Fußball

Knackt der Stratege die Bayern? Weigl dreht beim Stöger-BVB groß auf

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Weigl macht die Dortmunder Borussia mit cleverem Positionsspiel und als genialer Passgeber stark.

(Foto: imago/Chai v.d. Laage)

Seit Peter Stöger den angeschlagenen Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund trainiert, spielt Julian Weigl wieder da, wo er hingehört. Als Stratege im Mittelfeld könnte er im DFB-Pokal gegen den FC Bayern den Unterschied machen.

Julian Weigl ist weder ein Mann markiger Worte, noch ein Spieler markiger Taten. Der manchmal scheu wirkende Oberbayer macht ganz unbemerkt den Unterschied. Ein Sechser der Sorte Toni Kroos oder Sergio Busquets. Erst mit der Zeit lernt die breite Fußballöffentlichkeit die Klasse dieser Ausnahmestrategen zu schätzen, doch wenn die Dortmunder Borussia heute (ab 20:45 Uhr in der ARD und im Liveticker bei n-tv.de) das Achtelfinale im DFB-Pokal beim FC Bayern bestreitet, weiß wohl zumindest Trainer Peter Stöger, was er an Weigl hat.

Im Fall von Weigl kam der Aufstieg in die Spitze des Sports kometenhaft und gleichzeitig unerwartet. Beim TSV 1860 München, seinem Jugendverein, schlug er sich im rauen Alltag der zweiten Bundesliga achtbar, war aber an allen Ecken und Enden ge- und teilweise überfordert. Borussia Dortmund erkannte jedoch das Potenzial, das in dem jungen Mittelfeldspieler schlummert. Aus Weigl, mittlerweile Nationalspieler, wurde eine jener Piszczek- und Kagawa-Erfolgsstories, die ein Markenzeichen der Klopp-Ära waren. Vom Nischendasein in Nullkommanichts in die Spitze.

Doch nach zwei Spielzeiten beim BVB unter Thomas Tuchel, der Weigl förderte und forderte, schien der Stern des 22-Jährigen plötzlich wieder zu sinken. Erst verletzte er sich im Mai schwer am Sprunggelenk und verpasste die Saisonvorbereitung, dann setzte ihn Neu-Trainer Peter Bosz in einer für ihn ungewohnten Rolle ein. Außerhalb der Komfortzone versandete Weigl in Mittelmäßigkeit, ähnlich wie die Borussia als Ganzes.

Das Spiel lief an ihm vorbei

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Julian Weigl unter Peter Bosz: im Niemandsland des Dortmunder Mittelfelds.

Direkt zu Beginn seiner letztlich nur ein halbes Jahr dauernden Amtszeit krempelte Bosz den Spielaufbau des BVB nach seinen Vorstellungen um. Der Niederländer scheute nicht den Ballbesitz, aber Dominanz sollten seine Spieler durch Vertikalität und Intensität erzeugen. Weigl als tiefster Mittelfeldspieler im 4-3-3 war nun seltener gefragt. Die Innenverteidiger spielten quer oder direkt steil nach vorn - und damit an Weigl vorbei. Statt sich häufiger zwischen den Abwehrspielern zu positionieren, fristete er plötzlich ein Dasein im Niemandsland des Dortmunder Mittelfelds.

Im Wahnsinn des alltäglichen Gegenpressings konnte er weniger glänzen. Anders als etwa Sven Bender, den Dortmund im Sommer nach Leverkusen ziehen ließ, definiert sich Weigl nicht über Zweikampfintensität, sondern über cleveres Positionsspiel und allen voran seine sauberen Pässe. Da der BVB allerdings ab Mitte Oktober komplett die Kontrolle über das Geschehen auf dem Rasen verlor und jede Partie zu einer chaotischen Angelegenheit verkam, konnte er seine Stärken per se nicht in die Waagschale werfen. In der Kabine oder auf dem Rasen würde Weigl allerdings nie auf den Tisch hauen und Änderungen vom Trainer einfordern, obwohl es sein Spielverständnis und seine vergangenen Leistungen erlauben würden. Am Ende zog die Chefetage beim BVB die Notbremse und trennte sich nach einer langen Durststrecke von Bosz.

Mehr Freiheiten unter Stöger

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Julian Weigl unter Peter Stöger: essentielle Rolle.

"Heute war es so, wie ich das kenne", konstatierte Weigl erleichtert nach dem 2:0-Sieg beim FSV Mainz vor einer Woche. Es war das Debüt von Interimstrainer Peter Stöger, der seinem Sechser mehr Einfluss auf den Spielaufbau erlaubte. Im Stile von Jupp Heynckes bei Bayern München versucht Stöger, die strauchelnde Top-Mannschaft mit einem ruhigeren Spielkonzept wieder in die Erfolgsspur zu bringen. Weigl spielt dabei eine essentielle Rolle. Denn seine Ballsicherheit und die Aufbaupässe auf die Flügel und durch die Halbräume helfen den Dortmundern ungemein.

Anders als unter der Führung von Bosz durfte Weigl in den vergangenen beiden Partien häufiger zurückfallen und mehr Einfluss auf das Geschehen nehmen. Er spielte durchschnittlich 53 erfolgreiche Pässe gegen Mainz und Hoffenheim. In den Monaten zuvor waren es in der Bundesliga lediglich 45 pro Partie. Ein "bisschen freier" sei er nun in seinem Handeln. "Trotzdem soll ich auch jetzt zwischen den Ketten sein. Das gehört zu meinem Spiel dazu, aber es ist für mich einfach auch wichtig, dass ich die Freiheit habe, mir die Bälle auch hinten abholen zu können, um ständig im Spiel zu sein", sagte Weigl am Samstag nach dem 2:1 gegen die TSG Hoffenheim. "Wenn ich der Mannschaft so am besten helfen kann, wie ich es in den letzten zwei Jahren auch konnte, dann tut das beiden Seiten gut."

Härtetest gegen Bayern

Die größere Ruhe bei eigenem Ballbesitz wie auch in der Defensive hilft Weigl, wieder zu alter Stärke zu kommen. Gegen Hoffenheim wurde er beispielsweise mit der Aufgabe betraut, die Zone hinter Shinji Kagawa und Raphaël Guerreiro zu bewachen. Aufgrund des weniger aggressiven Anlaufens und der höheren Grundkompaktheit in der Dortmunder Formation schlug sich Weigl mehr als achtbar. Er wirkte endlich wieder wie der Stratege im Mittelfeldzentrum, zu dem er unter der Ägide Tuchels reifte.

Umso mehr wird es auf den Ex-Sechziger ankommen, wenn er mit den Dortmundern in seiner alten Heimat antritt. Im Pokalspiel beim FC Bayern werden der Stöger-BVB und seine neugewonnene Sicherheit erstmals hart getestet. Anders als Mainz und Hoffenheim werden die Münchner wohl versuchen, den Spielaufbau der Borussia frühzeitig zu stören. Die Ball- und Passsicherheit Weigls wird gefragt sein.

Gerade in hochklassigen und oftmals knappen Partien ist seine Spielauslösung - also das Einleiten von Angriffen, das Anfachen von Tempoverschärfungen oder die Verlagerung des Balls - von Bedeutung. Es mag dem Beobachter nicht immer direkt ins Auge stechen, aber selbst hinter simplen Pässen steckt oftmals mehr. Das ist der Stil eines Chefstrategen Weigl - und genau dafür braucht ihn der BVB.

Quelle: ntv.de

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