Technik
Nicht ohne meinen Laptop: Blogger auf der re:publica
Nicht ohne meinen Laptop: Blogger auf der re:publica(Foto: picture alliance / dpa)
Mittwoch, 13. April 2011

Fäkaliensturm und Trollerei: Blogger belagern Berlin

Von Thomas Leidel

Etwa 3000 Blogger werden zur mittlerweile fünften re:publica in Berlin erwartet - so viele wie nie zuvor. Werden öffentliche Netz-Tagebücher nun doch auch hierzulande noch populär? Wird es Web-Enthusiasten gelingen, sich vom Bloggen zu ernähren? Hält das WLAN auf der #rp11?

Schon in den Vorjahren lockte die re:publica Blogger aus ganz Deutschland und aus vielen anderen Ländern nach Berlin.
Schon in den Vorjahren lockte die re:publica Blogger aus ganz Deutschland und aus vielen anderen Ländern nach Berlin.

Um Aktivismus im öffentlichen Raum, Crowdfunding und viele weitere Themen geht es bei der dreitägigen Fachkonferenz re:publica, die im Berliner Friedrichstadtpalast eröffnet wurde. Blogger, Social-Media-Begeisterte und Internet-Aktivisten aus der ganzen Bundesrepubik frönen hier und an weiteren Veranstaltungsorten im Kreise Gleichgesinnter ihrem Interessensgebiet.

Auf dem Programm stehen unter anderem Vorträge zu Design, Schwarmintelligenz und "digitalen Revolutionen" - etwa die in der arabischen Welt. Der in hiesigen Internet-Kreisen unvermeidliche Sascha Lobo präsentiert neueste Erkenntnisse aus dem Bereich der Trollforschung. Das Thema "shitstorm" ("Fäkaliensturm", in etwa: Welle vulgärer Äußerungen über etwas oder jemanden im Netz) vertritt in diesem Jahr nicht er, sondern in einem Workshop unter dem Motto "You can do it!" ("Du kannst es tun!") Helga Hansen von Maedchenmannschaft.net und ihre Mit-Feministin Kathrin Ganz.

Ums Machen geht es auch bei einem anderen Projekt, das überdies zum erfolgreichsten Beispiel für "Netz-Aktivismus" und "Weisheit der Massen" geworden ist: Wikipedia. In einer Session mit Catrin Schoneville vom deutschen Förderverein Wikimedia soll herausgearbeitet werden, wie die kostenfreie Online-Enzyklopädie in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen werden könnte. Nicht wenige der tausenden freiwilligen Mitarbeiter an dem Projekt würden das als enorme Bestätigung und Motivation empfinden.

Erfolgreiche Vorbilder, haarsträubende Dilettanten

Auch sonst gibt es Nutzwertiges, Abgefahrenes, Ernstes und Heiteres für die heterogene Zielgruppe in schier unüberschaubarer Fülle. Und genau das sowie die Aussicht, hinter dem heimischen Rechner hervorzukommen und mehr oder weniger Gleichgesinnte, erfolgreiche Vorbilder und haarsträubende Dilettanten nicht nur digital zu treffen, sondern ihnen im "real life" zu begegnen, scheint die Faszination der Veranstaltung auszumachen, die von Johnny Häusler ("Spreeblick") und newthinking communications erfunden wurde und bis heute ausgerichtet wird.

Selbstverständlich darf auch Markus Beckedahl von netzpolitik.org nicht fehlen. Der Leitblogger stellte zum Auftakt der re:publica einen neuen Verein vor, der "den Netzbewohnern eine eigene Stimme geben" will. Die "Digitale Gesellschaft", so der Name, verstehe sich als "kampagnenorientierte netzpolitische Organisation" nach dem Vorbild von Greenpeace, so Beckedahl.

Wer nicht vor Ort dabei sein kann, braucht sich nicht grämen, lassen sich doch viele Veranstaltungen auch per Livestream im Netz verfolgen - wenn es funktioniert. (Die Veranstaltungs-Homepage war just zum Beginn der Konferenz für längere Zeit nicht oder nur schwer erreichbar, der Stream funktioniert aber offenbar.) Sonst ist man eben per Twitter  - mit Hilfe des Hashtags "#rp11" in Echtzeit auf dem Laufenden. So erfährt man nicht nur, welche Alkoholika oder den wievielten Kaffee Sympatisanten in Nah und Fern gerade konsumieren, sondern man kann auch über den einen oder anderen Insider-Witz schmunzeln, wie etwa diesen von @UteWeber: 3000 Blogger in Berlin. Und wer füttert jetzt die 10.000 Katzen?

Quelle: n-tv.de