Technik

Forschung und Firmen kooperieren Europäische Corona-App bald bereit

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Eine Corona-Tracing-App könnte einen entscheidenden Beitrag liefern, um im Kampf gegen die Corona-Pandemie die Kontrolle zurückzugewinnen.

(Foto: imago images/Emmanuele Contini)

Eine europäische Tracing-App könnte schon bald zum Instrument gegen die Corona-Pandemie werden. Die von Wissenschaftlern und Unternehmen gemeinsam entwickelte Anwendung soll Informationen über Infektionsketten liefern, ohne den Datenschutz zu verletzen.

Eine Initiative von 130 Wissenschaftlern und Unternehmen aus acht europäischen Ländern hat eine Technik für Corona-Tracing-Apps vorgestellt, die bereits Ende kommender Woche erprobt werden könnte. Das Ziel sei es, diese Technologie für alle Länder verfügbar zu machen, heißt es in einem Papier des Projekts Pan European Privacy Protecting Proximity Tracing (PEPP-PT). Damit sollten nationale Corona-Tracing-Apps entwickelt werden können.

Der IT-Branchenverband Bitkom begrüßte die europäische Entwicklung: "Sobald diese App verfügbar ist, werde ich sie sofort installieren", sagte sein Präsident Achim Berg. "Und ich rufe alle dazu auf, ihre persönlichen Prioritäten jetzt für den Schutz von Menschenleben zu setzen. Laden Sie diese App herunter und nutzen Sie sie! Je mehr mitmachen, umso größer ist der Effekt. Das Virus können wir nur gemeinsam stoppen."

Im Einklang mit Datenschutzgrundverordnung

Aus Deutschland arbeiten an PEPP-PT unter anderem das Robert-Koch-Institut, das Fraunhofer-Institut, die Technische Universität Berlin, die Technische Universität Dresden, die Universität Erfurt und Vodafone mit. Die Initiatoren der App-Technik sehen ihr Konzept "in voller Übereinstimmung mit der europäischen Datenschutzgrundverordnung". Wenn mehr als 60 Prozent der Bevölkerung eine solche App nutzten, sei ein Erfolg gesichert.

Die PEPP-PT-App nutzt Bluetooth, um zu registrieren, wenn sich zwei Smartphones über einen bestimmten Zeitraum in kritischer Nähe befinden. In so einem Fall speichern beide Apps jeweils eine anonymisierte ID des anderen Geräts. Weder Standortdaten, noch andere persönliche Informationen würden dabei übertragen, versichert die Initiative.

Betroffene reagieren freiwillig

Die gespeicherten und verschlüsselten Begegnungs-Daten bleiben nur über einen Zeitraum gespeichert, der für eine mögliche Ansteckung relevant ist. Danach werden sie automatisch gelöscht. Wenn ein PEPP-PT-Nutzer positiv getestet wurde, erhalten alle Kontaktpersonen eine TAN zugeschickt. Mit dieser können sie sich dann freiwillig bei der zuständigen Gesundheitsbehörde melden. Damit dies auch über die europäischen Grenzen hinaus funktioniert, enthält die anonyme ID auch einen Länder-Code.

*Datenschutz

Die Arbeiten wurden auch durch einen Testlauf mit Daten von Soldaten möglich gemacht. Die Bundeswehr teilte mit, man unterstütze das an der Forschung beteiligte Fraunhofer-Institut dadurch, dass sich 50 Soldaten als Testpersonen nach genauen Vorgaben in einem bestimmten Areal der Berliner Julius-Leber-Kaserne bewegten. So soll im Freien und in Gebäuden geprüft werden, ob die App tatsächlich tauglich ist, Kontakte in einer bestimmten zeitlichen oder räumlichen Intensität festzustellen.

Um die Plattform vor Hackerangriffen zu schützen und andere Sicherheitsprobleme zu verhindern, werden alle Prozeduren, Mechanismen, Standards und Code von einem Sicherheitsteam überwacht. Parallel dazu kontrollieren die nationalen Sicherheitsbehörden die Infrastruktur. Zweifler fordert PEPP-PT dazu auf, Code und Prozeduren zu untersuchen.

Bundesregierung stellt App Mitte April vor

Derzeit liefern sich etliche Länder ein Rennen um eine Corona-Tracing-App. In Singapur, Südkorea und China sind entsprechende Programme schon im Einsatz, die Benutzer durch automatisierte Hinweise auf dem Smartphone davor warnen, dass sie in Kontakt mit Infizierten gekommen sind. Die Nutzung dieser Apps sei aber wegen anderer Datenschutzvorschriften in Deutschland nicht möglich, heißt es in Regierungskreisen.

Die Bundesregierung will um den 16. April herum eine App präsentieren, mit der Bürger über Abstandsmessungen auf mögliche Infektionsgefahren hingewiesen werden sollen. Dies gilt als eine der Voraussetzungen für eine spätere Lockerung der Ausgangsbeschränkungen. Die PEPP-PT-Plattform ist nicht konkurrenzlos, das Start-up GeoHealthApp in Hannover entwickelt beispielsweise eine App auf Grundlage von GPS-Ortungen. Ob die Bundesregierung auf die europäische Lösung setzt oder eine andere Lösung vorstellen wird, ist noch offen.

Die meisten deutschen Politiker dringen auf einen freiwilligen Einsatz einer solchen App. Daten sollen nur anonymisiert verwendet und nach einer gewissen Zeit wieder gelöscht werden. Die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Bärbel Bas, begrüßte die Entwicklung. "Ich bin überzeugt, dass viele diese App freiwillig nutzen werden, um sich und andere zu schützen", teilte sie mit. Der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionsvize Thorsten Frei schlug einen steuerlichen Anreiz vor, damit Bürger die App auf ihre Smartphones laden.

Quelle: ntv.de, kwe/dpa