Fußball

Fragwürdiger Pakt zu Marco Reus Willkommen im modernen Menschenhandel

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Marco Reus und die Bayern, das Dauerthema dieser Saison.

(Foto: dpa)

Hinter dem Rücken von Marco Reus soll es einen Nicht-Wechsel-Pakt zwischen BVB und Bayern gegeben haben, von dem die Münchner nun nichts mehr wissen. Das wäre schlechter Stil - aber der BVB ist auch nicht viel besser.

Es ist erst ein paar Wochen her, da hat Christoph Kramer etwas gesagt, das einige Experten für ein wenig übertrieben hielten. Weil nicht er als Fußball-Profi, sondern die Vereine über seine sportliche Zukunft entscheiden, bezeichnete der von Leverkusen nach Gladbach ausgeliehene Nationalspieler das Fußball-Geschäft als "modernen Menschenhandel". Kurze Zeit später ruderte der Spieler zurück, "der Profi-Fußball hat mit Menschenhandel wirklich gar nichts zu tun", wurde Kramer zitiert: "Ich bin sogar unheimlich dankbar für dieses Leben."

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Zum angeblichen Pakt zwischen seinem BVB und den Bayern schweigt Reus.

(Foto: imago/Contrast)

Würde man Marco Reus darauf ansprechen, auch er würde sich über sein Dasein als Fußballer wohl auch nicht beschweren. Er spielt in seiner Heimatstadt Dortmund, ist dort mit einem gut dotierten Vertrag ausgestattet und hat die Aussicht auf eine große Karriere. Würde man Reus aber sagen, dass er diese Karriere nicht selbst lenken kann, möglicherweise käme ihm da ein ähnlicher Gedanke wie seinem Kollegen aus der Nationalmannschaft. Und liest Reus heute die Zeitungen, er dürfte sich wie im falschen Film vorkommen. Obwohl der 25-Jährige wegen eines Außenbandrisses noch länger ausfällt, berichtet jedes Sportportal über den Offensiv-Allrounder, der dafür praktisch gar nichts kann.

Zu verdanken hat Reus diese Aufmerksamkeit zwei Herren, die den Spieler schon seit Monaten zum Zankapfel erhoben haben. Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsboss der Bayern, und sein BVB-Kollege Hans-Joachim Watzke sollen sich vor einem Jahr darauf geeinigt haben, dass Reus nicht nach München wechseln wird. Laut "Spiegel" hat es am Rande einer Champions-League-Auslosung folgenden Pakt gegeben: Verhindert Dortmund, dass Robert Lewandowski einen Vertrag bei Real Madrid unterschreibt und stattdessen bald in Lederhosen aufläuft, lassen die Bayern die Finger von Reus.

Fragwürdiges Gentlemen Agreement

Was danach kam, ist weitestgehend bekannt: Lewandowski ließ das offenbar großzügige Angebot von Real sausen und wechselte im Sommer zu den Bayern, die vom "Reus-Pakt" plötzlich nichts mehr wissen wollen. Rummenigge betonte im August, dass man intern über die Personalie diskutiere und machte sogar die Ausstiegsklausel öffentlich. Der Rechtsfuß könne die Borussia im Sommer für 25 Millionen Euro verlassen, so Rummenigge, dem man schlechten Stil vorwerfen kann. Der Handschlag, durch den er sich mit Watzke im Dezember in Nyon verständigt hatte, war vielleicht nichts mehr als heiße Luft.

Stellt man Leute an den Pranger, kommt man in diesem Fall aber auch an den Dortmunder Bossen nicht vorbei. Es verbietet sich, einem Spieler die Zukunft zu verbauen - und nichts anderes würde ein Pakt zwischen Bayern und Dortmund bedeuten. Ein Wechsel nach München wäre für Reus mit einem höheren Gehalt und wohl auch mit Titeln verbunden, es wäre also ein Schritt auf der Karriereleiter. Wenn Watzke wirklich geglaubt hat, dies mit einer mündlichen Vereinbarung zu verhindern, darf man nicht von einem "Gentlemen Agreement" sprechen, sondern kann sich gerne dem Vokabular von Christoph Kramer bedienen.

Reus-Berater: "Keine Gespräche"

Während Reus seiner Linie treu bleibt und schweigt, hat sich sein Berater erstmals zu Wort gemeldet. "Es gibt kein Thema Marco Reus und Bayern München, und es gibt auch keine Gespräche", sagte Dirk Hebel dem "Kicker". Damit versucht er wohl, die Luft aus dem zuletzt aufgepumpten Transferpoker zu nehmen. Fraglich ist allerdings, ob ihm das gelingt. Denn was hier gesagt wird, man kann es schon längst nicht mehr für bare Münze nehmen. Würde sein Schützling an die Isar wechseln, Hebel würde sich sicherlich auch über eine hübsche Provision freuen - so wie wohl auch beim Wechsel von Ex-BVB-Star Mario Götze zu den Bayern.

Das Fußball-Geschäft als modernen Menschenhandel zu bezeichnen, scheint also gar nicht mehr so abwegig, besonders wenn die Spieler von Vereinbarungen und Handschlägen neuerdings gar nichts mehr mitbekommen. Ein bisschen Anlass zur Hoffnung gibt Rummenigge, der vor ein paar Wochen immerhin noch zum Thema Reus sagte: "Am Ende des Tages muss der Spieler das ja auch entscheiden."

Quelle: ntv.de

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