aufgabenfeld beheimatet ist, ist unstrittig. Ebenso unstrittig, zumindest aus Sicht des Bosniers: Zugänge gibt's nur, wenn sie wirkliche Verstärkungen sind. Und das sei im Winter eben eine komplizierte Herausforderung. "Wir prüfen die Optionen, die in dieser Transferperiode schwierig zu finden sind. Und Topspieler werden von den Klubs nicht freigegeben", sagte Salihamidzic, zumal der FC Bayern "einen Spieler, der uns jetzt gleich hilft" benötige. "Ich möchte unserem Trainer helfen." Die Linie, so ist das, gebe der Sportdirektor vor. Man sei aber noch "in keiner Sache weit".

Das bedeutet, und damit kehrt endlich Ruhe in den wilden Update-Wahnsinn ein, auch dass Leroy Sané, der nach seinem Kreuzbandriss bald wieder trainieren soll, aktuell "kein Thema" in München ist. Ob und wer Thema ist, das verriet Salihamidzic nicht. Den Fehler des vergangenen Winters, als er allzu offen über das Transferziel Callum Hudson-Odoi flötete, will er nicht wiederholen. Als Kandidaten wurden in den Medien zuletzt unter anderem die Rechtsverteidiger Lukas Klostermann, Benjamin Henrichs und Joao Cancelo genannt. Die Position ist für Flick von ganz besonderer Bedeutung, um Kimmich als Sechser dauerhaft ins Mittelfeld versetzen zu können und dann für Benjamin Pavard eine Alternative zu haben.

Kein Transfer der gehandelten Kandidaten scheint derzeit wahrscheinlich. Und so lässt sich Salihamidzic alles offen. Ob Leihe oder Kauf, das sei nicht relevant, lediglich die Qualität sei das Kriterium. "Unsere Mannschaft zu verstärken, ist schwer." Und so warf er dann den Fehdehandschuh eiligst wieder zu Flick zurück: Auch ohne zusätzliche Spieler seien die Saisonziele nicht in Gefahr, sagte der Bosnier. Und er sagte auch: "Die Zukunft des FC Bayern hängt nicht von einem Rechtsverteidiger ab." Das wiederum sieht Flick dann aber offenbar doch ein wenig anders.

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Apropos FC Bayern: Die Münchner haben einen neuen Souverän: Auch wenn Oliver Kahn in den Vorstand erstmal einsteigt, um zu lernen, gewinnt der FC Bayern mit ihrem ehemaligen Torwart sofort an Professionalität. Die Ziele, die er für die Zukunft formuliert, könnten nicht bayern-liker sein. Unseren Bericht dazu lesen Sie hier.

Quelle: ntv.de