Fußball

Karlsruhe schenkt Nürnberg ein Union Berlin stoppt Leipzig

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Zwei Tore im zweiten Spiel: Unions Sebastian Polter.

(Foto: dpa)

Dem Fanprotest folgt der Sieg: In der Alten Försterei in Berlin erlebt Leipzig seine erste Saisonniederlage in der 2. Liga, weil ein Neuzugang doppelt trifft. Düsseldorf gewinnt gegen Heidenheim. Karlsruhe reicht gegen Nürnberg eine Halbzeit.

Erst der heftige Fan-Protest gegen das "Kunstprodukt" RB Leipzig, dann der Triumph auf dem Rasen: Union Berlin erlebte am sechsten Spieltag der 2. Fußball-Bundesliga einen emotionalen Sieg. Die "Eisernen" erkämpften gegen den hochambitionierten Gast aus Sachsen durch zwei Treffer von Sebastian Polter (70./83.) einen verdientes 2:1 (0:0) und feierten den ersten Dreier der Saison. Yussuf Poulsen (77.) hatte zwischenzeitlich ausgeglichen.

Zeitgleich setzte es für Bundesliga-Absteiger 1. FC Nürnberg beim Karlsruher SC ein deftiges 0:3 (0:3). Fortuna Düsseldorf gewann vor eigenem Publikum 3:2 (2:1) gegen den 1. FC Heidenheim.

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Da waren sie auf einmal schwarz: Union-Fans protestierten mit Schweigen und ihrer Kleidung.

(Foto: dpa)

In Berlin erwischte der von Brause-Milliardär Dietrich Mateschitz finanzierte RB Leipzig einen schlechten Tag. Die Sachsen kassierten ihre erste Niederlage und verpassten gleichzeitig den Sprung an die Tabellenspitze. "Wir haben versucht, auf Sieg zu spielen, und sind in einen Konter gelaufen", meinte RB-Torhüter Benjamin Bellot. "Wir haben nicht den besten Fußball gespielt", gab Union-Trainer Norbert Düwel auf der Gegenseite zu, "aber wir haben endlich einen Dreier eingefahren, das löst einiges."

Union bot vor 21.366 Zuschauern einen großen Kampf und verbesserte sich durch den ersten Saisonsieg auf den 14. Platz. Trotz der vielen Rückschläge in den letzten Wochen gingen die Berliner die Aufgabe mutig an. Der 19-jährige Eroll Zejnullahu ließ bei seinem zweiten Einsatz von Beginn an sein Können aufblitzen. In der 37. Minute war es dann Polter, der Leipzigs Schlussmann Benjamin Bellot mit einem Weitschuss auf die Probe stellte.

Aufsteiger tritt selbstbewusst auf

Leipzig besaß die bessere Spielaufteilung, die Körpersprache verriet deutlich mehr Selbstbewusstsein als beim Gegner. Allerdings fehlte im Abspiel oft die Präzision. In der 22. Minute zog sich RB-Kapitan Daniel Frahn den Unmut der Zuschauer zu, als er mit einer Schwalbe im Strafraum einen Elfmeter erzwingen wollte. Schiedsrichter Tobias Stieler zeigte ihm Gelb, umstritten war die Entscheidung trotzdem, denn eine Berührung schien es gegeben zu haben.

Brenzlig für Union wurde es immer, wenn Leipzigs Poulsen in den gegnerischen Strafraum eindrang. Zweimal fiel der RB-Stürmer, doch beide Male ließ Stieler weiterspielen. In der 76. Minute war Poulsen dann aber zur Stelle und markierte das 1:1, nachdem zuvor Polter zum 1:0 getroffen hatte. Zuvor hatten Unions Fans ihrer Wut gegen den angeblichen "Kunstverein" aus Leipzig Luft gemacht. In den ersten 15 Minuten verzichteten sie auf Sprechchöre. Eine seltene Stille breitete sich im Stadion An der Alten Försterei aus.

Die 20.000 schwarzen Regenjacken, die zuvor verteilt wurden und den Tod der Fankultur in Leipzig symbolisieren sollten, blieben jedoch weitgehend unbenutzt. Zudem bekundeten die Anhänger der "Eisernen" ihre Vorbehalte gegen den vermeintlichen Retortenklub mit Plakaten. "In Leipzig stirbt die Fußballkultur" und "Fußball braucht Mitbestimmung, Treue, Stehplätze, Emotionen, Financial Fair Play, Tradition, Transparenz, Leidenschaft, Geschichte, Unabhängigkeit", war in großen weißen Lettern auf schwarzen Transparenten zu lesen.

Düsseldorf findet Anschluss nach oben

Fortuna Düsseldorf nahm derweil die Spitzengruppe ins Visier: Die Mannschaft von Trainer Oliver Reck bezwang den Aufsteiger 1. FC Heidenheim mit 3:2 (2:1) und verbesserte sich nach dem dritten Dreier in Folge mit elf Punkten auf den fünften Platz.
Charlison Benschop legte mit seinen Saisontoren Nummer drei und vier (23. und 42.) die Basis für den ersten Erfolg im dritten Anlauf in der heimischen Esprit Arena. Das Siegtor erzielte vor 27.681 Zuschauern der eingewechselte Joel Pohjanpalo (82.). Für den Zweitliga-Neuling, der nach drei Spielen erstmals wieder als Verlierer vom Platz ging, traf Florian Niederlechner doppelt (37. und 68.).

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Wo ist der Ball? Der 1. FC Nürnberg war in der ersten Halbzeit deutlich von der Rolle.

(Foto: imago/Zink)

Bei den Gastgebern fehlte der Brasilianer Bruno Soares, gegen den wegen häuslicher Gewalt ermittelt wird. Heidenheims Trainer Frank Schmidt fand bei Sky die Niederlage "extrem ärgerlich, weil wir zweimal nach einem Rückstand zurückgekommen sind und die Tore viel zu einfach bekommen haben". Benschop hätte schon vor dem überraschenden Ausgleich der Gäste für die Vorentscheidung sorgen können. Der Niederländer, der beim 1:0 Axel Bellinghausens Pass in die Mitte verwertete, scheiterte allein vor Torwart Jan Zimmermann (29.). Niederlechners sehenswerter Direktabnahme zum 1:1 ging eine weite Flanke von Robert Strauß voraus.

Nürnberg ohne Ideen

Der 1. FC Nürnberg verlor auch beim Karlsruher SC nach einer desolaten Vorstellung in Halbzeit eins verdient mit 0:3 (0:3) und muss sich nach der vierten Pleite nach unten orientieren. Dagegen setzt sich der noch ungeschlagene KSC nach dem dritten Saisonsieg in der Spitzengruppe fest und ist Tabellendritter. Hiroki Yamada brachte die überlegenen Badener, die am Mittwoch das Spitzenspiel in Leipzig bestreiten, in der 9. Minute früh in Führung.

Die FCN-Defensive machte dabei einen reichlich unsortierten Eindruck. Reinhold Yabo legte in der 20. Minute nach. Vorausgegangen war ein leichtfertiger Fehlpass von Javier Pinola im Spielaufbau. Mit seinem zweiten Treffer kurz vor der Pause (40.) sorgte der Ex-Kölner Yabo schon vor der Pause vor 19.944 Zuschauern für die Entscheidung. Koen van der Biezen scheiterte zudem in der 89. Minute mit einem Handelfmeter an Club-Keeper Raphael Schäfer. Durch die erneute Niederlage wird sich die Unruhe in Nürnberg weiter erhöhen. Vor allem Sportvorstand Martin Bader, der schon vor der Partie von einer "nicht optimalen Saison" sprach, steht vehement in der Kritik. Aber auch Trainer Valerien Ismael dürfte langsam ins Kreuzfeuer geraten. Der Druck vor dem Spiel in Heidenheim am Mittwoch ist auf jeden Fall groß.

Quelle: ntv.de, rpe/sid