Technik

Vodafone testet Smartphones Die Corona-App kann funktionieren

131412120.jpg

Für iPhones, bei denen eine Tracing-App eigentlich immer im Vordergrund laufen möchte, soll gemeinsam mit Apple eine Lösung gefunden werden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nach Ostern möchte das RKI eine App vorstellen, die unter Wahrung des Datenschutz effektiv helfen kann Infektionsketten nachzuverfolgen. Vodafone testet dafür die Bluetooth-Sensorik von Smartphones und ist zuversichtlich, dass ein schneller Erfolg möglich ist.

Damit die harten Einschränkungen im Kampf gegen das Coronavirus möglichst bald und möglichst umfangreich zurückgefahren werden können, ist es nötig, seine Verbreitung anderweitig unter Kontrolle zu bringen. Eine entscheidende Rolle soll dabei eine App auf Basis des Projektes PEPP-PT spielen, die bereits nach Ostern fertig sein könnte. Eine zentrale Bedeutung spielt dabei, dass Smartphones in der Lage sind, Distanzen zu anderen Geräten zuverlässig via Bluetooth zu bestimmen. Um das zu garantieren, testet Vodafone Smartphones in seinen Laboren. ntv.de hat bei dem Mobilfunkanbieter nachgefragt, wie der Stand der Dinge ist.

60 Prozent sind das Ziel

Die PEPP-PT-App nutzt Bluetooth, um zu registrieren, wenn sich zwei Smartphones über einen bestimmten Zeitraum in kritischer Nähe befinden. In so einem Fall speichern beide Apps jeweils eine anonymisierte ID des anderen Geräts. Weder Standortdaten, noch andere persönliche Informationen würden dabei übertragen, versichert die Initiative.

*Datenschutz

Basierend auf einer Studie der Universität Oxford, geht PEPP-PT-Projektleiter Chris Boos laut "Handelsblatt" davon aus, dass es genügt, wenn mindestens 60 Prozent der  Bevölkerung so eine Tracing-App einsetzen, um "wieder vergleichsweise normal unseren Alltag leben zu können." Experten sind sich einig, dass bereits 30 oder 40 Prozent Teilnahme einen deutlich messbaren Effekt bringen würde.

Voraussetzung dafür ist unter anderem, dass genügend Smartphone-Besitzer die Anwendung auf ihrem Gerät auch nutzen können. Damit das sichergestellt ist, beteiligt sich Vodafone an PEPP-PT und stellt seine Labore zur Verfügung, um darin die Bluetooth-Sensorik verschiedener Geräte zu testen und eine App entsprechend anzupassen.

Mitte April ausreichend Smartphones getestet

Dabei konzentriere man sich zunächst auf die gängigsten in Deutschland genutzten Smartphones, sagte Vodafone-Pressesprecher Tobias Krzossa ntv.de. Dies seien unter anderem Samsungs Galaxy-Geräte und iPhones. Man gehe dabei nach einer internen Liste vor, die aber nicht sehr unterschiedlich zu anderen Listen der meistverkauften Smartphones. Es gehe zügig voran, bis zum von Boos genannten Termin habe man weit mehr als 50 Prozent der Geräte getestet. Das heißt, Nutzer dieser Geräte könnten die App installieren und einsetzen - wenn sie das möchten.

Hintergrund der Tests und Berechnungen ist, dass sich die Abstandsmessung per Bluetooth zwischen den verschiedenen Smartphone-Modellen bedingt durch zahlreiche Parameter – wie zum Beispiel die Antennen-Technik oder das Gehäuse des Telefons - unterscheidet. Man wolle aber die Vorgabe des RKI von zwei Metern Abstand über die App genau bestimmen können, sagte Krzossa.

Nur wenig Fehlalarme

Aussagen, wonach Bluetooth dazu gar nicht in der Lage sei, weist der Vodafone-Sprecher zurück. Im freien Raum sei die Messung sehr genau, und die Sensoren könnten sehr wohl erkennen, ob sich ein anderes Smartphone in zwei Metern Distanz hinter einer Mauer, Glas- oder Plexiglas-Scheibe befindet. Damit würden sich Fehlalarme, die zu einer Ablehnung der App führen könnten, in Grenzen halten.

Bei iPhones gibt es weitaus weniger unterschiedliche Geräte mit verschiedener Sensorik. Unter dem Betriebssystem iOS ist es allerdings so, dass eine Corona-App eigentlich immer im Vordergrund ausgeführt werden müsste, um immer wachsam zu sein. Details kann Krzossa nicht verraten, "wir arbeiten aber sowohl mit Google als auch Apple zusammen, damit es eine möglichst einfache Lösung für die Nutzer geben wird. Wir sind da sehr zuversichtlich."

Open Source und Kontrolle

Damit eine Corona-App akzeptiert wird, ist es nötig, das Vertrauen der Nutzer zu gewinnen. Das gelingt zum einen über eine Offenlegung des Codes - PEPP-PT ist Open Source. Andererseits über Transparenz bei der Umsetzung und eine unabhängige Kontrolle der beteiligten Behörden. Dazu gehört auch der Server, über den die Information gefährdeter Nutzer stattfindet.

Aktuell betreibe ihn ehrenamtlich das Berliner Zuse-Institut, sagte Boos dem Tech-Magazin "t3n". Dabei handelt es sich um eine vom Land Berlin gegründete Forschungseinrichtung auf dem Campus der Freien Universität Berlin. Das Institut gehört aber nicht zur Uni, sondern ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts.

RKI "eine natürliche Quelle"

Schließlich bleibt noch die Frage der Umsetzung der App. Da das Projekt Open-Source ist, kann theoretisch jeder Entwickler eine entsprechende Anwendung schreiben. "Die Methoden von PEPP-PT werden diese Woche offen geteilt und bieten auch Referenz-Installationen, sodass Länder und Start-ups darauf basierend schnell eigene Anwendungen entwickeln können", so Boos. In Deutschland sieht Boos - wie schon bei der am Dienstag vorgestellten Datenspende-App - das RKI als "eine natürliche Quelle."

Quelle: ntv.de