Fußball

Kritik nach Corona-Ausbruch Tönnies gibt alle Ämter beim FC Schalke ab

Clemens Tönnies legt sein Amt als Aufsichtsratschef beim FC Schalke 04 nieder. Der 64-Jährige war nach einem Corona-Ausbruch in seiner Fleischfabrik massiv in die Kritik geraten. Der Rücktritt trifft den Klub inmitten einer schweren Krise.

Der mächtige Aufsichtsratschef Clemens Tönnies legt beim Fußball-Bundesligisten Schalke 04 seine Ämter nieder, wie der 64 Jahre alte Unternehmer auf Anfrage von ntv/RTL bestätigte.

Die Schalker Ultra-Bewegung hatte zuletzt nochmals intensiv den Abschied des milliardenschweren Fleischfabrikanten gefordert, der sich im vergangenen August in einer Rede rassistisch geäußert hatte. In Tönnies' Zerlegebetrieb in Rheda-Wiedenbrück hatte es zuletzt einen großen Corona-Ausbruch mit mehr als 1500 Fällen gegeben. Tönnies sitzt neben seinem Aufsichtsratsmandat auch im Schalker Wirtschaftsausschuss und im Eilausschuss für sportliche Entscheidungen.

"Wir haben den FC Schalke 04 mit Herzblut und hohem persönlichen Engagement erfolgreich durch viele Krisen geführt", schrieb Tönnies in einem Rücktrittsschreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, "aus denen wir immer gestärkt hervorgegangen sind." Das erneut zu schaffen, wird zur Herkules-Aufgabe - für die Schalker, die am Dienstag den bisherigen stellvertretenden Vorsitzenden Jens Buchta zum neuen Aufsichtsratschef wählten

"Keine Ausbeuter bei S04"

Tönnies gehörte dem Aufsichtsrat des Bundesligisten seit 1994 an, stand seit 2001 an der Spitze des Gremiums. Mit dem Rücktritt des 64-Jährigen steht Schalke vor einem massiven Umbruch. Der Revierklub erlebte die schlechte Rückserie der Vereinsgeschichte und blieb 16-mal in Folge ohne Sieg. Nur der gute Saisonstart verhinderte, dass die Königsblauen in ernsthafte Abstiegsgefahr gerieten.

Dazu kommen Verbindlichkeiten von knapp 200 Millionen Euro, die auf dem FC Schalke lasten. Nach dem erneut verpassten Einzug in den Europapokal fehlen dem Klub dringend benötigte Einnahmen, in der Corona-Krise sprachen die S04-Verantwortlichen von einer sehr ernsten Lage. Das "Handelsblatt" berichtete, dass das Bundesland Nordrhein-Westfalen seine Hilfe zugesagt habe. Demnach gewähre die Regierung von Ministerpräsident Armin Laschet eine Landesbürgschaft von rund 40 Millionen Euro.

Hinzu kam der Ärger um Tönnies, der sich immer heftiger entlud. Am Eingang der alten Schalker Glückauf-Kampfbahn prangte zuletzt ein Banner mit der Aufschrift: "Keine Ausbeuter bei S04 - Tönnies Raus!" Und an einer Brücke und am Bauzaun des alten Parkstadions gab es Plakate mit gleichlautenden Rücktrittsforderungen. Und: "Keine Rassisten auf Schalke!"

Quelle: ntv.de, tsi/sid