Fußball

FBI-Ermittlungen Warum trat Blatter zurück?

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Blatter leitete die Fifa seit 1998.

(Foto: picture alliance / dpa)

Erst lässt er sich wieder wählen, dann tritt Joseph Blatter zurück. Über die Motive rätselt die Fußballwelt. Der scheidende Fifa-Chef steht angeblich unter großem juristischen Druck. Der Weltverband muss sich derweil auf einen schweren Neuanfang einstellen.

Auch am Morgen nach der völlig überraschenden Rücktrittsankündigung rätselt die Fußball-Welt weiter über die Motive von Fifa-Präsident Joseph Blatter. Nachdem der 79-jährige Schweizer sich immer jeglicher Kritik widersetzt, sämtliche Krisen überstanden und am vergangenen Freitag die Wahl zum Chef des Weltverbandes erneut gewonnen hatte, sind die Beweggründe für seinen nun freiwilligen Abschied nicht einwandfrei geklärt.

"Liegt gegen ihn etwas Belastendes vor? Oder reicht ihm die Wiederwahl von letzter Woche für sein Vermächtnis?", fragte das Blatter oft freundlich gesonnene Boulevardblatt "Blick" aus dessen Schweizer Heimat. Frankreichs "Le Figaro" meinte: "Eine unglaublich dramatische Wendung, verursacht durch eine weitere Enthüllung." Die englische Zeitung "The Times" blickte schon auf die anstehenden Aufgaben: "Die Fifa muss nun einen unwahrscheinlich anmutenden Prozess einleiten, um einen ehrlichen Führer zu suchen."

Berichte der Zeitung "New York Times" und des Senders ABC legen den Schluss nahe, dass Blatter nur auf juristischen Druck - und eventuell sogar in einer Kurzschlussreaktion - agiert haben könnte. Das FBI soll auch gegen ihn ermittelt haben. Das berichtete am Dienstag die "New York Times" unter Berufung auf Ermittler. Die Zeitung hatte in der Vorwoche die Verhaftungen von führenden Fußball-Funktionären als erste publik gemacht und den Anstoß zur neuen Eskalationsstufe der massiven Fifa -Glaubwürdigkeitskrise kurz vor Blatters dennoch geglückter Wiederwahl am Freitag gegeben.

"Meine tiefe Fürsorge für die Fifa ..."

Auch der US-Fernsehsender ABC hat die - sofern korrekt - für Blatter verheerenden Informationen und beruft sich auf Personen, die mit dem Fall vertraut seien. Einzelheiten, was die Ermittlungen ergeben haben oder ob sie andauern, wurden nicht bekannt. Das FBI weigerte sich die Berichte zu kommentieren. Doch sogar aus dem Blatter-Umfeld kommen Andeutungen. Die amerikanische Nachrichtenagentur AP zitierte dessen langjährigen Freund, Walter Gagg: "Ich hatte ein sehr gutes Treffen mit ihm heute früh. Dann kamen die anderen Informationen aus den USA mit diesem und jenem." Ein weiteres Indiz für unangenehme Nachrichten aus Amerika für Blatter.

Corinne Blatter-Andenmatten, die Tochter  von Blatter, hat die Gerüchte dementiert, dass die  Rücktrittsankündigung ihres Vaters als Fifa-Präsident mit  neuerlichen FBI-Ermittlungen zu tun haben. "Er ist ein großartiger  Mensch. Mit dieser Entscheidung wollte er in erster Linie auch uns,  seine Familie, schützen", sagte sie im Schweizer "Blick": "Seine  Entscheidung hat nichts, aber auch gar nichts, mit den kursierenden  Anschuldigungen zu tun. Mein Vater ist ein ehrlicher Mensch, der sein Leben dem Fußball gewidmet hat."

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Muss die Fifa zerschlagen werden?

Die Ankündigung ihres Vaters sei insofern eine Erleichterung,  als der von allen Seiten aufgebaute Druck jetzt wegfalle: "Zuletzt  ging es nur noch darum, ihn fertigzumachen. Das hat mir extrem  wehgetan." Blatter-Andenmatten wünsche sich "mir für meinen Vater  und für den Weltfußball, dass nun wieder Ruhe einkehrt. Vor allem  aber wünsche ich mir, dass die Weltöffentlichkeit endlich anerkennt,  was er in den letzten 40 Jahren Großartiges für den Fußball geleistet hat".

Blatter selbst hatte seine Demission so begründet: "Meine tiefe Fürsorge für die Fifa und ihre Interessen, die mir sehr am Herzen liegen, haben mich zu dieser Entscheidung bewegt." Seine Tochter Corinne gab sich beim britischen Sender BBC als treibende Kraft für die Meinungsänderung aus - als Selbstschutz für ihren Vater.

Im skandalumtosten Fußball-Weltverband beginnen nach dem sensationellen Schritt die keineswegs leichte Weichenstellung für die Zukunft. Denn ohne Blatter steht die Fifa vor einer Zäsur, die der scheidende Chef selbst noch einmal dramatisierte. Mit einem Vorschlagskatalog für Reformen, die er selbst in 17 Jahren Regentschaft entweder nicht anfasste oder nicht durchsetzte, hinterlässt Blatter seinem Nachfolger innerhalb der Fifa-Strukturen ein ungeheuer schweres Erbe voller Konfliktpotenzial.

Platini oder Al-Hussein?

Ein kleineres Exekutivkomitee (Exko), statt eines größeren, wie es Blatter noch am Wochenende wollte. Eine Wahl der Exko-Mitglieder durch den Kongress, statt durch die Konföderationen. Ein ethischer Eignungstest der Kandidaten durch die Fifa statt die Kontinentalverbände. Und zu guter Letzt: Eine Amtszeitbeschränkung für Exko-Mitglieder und den Präsidenten.

Nie wieder würde ein Fifa-Präsident mit der Macht regieren können, wie es Blatter tat. Die Spekulationen, wer dieses Erbe antreten könnte waren sofort im Gange. Michel Platini, Blatters Rivale der vergangenen Monate ist ebenso reflexartig dabei wie der am Freitag besiegte Prinz Ali bin Al-Hussein, der schon seine erneute Bewerbung in Erwägung zog. Der kurz vor der Wahl nicht angetretene Michael van Praag hält sich zunächst alles offen. Weiterer potenzieller Kandidat wäre Ahmad al Fahad al Sabah aus Kuwait - ein mit allen Machtmitteln ausgerüsteter Funktionär, der auch IOC-Präsident Thomas Bach ins Amt half. Gewählt werden soll der neuen Fifa-Boss bei einem außerordentlichen Kongress, offenbar nicht vor Dezember.

Im deutschen Fußball gab es über die Notwendigkeit eines Neuanfangs keine zwei Meinungen. "Dies ist ein guter Tag für den Weltfußball", sagte Ligapräsident Reinhard Rauball. DFB-Boss Wolfgang Niersbach, der als Exko-Mitglied nun nicht mehr in der Bredouille steckt, unter Blatter dem Gremium gar nicht angehören zu wollen, sagte: "Das ist die Entscheidung, die absolut richtig ist, die überfällig ist." Sogar Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier äußerte sich erleichtert: "Ich habe gesagt, es ist ein Neuanfang notwendig, wenn der Fußball und die Fußballbegeisterung überleben sollen."

Quelle: n-tv.de, cro/dpa/sid

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