Fußball-WM 2018

Nach WM-Fiasko Löw bleibt Bundestrainer

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Gibt auch künftig die Anweisungen vor der deutschen Ersatzbank: Joachim Löw.

(Foto: imago/ActionPictures)

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft wird auch in Zukunft von Joachim Löw betreut. Der Bundestrainer will den Neuaufbau nach dem Vorrunden-Aus bei der WM in Russland selbst vorantreiben. Sein Vertrag läuft noch bis 2022.

Joachim Löw übt seinen Job als Bundestrainer weiter aus, auch wenn er den Neubeginn nach dem historischen Vorrunden-Aus in Russland mit einem schweren WM-Rucksack angehen muss. Das bestätigte der Deutsche Fußball-Bund nach einer gemeinsamen Sitzung. Nach einigen Tagen Bedenkzeit im Anschluss an den Tiefpunkt der Nationalmannschaft beim blamablen 0:2 gegen Südkorea übermittelte der Bundestrainer dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) seine Entscheidung zum Weitermachen. Nach dpa-Informationen tat Löw dies bereits am Montagabend.

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Zur Mittagszeit berieten zunächst der DFB-Präsidialausschuss um Präsident Reinhard Grindel, Vizepräsident Rainer Koch und Generalsekretär Friedrich Curtius bei der kurzfristig anberaumten Sitzung gemeinsam mit Teammanager Oliver Bierhoff und Löw. In der Sitzung sollten Bierhoff und Löw dem DFB "eine erste Analyse vorlegen", warum es zum WM-Unfall gekommen war. So hatte es Grindel nach der Rückkehr des Nationalteams aus Russland angekündigt.

"Ich bin sehr dankbar für das Vertrauen, das der DFB weiterhin geschlossen in mich setzt, und ich spüre trotz der berechtigten Kritik an unserem Ausscheiden auch generell viel Rückhalt und Zuspruch", sagte Löw nach der Entscheidung: "Auch meine Enttäuschung ist nach wie vor riesig. Aber ich möchte nun auch mit ganzem Einsatz den Neuaufbau gestalten." Reinhard Grindel wird in einer DFB-Mitteilung mit den Worten zitiert: "Wir sind alle  der festen Überzeugung, dass wir mit Jogi Löw einen Bundestrainer  haben, der sehr genau analysieren, die richtigen Schritte einleiten und unsere Mannschaft zurück in die Erfolgsspur führen wird."

Aus der Bundesliga reagierte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke als erster Spitzenvertreter. "Jeder, der die Szene seit vielen Jahren kennt, konnte daran riechen, dass es genau so kommen wird. Das war für mich keine Sensation." Vorher hatte es aus der Liga keine Rücktrittsforderungen an Löw gegeben.

Der erste, der bleibt

Löw will nach dem ersten Turnier-Fiasko seiner Amtszeit auch die Wende herbeiführen. Er traut sich den schwierigen Neubeginn zu. Am Vormittag waren ebenfalls Berichte aus internen Mannschaftskreisen bekanntgeworden, die Löw und Bierhoff Selbstüberschätzung und daraus resultierende Verantwortung für das desaströse Abschneiden in Russland vorwerfen. Jedoch habe Löw nur direkt nach dem krachenden WM-Aus ernsthafte Zweifel gehabt. Er müsse sich erstmal "sammeln". Er erbat sich Bedenkzeit. In Kasan schien ein Rücktritt eine ernsthafte Option für ihn zu sein. Am Tag danach kündigte er nach der Landung auf dem Frankfurter Flughafen "tiefgehende Maßnahmen" an, dachte aber wohl schon da nicht in erster Linie an sich selbst.

Bei der Aufarbeitung will Löw nun nichts überstürzen. "Ich werde gemeinsam mit meinem Team analysieren, Gespräche führen und zum  Start der neuen Saison die richtigen Schlüsse ziehen. Das alles  braucht Zeit, wird aber alles rechtzeitig bis zum Start in die neue  Länderspielsaison im September geschehen", sagte er.

Löw ist der erste Bundestrainer, der sich nach einem Vorrunden-Aus bei einem Turnier im Amt halten könnte. Jupp Derwall (1984), Erich Ribbeck (2000) und Rudi Völler (2004) mussten jeweils nach einem K.o. in der Gruppenphase bei EM-Endrunden ihren Posten räumen - oder taten das freiwillig. Völler etwa wollte am letzten deutschen Tiefpunkt den Weg für einen unbelasteten Neuanfang Richtung WM 2006 freimachen.

Löw will wagen, was bei Berti Vogts vor 20 Jahren schiefging. Nach dem Viertelfinal-Aus bei der Weltmeisterschaft in Frankreich machte der Europameister von 1996 zunächst weiter. Das hinausgeschobene Vogts-Ende kam aber schon Anfang September nach einem enttäuschenden 2:1 gegen Malta und einem 1:1 gegen Rumänien. Erich Ribbeck übernahm. Löws Neustart erfolgt ebenfalls im September. Am 6. September empfängt der gestürzte Weltmeister in München Frankreich im Rahmen der neuen Nations League. Drei Tage später ist Peru in Sinsheim Testspielgegner. "Es braucht klare Veränderungen", sagte Löw. Grundsätzliche Zweifel an sich und seinem Kurs äußerte er nie: "Wir haben jetzt 14 Jahre den Weg nach oben gemacht. Wir haben, glaube ich, die konstanteste Mannschaft gehabt in den letzten zehn Jahren."

Löws Vertrag hatte ohnehin noch eine Laufzeit bis zur nächsten WM-Endrunde 2022 in Katar. Der Kontrakt mit Löw war von DFB-Chef Grindel erst Mitte Mai vorzeitig um weitere zwei Jahre verlängert worden. Die Verbandsführung hatte bereits am vergangenen Freitag in einer Telefonkonferenz dafür votiert, trotz des WM-Debakels mit Löw weitermachen zu wollen.

Quelle: n-tv.de, mra/dpa

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