Redelings Nachspielzeit

Redelings ist genervt Das Pyro-Hickhack muss beendet werden

Ben Redelings fordert: Klärt endlich die Pyro-Situation!

Ben Redelings fordert: Klärt endlich die Pyro-Situation!

(Foto: www.imago-images.de)

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Viel zu lange wurde das Thema Pyrotechnik ausgesessen. Sehr zum Leidwesen der meisten Stadionbesucher. Alle Parteien müssen konstruktiv miteinander sprechen. Am Ende müssen ein Kompromiss und klare Regeln stehen. Aber vielleicht gibt es ja doch eine Lösung.

Jetzt sind wir endgültig alle nur noch genervt. Wer am Sonntag Zuschauer des Spiels zwischen dem FC St. Pauli und dem Hamburger SV in der zweiten Bundesliga war, der hat sich geärgert. Die Pausen während des Abfackelns der bengalischen Feuer zerstörten das in seinen Grundfesten, weswegen alle ins Fußballstadion gingen. Wenn der Ball nicht rollen kann (oder darf), ist der Sinn der Veranstaltung im Eimer. Im Moment wird wieder viel über dieses Thema geredet. Aber selten miteinander. Das ist nicht förderlich. Es hilft jetzt nur noch eins: Es müssen ein für alle Mal klare Fakten geschaffen werden. So oder so.

Pyro-Show oder Pyro-Ärger? Mannschaft und Anhänger des HSV nach dem Derbysieg am Wochenende.

Pyro-Show oder Pyro-Ärger? Mannschaft und Anhänger des HSV nach dem Derbysieg am Wochenende.

(Foto: www.imago-images.de)

Die Sache ist im Grunde ganz einfach: Es geht schon lange nicht mehr darum, ob jemand Pyro-Befürworter oder -Gegner ist. Es geht einzig und allein darum, dass das Spiel mittlerweile viel zu häufig in den Hintergrund gedrängt wird. Es gibt die Fraktion, die sagt, dass die Sache doch eindeutig ist: So lange Pyrotechnik verboten ist, hat sie nichts im Stadion verloren. Dann gibt es die andere Fraktion, die sich mit diesem Verbot nicht abfinden will, es für einen Akt der Willkür hält und einfach weiter macht.

Und schließlich sind da noch sehr viele Fans, die mitten zwischen diesen beiden Parteien stehen. Fans, die im Grunde nichts gegen bengalische Feuer haben, so lange sie keinen gefährden. Das Problem ist: Es wird schon viel zu lange übereinander geredet und selten von allen Seiten konstruktiv miteinander. Das geht nie gut. Dabei könnte der Fußball am Beispiel dieser Diskussion ein Zeichen setzen, wie man mit sensiblen Problemen vorbildlich umgehen kann. Das Traurige ist insbesondere, dass so viele "Unschuldige" direkt mit ihr konfrontiert werden, ohne dass sie irgendeinen Einfluss auf eine vernünftige Lösung haben. Genau deshalb muss schnell ein Kompromiss her. Und hier ist er: Ein Vorschlag, von einem, der genau zwischen diesen beiden Hardliner-Lagern steht.

Emotional, legal, über Blockgrenzen hinweg

Es müsste eine Basis geschaffen werden, die in Ausnahmesituationen das kontrollierte Abfackeln von Pyrotechnik erlaubt - an einer Stelle im Stadion, an der niemand zu Schaden kommen kann. Was Ausnahmesituationen sind bzw. sein können, sollte am besten und einfachsten der Stadionbetreiber mit den Fans verhandeln. Beispielsweise als Teil von Choreografien oder auch als fester Bestandteil vor dem Einlaufen der beiden Mannschaften. Dabei könnte man auch die Gästefans mit einschließen.

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Natürlich werden jetzt viele Pyrohardliner argumentieren, dass dann ja die ganze situationsbedingte Freude verloren gehen würde, wenn man nur unter bestimmten Umständen und nach klaren Regeln abfackeln dürfte. Und in der Tat: Das wäre so. Aber dafür würde es auch klare Regeln geben für die Fälle, in denen das Abfackeln gestattet und dadurch legalisiert werden würde. Ohne ein Miteinander, ohne ein Zugehen aller Parteien aufeinander, wird es nicht funktionieren. Das ist schließlich das Wesen eines Kompromisses. In Bochum gab es dieses kontrollierte Abfackeln in den 90er-Jahren bereits einmal. Und es war jedes Mal eine wunderbare Einstimmung auf das folgende Spiel. Besonders natürlich an den Freitagabenden im grünlichen Lichtschimmer der Flutlichtmasten des Ruhrstadions.

Harte Fakten statt Wischiwaschi

Zu klaren Regeln, die es in einem Rechtsstaat immer und überall gibt, und die für jedermann verbindlich sind, gehört es allerdings auch, dass man auf dieser Basis jeden Verstoß noch härter ahndet als ohnehin schon. Und zwar nicht über Kollektivstrafen, sondern über Maßnahmen, die den einzelnen Verursacher in Haftung nehmen. Denn niemand sollte dafür Verständnis haben, wenn man im Stadion als quasi rechtsfreiem Raum Leute gewähren lässt, die außerhalb dieses Raumes mit deutlichen Konsequenzen zu rechnen hätten. Wer sich vermummt und damit bewusst die Feststellung seiner Identität verhindern will, sollte augenblicklich und nicht erst im Zuge einer möglichen Straftat aus dem Verkehr gezogen werden. Man kann sicher sein, dass weite Teile der Kurven, der Fußballfans im Stadion für ein Einschreiten in diesen Fällen großes Verständnis zeigen würden.

Denn wenn Menschen sich über das Spiel erheben, dann werden sie niemals gewinnen. Und dann hatten sie auch nie lautere Absichten. Doch nun sollte man letztmalig an einen Tisch kommen. DFB, Vereine und Fans (Ultras). Denn das Thema nervt mittlerweile so kolossal, dass es kein weiteres Aussitzen mehr geben darf. Harte Fakten für alle - an die sich anschließend auch alle Parteien endgültig zu halten haben. Das ewig neue Gerede und das windelweiche Wischiwaschi müssen ein Ende haben.

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Quelle: n-tv.de

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