Fußball

Zwei FIFA-Wahlsiege gekauft Warner: Blatter hat bestochen

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Jack Warner hat im Weltfußball jahrelang die Hände aufgehalten - nicht nur um Bälle zu fangen.

(Foto: dpa)

Neuigkeiten aus dem Korruptionssumpf: Der nach Bestechungsvorwürfen aus dem Fußball-Weltverband zurückgetretene Jack Warner will wieder einmal Beweise vorlegen, die zeigen: FIFA-Präsident Joseph Blatter hat sich seine Wahlsiege 1998 und 2002 erkauft. Gegen FIFA-Exekutivmitglied Ricardo Teixeira wird derweil in Brasilien erneut ermittelt.

Ende Mai 2011, kurz vor der Wiederwahl des skandalumtosten FIFA-Präsidenten Joseph Blatter, hatte Jack Warner seine Dreckschleuder schon einmal geladen. Im Visier: Blatter, der sich im schmutzigen Wahlkampf auf dubiose Weise seines Konkurrenten Mohamed Bin Hammam und dessen Helfers Warner entledigt hatte. Ein "Fußball-Tsunami" werde die Welt treffen, so brisant seien die Enthüllungen über korrupte Praktiken Blatters, kündigte Warner damals an.

Er war ernst zu nehmen, denn der Mann aus Trinidad und Tobago gilt neben dem Brasilianer Ricardo Teixeira als jener FIFA-Funktionär, der sich mit seinen Posten und Verbindungen im Weltfußball am ungeniertesten selbst die Taschen vollgemacht hat. Mit Korruption kennt sich Warner bestens aus. Doch Warner lieferte nicht, angeblich aus Angst vor juristischen Verwicklungen. Das will er nun, kurz vor der Sitzung des neu formierten FIFA-Exekutivkomitees am Donnerstag und Freitag, nachholen.

Blatters "wahre Geschenke"

Warner will darlegen, dass er und der frühere FIFA-Präsidentschaftskandidat Mohamed Bin Hammam von Blatter benutzt worden sein sollen, um vor den Wahlen 1998 und 2002 wahlberechtigten Funktionären Geschenke anzubieten. Unter diesen Funktionären soll auch Petrus Damaseb gewesen sein, der es inzwischen zum Vize-Präsidenten der FIFA-Ethikkommission geschafft hat.

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Joseph Blatter soll die Delegierten bei den FIFA-Kongressen 1998 und 2002 nicht allein mit Argumenten von sich überzeugt haben.

(Foto: dpa)

"Die Wahrheit ist, dass es viel zu sagen gibt darüber, wie die FIFA ihre Geschäfte führt. Ich habe in der Vergangenheit einen Tsunami angekündigt, der die FIFA treffen wird, und dieser wird kommen", schrieb Warner in einem Brief, aus dem die Zeitung "Trinidad Guardian" zitiert: "All die wahren Geschenke, die Blatter gemacht hat um seine beiden Wahlen zu sichern, werden den Leuten die Mägen umdrehen."

Warner und Bin Hamman galten jahrelang als treue Stimmenbeschaffer des Schweizers. Laut Warner hätten sie Blatter "mit auf einen weltweiten Feldzug genommen, um ihn zu unterstützen. Und er hat gewonnen". Damals habe Warner auch erstmals Damaseb getroffen, zu dieser Zeit Präsident des namibischen Verbandes: "Ich werde der Welt offenbaren, welches Geschenk Bin Hammam ihm gemacht hat, das damals - im Gegensatz zu seiner heutigen Auffassung - keine Bestechung war."

Unter dem Vorsitz von Damaseb hatte die FIFA-Ethikkommission Ende Juli verfügt, dass Bin Hammam lebenslang aus der FIFA ausgeschlossen wurde. Er soll gemeinsam mit Warner Geldgeschenke an Mitglieder der Karibischen Fußball-Union (CFU) verteilt haben, um sich ihre Stimmen für die Präsidentenwahl zu sichern. Warner war seinem Rauswurf mit seinem Rücktritt zuvorgekommen, woraufhin die FIFA ohne Not alle Ermittlungen gegen ihn eingestellt hatte.

Kein Unrechtsbewusstsein

Korruptionsvorwürfe gegen Blatter waren schon kurz nach seiner erstmaligen Wahl 1998 in Paris laut geworden. Damals hatten die afrikanischen Delegierten ihre Stimme dem Schweden Lennart Johansson versprochen, aber für den Schweizer Blatter gestimmt - nachdem dieser sie mit jeweils 50.000 Dollar in Briefumschlägen überzeugt haben soll. Überbracht wurden die Umschläge nach Recherchen des investigativen Journalisten Andrew Jennings von Mohamed Bin Hammam, was Warner nun indirekt bestätigte.

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Warner kennt sich mit Korruption bestens aus. Er gilt als eine der größten Skandalnudeln im Weltfußball.

(Foto: dpa)

Kurioserweise entlastet Warner den Katarer in seinem Brief von jeglichen Korruptionsvorwürfen und lässt jegliches Unrechtsbewusstsein vermissen. Stattdessen beschuldigt er die FIFA einer rassistisch motivierten Kampagne gegen ihn und Bin Hammam, damit kein Farbiger an die Spitze des Fußball-Weltverbandes gewählt werde. Dass Warner sich unter anderem mit dem Schwarzhandel von WM-Tickets illegal bereichert und die Fußball-Nationalmannschaft von Trinidad und Tobago um Sponsorenprämien für die WM-Teilnahme 2006 geprellt hat, bleibt unerwähnt. Der Fußball-Weltverband FIFA hat sich an diesen kriminellen Praktiken nie gestört: Gehen mussten Warner und Bin Hammam erst, als sie sich gegen Präsident Blatter stellten.

Neue Ermittlungen gegen Teixeira

Nach wie vor Mitglied der FIFA-Exekutive ist der Brasilianer Ricardo Teixeira. Der skandalumwitterte Funktionär steht in seiner Heimat erneut im Visier der Ermittler. Sie prüfen Korruptionsvorwürfe aus den 1990er Jahren, die schon mehrfach Gegenstand von Untersuchungen waren, allerdings folgenlos für Teixeira. Der Verbandspräsident und Chef des WM-Organisationskomitees 2014 soll gemeinsam mit seinem Bruder, Guilherme Teixeira, über die Liechtensteiner Firma Sanud Geldwäsche und Korruption betrieben haben.

Nach Recherchen von Andrew Jennings für die britische BBC sind über Sanud mindestens 9,5 Millionen Dollar Schmiergeld an Teixeira geflossen. Sie wurden vom Sportvermarkter ISL gezahlt, der 2001 in Konkurs gegangen war und zuvor jahrelang lukrative Verträge mit der FIFA abgeschlossen hatte - dank der Bestechung von Funktionären und toleriert von FIFA-Boss Blatter. Der 64-jährige Teixeira hat die Vorwürfe wie die FIFA stets zurückgewiesen, der Fußball-Weltverband sogar hochbezahlte Anwälte engagiert, um die bekannten Namen der Schmiergeldempfänger geheim zu halten.

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Ricardo Teixeira hatte als brasilianischer Verbandspräsident und WM-Organisationschef einen Vertrag mit sich selbst geschlossen, der ihm die Hälfte der WM-Gewinne garantierte, aber keine Beteiligung an möglichen Verlusten. Inzwischen wurde der Vertrag gelöst.

(Foto: REUTERS)

Hochgekocht waren die Vorwürfe im Rahmen der skandalösen WM-Vergaben an Russland und Katar im Dezember 2010 und dann noch einmal beim FIFA-Kongress 2011. Nach seiner Wiederwahl am 1. Juni 2011 hatte FIFA-Präsident Blatter wieder einmal Reformen versprochen, um das ramponierte Image aufzupolieren und die grassierende Korruption zu bekämpfen, die er jahrelang toleriert hat. Am Donnerstag und Freitag kommt die Exekutive nun erstmals in Zürich zusammen. Anschließend sollen die Reformen präsentiert werden. Ein großer Wurf ist nicht zu erwarten. Neben Teixeira sind mit Issa Hayatou (Kamerun) und Nicolas Leoz (Paraguay) zwei weitere bekannte Schmiergeldempfänger unverändert Mitglieder der Fußball-Weltregierung.

Quelle: ntv.de, mit sid

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