In der EU schaut man vorerst zuApple zeigt mit Google-Hilfe neue KI-Funktionen
Von Klaus Wedekind
Zum Auftakt der WWDC stellt Apple keine neuen Betriebssysteme, sondern KI-Funktionen vor. Im Mittelpunkt steht der digitale Assistent Siri, der zum KI-Chatbot wird und eine eigene App erhält. Apple benötigt dafür Hilfe von Google, was einen Spagat beim Datenschutz bedeutet. Die EU ist jedenfalls noch nicht überzeugt.
Erst wurde erwartet, dass Siri mit iOS 26 in den Mittelpunkt von Apple Intelligence rückt, dann sollte das große KI-Update für den digitalen Assistenten mit iOS 26.4 kommen. Auch daran scheiterte der iPhone-Konzern. Jetzt hat der scheidende CEO Tim Cook bei seinem voraussichtlich letzten großen Auftritt endlich die Entwicklerkonferenz WWDC eröffnen können, zu deren Auftakt das neue Apple Intelligence mit Siri als KI-Chatbot präsentiert wurde.
Auch iPhone 11 erhält iOS 27
Zunächst füllte die Apple-Crew Zeit und Bühne mit minimalen Veränderungen für alle Betriebssysteme. Sie sollen durch Feintuning deutlich schneller und effizienter arbeiten als bisher. Unter anderem erhalten Fotos- und Health-App kleinere Verbesserungen, ebenso die Satellitenansicht von Karten und die Musik-App. Eltern sollen mehr Kontrollmöglichkeiten bei Kinder-Konten erhalten. Beispielsweise können sie festlegen auf welche Apps Kinder zu welchen Zeiten Zugriff haben.
Spannendste Info so weit: Auch das iPhone 11 wird iOS 27 erhalten - allerdings wie bisher ohne Apple Intelligence, dafür ist mindestens ein iPhone 16 oder iPhone 15 Pro (Max) nötig. Bei den iPads muss es ein mini mit A17-Pro-Chip oder ein größeres Modell mit M1 oder einem neueren Chip sein. Das MacBook Neo (A18 Pro) beherrscht Apple Intelligence, ebenso Macs mit M1 oder einem neueren Chip. Die Apple Vision Pro ist im KI-Boot, ebenso die Apple Watch Series 10, die Watch Ultra ab der zweiten Generation sowie die Apple Watch SE 3, wenn sie mit einem iPhone in der Nähe gekoppelt sind, das Apple Intelligence unterstützt.
Pakt mit Google
Dann kam Software-Chef Craig Federighi zum Höhepunkt der Show: Apple Intelligence. Gleich zu Beginn machte er klar, dass Nutzer die Kontrolle behalten und Privatsphäre und Datenschutz gewährleistet sein müssen: "Damit KI wirklich nützlich ist, müssen die Bedürfnisse der Nutzer und Nutzerinnen im Mittelpunkt stehen. Sie muss tief in die Produkte integriert sein, auf die sie sich Tag für Tag verlassen, basierend auf dem persönlichen Kontext und entwickelt für Datenschutz bei jedem Schritt. Das ist unsere Vision für Apple Intelligence."
Interessant ist dabei, dass Apple für die Umsetzung eine enge Partnerschaft mit Google eingegangen ist, dessen Gemini-Modelle die Basis von Apple Intelligence bilden. Angeblich zahlt der Konzern dafür rund eine Milliarde Dollar pro Jahr. Dass Google Gemini hinter Apple Intelligence steckt, merkt man an fast allen Funktionen. Unter anderem ist vieles davon von Pixel-Smartphones schon länger bekannt.
Die Grundsätze von Apples Personal-Computing-Regeln sollen trotzdem eingehalten werden. So viel wie möglich soll auf den Geräten stattfinden, aber auch bei in die Cloud ausgelagerten Aufgaben soll niemand außer den Nutzern Zugang zu den Daten haben. Das soll durch die Verarbeitung von eigenen Servern gewährleistet werden. Außerdem soll die Nvidia-Technik Confidential Compute eingesetzt werden, um Daten und Verarbeitung zu verschlüsseln.
Siri als Chatbot und App
Im Zentrum steht der runderneuerte Assistent Siri. Das beginnt damit, dass es für ihn neue Stimmen gibt, die man zusätzlich personalisieren kann. Wie bei Googles Gemini, ChatGPT und anderen Chatbots kann man Siri in natürlicher Sprache nach Informationen fragen, Folgefragen stellen und darauf basierend Aufgaben erstellen. Nutzerinnen und Nutzer können auch Informationen in allen ihren Nachrichten, E‑Mails, Fotos und mehr suchen. Ausgangspunkt können ebenso Bildschirminhalte ein, die Siri analysiert. Auf Macs kann man den Siri-Chatbot auch aus der Spotlight-Suche heraus nutzen.
Wie erwartet gibt es eine neue Siri-App, wo man vergangene Konversationen wieder aufnehmen kann. Sie kommt mit watchOS auch auf Apples Smartwatches. Auf Macs kann man auf Siri über ein Tastenkürzel zugreifen.
In der Kamera-App findet man jetzt einen Siri-Mode. Man kann sich unter anderem beim Fotografieren assistieren lassen oder Informationen zu Objekten erhalten, auf die die Kamera gerichtet ist. Auf allen Geräten kann man den Assistenten Texte überprüfen oder Vorschläge zu Formulierungen machen lassen.
KI in Apps integriert
Apple Intelligence wird auch in verschiedene Apps integriert. Unter anderem kann man im Safari-Browser Tabs organisieren oder Website-Inhalte zusammenfassen lassen. "Mitteilung an mich" ermöglicht es Anwenderinnen und Anwendern, Safari aufzufordern, eine Webseite auf Veränderungen zu überwachen, etwa die Wiederverfügbarkeit von Produkten oder Preissenkungen. Erkennt Safari eine entsprechende Veränderung, erhält man eine Mitteilung.
Praktisch ist auch die Möglichkeit, Erweiterungen zu erstellen, indem man sie beschreibt, beispielsweise eine Taste zum Speichern und Bewerten von Rezepten. Die KI kann schwache oder kompromittierte Passwörter finden.
In der Mail-App macht Siri kontextbasierte Vorschläge, im Kalender kann man Termine in natürlicher Sprache diktieren. Image Playground soll nach dem Update bessere Bilder und Grafiken erstellen können. Dazu macht die KI Vorschläge, was man mit den eigenen Fotos anstellen könnte.
In der Fotos-App kann man jetzt Objekte sauberer entfernen oder Hintergründe realistisch erweitern. Google-Nutzer kennen auch die Option, die Bildkomposition zu ändern. Kurzbefehle dürften künftig häufiger zum Einsatz kommen, denn man kann jetzt ganz einfach beschreiben, was man tun möchte.
Apple Intelligence soll sich auch im smarten Haushalt nützlich machen. Beispielsweise kann die KI Aufnahmen verschiedener Sicherheitskameras analysieren, Schlüsse daraus ziehen und Nutzer mit entsprechenden Infos versorgen.
EU bremst Apple aus
Das dicke Ende kam zum Schluss: In der EU steht das neue Apple Intelligence vorerst nicht zur Verfügung. Grund sei das Gesetze über digitale Märkte (Digital Markets Act – DMA) , so Apple. In den vergangenen Monaten hätten die EU-Regulierungsbehörden keine der vorgelegten Lösungen akzeptiert, mit denen Siri AI in der EU eingeführt und gleichzeitig andere virtuelle Assistenten sicher unterstützt werden sollten. Man arbeite daran, sagt Graig Federighi. "Da sie sich jedoch weigern, konstruktiv mit uns auf Lösungen hinzuarbeiten, die Datenschutz und Sicherheit gewährleisten, können wir derzeit keinen Zeitplan für die Verfügbarkeit von Siri AI in iOS und iPadOS in der EU nennen."