Fußball

Die Lehren des 15. Spieltags Zum FC Bayern zu reisen, lohnt sich nicht

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Nicht nur die (erneute) Klatsche in München bereitete Nuri Sahin Schmerzen.

(Foto: imago images/ActionPictures)

Die Fahrt nach München bringt selten Ertrag. Zumindest für den SV Werder Bremen, der das am 15. Spieltag der Fußball-Bundesliga bitterlich erfahren muss. Außerdem: stabile Leipziger, Belohnungen für Schiedsrichter und der Nikolaus ist kein Osterhase.

1. Der Nikolaus ist immer noch kein Osterhase

Man kann den Verdruss von Marco Rose verstehen: "Wir haben über sieben, acht Wochen Fragen beantwortet, die in eine ganz andere Richtung gingen", sagte er nach dem 1:2 in Wolfsburg, der zweiten bitteren Last-Minute-Niederlage nach dem Europa-League-Aus gegen Basaksehir vom Donnerstag. Vorher mussten Rose und seine Spieler häufig ausdauernd suggestive Nachfragen nach der Fußball-Meisterschaft kommentieren oder gleich charmant abmoderieren, "jetzt haben wir mal zwei Ergebnisse nicht bekommen - zwei sehr bittere Ergebnisse" - und schon hat sich der Wind gedreht. Dabei ist das 2:1 gegen den FC Bayern gerade einmal neun Tage her.

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So, wie Rose seinerzeit die Ereignisse geerdet eingeordnet und wiederholt darauf hingewiesen hatte, dass das Ergebnis nicht unbedingt dem Spielverlauf entsprach, wird er auch mit der "Krise" umgehen. Der neue Tabellenführer RB Leipzig muss am Dienstag nach Dortmund, Borussia Mönchengladbach empfängt am Mittwoch den Tabellenletzten SC Paderborn. Gut möglich, dass Rose seine nächsten Nachspiel-Interviews schon wieder als Trainer des Spitzenreiters gibt. Es wäre ratsam, nicht jedes Ergebnis für Erregungsspitzen zu nutzen, sondern längere Zyklen für Analysen heranzuziehen. Über die Meisterschaft wird nicht im November und Dezember entschieden. Oder wie Uli Hoeneß so richtig sagte: "Der Nikolaus war noch nie der Osterhase."

2. Leipzig ist das stabilste Team der Liga

Bundesliga-Traditionalisten fürchten den größten anzunehmenden Unfall: die erste deutsche Meisterschaft von RB Leipzig. Das 3:0 in Düsseldorf war der sechste Sieg in Folge für die Mannschaft von Julian Nagelsmann. Der mit österreichischen Brausemillionen innerhalb von zehn Jahren aus dem Nichts über eine gekaufte Oberliga-Lizenz ins Champions-League-Achtelfinale gehievte Klub ist momentan das beste Team der Liga. 42 Tore haben die Leipziger geschossen, an mehr als der Hälfte davon war Timo Werner direkt beteiligt. 16 Treffer hat der Angreifer bisher erzielt, allein zehn während der laufenden Siegesserie.

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Timo Werner zeigt es an: In sechs Bundesliga-Spielen in Folge hat er (mindestens) ein Tor erzielt.

(Foto: imago images/Picture Point LE)

Während der FC Bayern sich noch immer fragt, ob Hansi Flick als Trainer nur eine Zwischen- oder doch eine Dauerlösung ist und Borussia Dortmund rätselt, warum auf jede überzeugende Halbzeit zwei schwache folgen, haben sie sich in Leipzig gefunden. Die kurze Schwächephase im September und Oktober, als die Rasenballsportler vier Mal in Folge nicht gewannen, ist längst vergessen. Die Zweifel daran, ob Nagelsmann schon bereit für die Ansprüche eines solchen Klubs sei, ebenso. Stattdessen pflügt sich Leipzig durch die Liga und grüßt nach Abschluss des 15. Spieltags von der Tabellenspitze. Natürlich auch dank der Mithilfe des VfL Wolfsburg, der dem bisherigen Primus aus Mönchengladbach den nächsten Nackenschlag verpasste - siehe oben.

Aber zurück den Sachsen, die trotz aller offensiven Potenz auch eine Schwachstelle haben. Auch wenn die Tatsache, dass Leipzig mit 16 Gegentoren die zweitbeste Verteidigung der Liga stellt, wie ein Paradox klingen mag. Denn Zu-Null-Spiele gab es bisher nur vier bei 15 Anläufen. Zwar kassiert Leipzig nie viele Gegentore, aber der Erfolg bei der Fortuna war in den jüngsten zehn Bundesliga-Auftritten erst der zweite, bei dem die Null stand.

3. Spitzenschiris für alle

Ein verräterischer Satz rutschte am Wochenende einem TV-Kollegen raus: Ein "Ritterschlag" sei es für einen Schiedsrichter, "das erste Mal ein Spiel des FC Bayern pfeifen zu dürfen". Der Reporter wollte damit etwas über den jungen Schiedsrichter Robert Schröder sagen, der sein erstes "großes" Spiel pfiff. Beide, Reporter wie Schiedsrichter, führten souverän durch das spektakuläre Spiel. Beide waren gut in dem, was sie taten, worauf sie vorbereitet wurden. Wäre da nur nicht dieser eine Satz gewesen. Denn in ihm steckt mehr als ein Lob für den Werdegang des Schiedsrichters. In ihm steckt die Unterstellung, dass die acht Spiele eines jeden Spieltags ohne Beteiligung des Großklubs Übungsstunden sind, in denen sich Unparteiische für höhere Aufgaben - mithin: Bayern-Spiele - qualifizieren können.

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Jedes Bundesliga-Team verdient einen Robert Schröder als Schiedsrichter. Nicht nur der FC Bayern.

(Foto: imago images/Michael Weber)

Der Satz unterschlägt, dass jeder Verein, jede Partie den besten Schiedsrichter verdient, der verfügbar ist, nicht nur die Branchenführer. Denn für den größten Teil der Liga stecken in jedem einzelnen Spiel Hunderte kleine Momente, die mehr beeinflussen können als die Größe des Vorsprungs auf den Tabellenzweiten am Ende der Saison. Schiedsrichter, die in der Bundesliga pfeifen, sind in der Lage, über 90 und mehr Minuten richtige, wichtige Entscheidungen zu treffen, sonst stünden sie nicht im Bundesliga-Kader des DFB. Und eine schlechte Entscheidung wird nicht dadurch richtiger, dass sie "nur" im Spiel Mainz gegen Paderborn getroffen wurde, statt bei einem Spiel des FC Bayern München. Auch, wenn dort mehr Menschen zuschauen und die Verantwortlichen bei einem Fehler das größere Bohei veranstalten.

4. Werder Bremen sollte in München einfach nicht mehr antreten

1:4, 1:6, 2:5, 0:6, 0:5, 0:6, 2:4, 0:1 und 1:6. Klingt im ersten Moment vielleicht nach einem eigenartigen Tennis-Marathon, ist aber die Schreckensbilanz des SV Werder. Wenn die Hanseaten beim FC Bayern antreten, wird's hässlich. 43 Gegentore kassierte Bremen bei seinen neun jüngsten Bundesliga-Ausflügen in die Münchner Arena. Das sind fast fünf im Schnitt. Außer einer Packung gab es für die Nordlichter im Süden nichts zu holen, nicht mal einen einzigen Punkt. Umgedreht ließe sich aber auch sagen: Die Münchner sind bemerkenswert schlechte Gastgeber, zumindest für den SV Werder. Vielleicht sind die Grün-Weißen aber auch nur sehr zuvorkommende Gäste. Im Jahr 2008 nahm der SVW zum bislang letzten Mal drei Punkte mit vom FCB. Klingt gar nicht so lange her? Am Ende der Saison wurde Wolfsburg Meister, die aktuellen Zweitligisten Stuttgart und Hamburg qualifizierten sich für den Europapokal und der heutige Viertligist Cottbus musste in die neu eingeführte Abstiegsrelegation. So lange ist das her.

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Wenn Bremen nach München reist, klingelt's im Werder-Kasten.

(Foto: imago images/Passion2Press)

Wenn wir also mal, ganz im Sinne des modernen Fußballs, eine sportliche Kosten-Nutzen-Rechnung eröffnen ... dann sollte sich Werder die Reise nach München künftig einfach sparen. Zumal es diesmal nicht nur eine böse Pleite gab, sondern sich dazu einer der ohnehin wenigen noch fitten Defensivspieler verletzte. Theodor Gebre Selassie beschädigte sich beim Versuch, das 1:2 durch Robert Lewandowski zu verhindern, gleich mehrere Muskeln. Ein rundum misslungener Samstag also, den die Bremer in der bayrischen Landeshauptstadt erlebten. Grund genug, die Wiederholung derartiger Reisen zumindest mal zu überdenken. (Dass Werder die höchste Pleite gegen den FC Bayern - ein 0:7 in der Saison 2013/14 - im heimischen Weserstadion kassierte, soll hier nur eine Randnotiz sein.)

5. Für Alexander Nübel ist das Fußball-Jahr 2019 beendet

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Quelle: ntv.de