Technik

Auch mal an die Kunden denken?Die KI-Giganten ziehen in den Preiskrieg

12.06.2026, 18:44 Uhr Icke-im-WaldVon Klaus Wedekind
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Gangster-KI
Es gibt keine empathische KI. (Foto: imago images/Shotshop)

Google senkt die Preise für seine KI-Modelle drastisch und setzt damit seine Konkurrenten unter Druck. OpenAI steht kurz davor, dies ebenfalls zu tun, wozu auch die Stärke von Anthropic beiträgt. Alle drei US-Anbieter wiederum müssen sich trotz Milliardenverlusten gegen chinesische Dumpingpreise behaupten.

Als Ende 2022 der Hype um ChatGPT losging, witzelten viele über Google, das offenbar die KI-Entwicklung verschlafen hatte und von OpenAI geradezu lächerlich gemacht wurde. Doch die Spötter hatten die Ressourcen des Tech-Giganten und die Bedeutung eines mächtigen Ökosystems gewaltig unterschätzt. Kaum vier Jahre später hat Google OpenAI nicht nur bei Apple Intelligence ausgebootet, sondern bringt seinerseits den Rivalen mit einer Preissenkung unter Zugzwang.

Zusätzlich setzt den ChatGPT-Anbieter Anthropic unter Druck, dessen Modelle aktuell bei der Leistung die Nase vorn haben. Und bei all dem Wirbel in den USA darf man die Chinesen nicht vergessen, die vor allem mit Deepseek ein heißes Preis-Leistungs-Eisen im Feuer haben.

Google greift an

Der Preiskampf der KI-Giganten hat spätestens am vergangenen Mittwoch eine neue Qualität bekommen, als Google eine massive Preissenkung seines günstigsten KI-Abos von monatlich knapp 8 auf 5 Euro bekannt gab. Gleichzeitig verdoppelte das Unternehmen den verfügbaren Speicher von 200 auf 400 Gigabyte.

Dabei geht es Google darum, Einsteiger an sein Ökosystem zu binden, wobei seine Gemini-KI mit ihrer Omnipräsenz von Android-Smartphones über smarte Lautsprecher bis zum Chrome-Browser bereits einen Riesenvorteil hat. OpenAIs ChatGPT Go kostet aktuell noch 8 Euro pro Monat und ist nicht so einfach zugänglich.

OpenAI kämpft um Unternehmenskunden

Doch OpenAI scheint sich zunächst auf seine seit 2022 gewachsene breite Privatnutzer-Basis zu verlassen. Oder es sieht sich hier im Kampf mit Google auf verlorenem Posten. CEO Sam Altman macht sich jedenfalls größere Sorgen um das Geschäft mit Unternehmenskunden, bei dem oft deutlich mehr zu verdienen ist.

Hier wird üblicherweise über sogenannte Tokens abgerechnet. Dabei handelt es sich um die kleinsten Bausteine, in die ein Modell Text zur Verarbeitung zerlegt. Dies können beispielsweise die einzelnen Wörter sein. Sind kleinere Einheiten wie Silben oder Satzzeichen einbezogen, arbeitet das Modell genauer, aber der Rechenaufwand ist auch erheblich größer.

Laut "all-ai.de" sind nicht die Preise für einzelne Tokens gestiegen. Die Ausgaben der Unternehmen gingen stattdessen durch den agentischen KI-Einsatz sowie die maximale Token-Anzahl, die ein Modell für eine Antwort verarbeiten kann (Kontextfenster), in die Höhe.

KI-Nutzung sprengt Budgets

"Bei einer OpenAI-Veranstaltung in New York sagte Altman kürzlich, er mache sich Sorgen um die steigenden Kosten für die Kunden des Unternehmens. Es sei fast schon ein Running Gag, wenn man ihm sagte: "Mein Unternehmen hat das gesamte Budget für 2026 im ersten Quartal ausgegeben. Können Sie das effizienter gestalten?" Zu den bekanntesten Fällen gehört Uber, das deswegen strenge Limits beim KI-Einsatz einführte.

Man werde Wege finden, um den Kunden mehr für ihr Geld bieten zu können, sagte Altman in New York, ohne konkreter zu werden. Laut "The Wall Street Journal" plant OpenAI jetzt aber tatsächlich eine "drastische" Preissenkung. Das wäre für das Unternehmen nicht unproblematisch, denn laut "AI Pricing Guru" liegt OpenAI mit einem Startpreis von 0,40 US-Dollar pro 1 Million Antwort-Tokens (GPT-5 Nano) bereits gleichauf mit Googles günstigstem Angebot von 0,40 US-Dollar (Gemini 2.5 Flash).

Anthropic geht durch die Decke

Anthropic, dessen KI aktuell am leistungsfähigsten bewertet wird, kassiert stolze 5 US-Dollar (Claude Haiku 4.5). Wichtiger ist aber, dass der Programmier-Agent des Unternehmens, Claude Code, durch die Decke geht. Anthropics Umsatz schoss damit "Gradually AI" zufolge von 9 Milliarden US-Dollar Ende 2025 auf 47 Milliarden im vergangenen Mai. Dadurch wird das Unternehmen aktuell mit 965 Milliarden Dollar bewertet und hat OpenAI (852 Milliarden) überholt.

Laut "The Wall Street Journal" will OpenAI vor allem seine Preise senken, um sich gegenüber Anthropic zu behaupten. Die Anpassung erfolge auch in einer erwarteten ähnlichen Preisanpassung des Konkurrenten. Die Rivalität spitzt sich darin zu, dass beide Unternehmen in Kürze einen Börsengang anstreben. Nur eine Woche nachdem Anthropic dies angekündigt hatte, folgte OpenAI am vergangenen Dienstag.

Bisher nur Milliardenverluste

Absurd erscheinen Preissenkungen angesichts dessen, dass beide Konkurrenten - wie andere KI-Anbieter - trotz steigender Umsätze und Nutzerzahlen bisher noch nichts verdient haben, sondern Milliarden-Beträge versenken. "Business Punk" nach hat OpenAI 2025 erneut 8 Milliarden US-Dollar verbrannt, "Tendenz steigend".

Auch Anthropic hat im vergangenen Jahr Schätzungen zufolge 3 Milliarden oder mehr US-Dollar an Verlusten geschrieben. Laut "The Wall Street Journal" könnte es aber das erste KI-Unternehmen sein, das schwarze Zahlen schreibt. Ein Umsatzanstieg von 130 Prozent auf 10,9 Milliarden US-Dollar im zweiten Quartal des Jahres soll einen operativen Gewinn von 559 Millionen US-Dollar ermöglichen.

China spricht noch ein Wörtchen mit

Ob die Zukunft für Anthropic so rosig ist, wie sie derzeit aussieht, und ob OpenAI auch irgendwann profitabel ist, steht aber noch in den Sternen. Sicher ist in der Branche überhaupt nichts. Kurzfristig könnten beispielsweise chinesische Konkurrenten die US-Giganten mit "Dumpingpreisen" zurechtstutzen. Allen voran DeepSeek.

Die chinesische Nummer 1 bietet 1 Million Token in der Ausgabe bereits für 0,28 US-Dollar an (DeepSeek V4 Flash). Seine Modelle sind zwar nicht so leistungsfähig wie die der US-Konkurrenz, aber Ende April hat das Unternehmen mit DeepSeek V4-Pro ein Modell veröffentlicht, das nach Einschätzung von "AI Workflow" speziell beim Programmieren besonders stark ist. Trotzdem ist es mit 0,87 Cent pro 1 Million Tokens günstig, und eine radikale Preissenkung ist den Chinesen jederzeit nochmal zuzutrauen. Ob DeepSeek dafür bei Anthropic abgekupfert hat, wie es heißt, spielt vermutlich nicht bei allen potenziellen Kunden weltweit eine Rolle.

Die Ressourcen sind auch für KI-Giganten begrenzt

Ein unbegrenztes KI-Wachstum ist außerdem kein Naturgesetz. Im Gegenteil: Die Knappheit an natürlichen Ressourcen und die Konkurrenz um deren Nutzung mit Menschen und anderen Wirtschaftszweigen könnte die KI-Branche ausbremsen. Das gilt zumindest für Demokratien, zu denen die USA trotz des MAGA-Regimes noch gehören. Aktuelle Proteste gegen Rechenzentren belegen den wachsenden Widerstand dort.

Der Energieverbrauch der Rechenzentren ist gigantisch, nur mit dem von Großstädten oder sogar von Ländern zu vergleichen. Woher soll der Strom für den Betrieb kommen? Der Ausbau erneuerbarer Energien reicht aktuell nicht mal für den Bedarf ohne Rechenzentren aus und wird von der Trump-Regierung zudem massiv behindert.

Elon Musk und die anderen Tech-Bros mögen skrupellos auf fossile Brennstoffe und Atomenergie setzen. Menschen wie die Bürger einer Siedlung im Südwesten von Memphis sehen dies sicher anders. Sie müssen die Abgase von Erdgas-Turbinen einatmen, die Musk illegal für den Betrieb eines Supercomputers teilweise immer noch nutzt.

Ähnlich sieht es beim enormen Wasserbedarf der Rechenzentren aus, der nicht selten auf Kosten der Versorgung von Anwohnern, Natur und Landwirtschaft gedeckt wird. Laut "The Guardian" sollen aktuell in den USA zwei Drittel von 809 geplanten Projekten in Dürreregionen realisiert werden.

KI ergibt nicht immer Sinn

Schließlich könnte auch noch menschliche Vernunft die wild wuchernde KI eindämmen. Man muss nur (selbst) nachdenken. Wie Jan Skudlarek bei "Krautreporter" schreibt, muss man sie nicht überall einsetzen, sondern nur dort, wo es Sinn ergibt, beispielsweise in der Medizin. Einen KI-Agenten die beste Pizza der Stadt suchen und bestellen zu lassen, gehört ganz sicher nicht dazu.

"Künstliche Intelligenz muss, wie Strom oder Wasser, politisch so geregelt werden, dass aus ihr möglichst viel kollektiver Nutzen entsteht und möglichst wenig kollektiver Schaden", schreibt Skudlarek. "Klimapolitische Aspekte der KI-Nutzung zum Beispiel sind keine Nebensache, die man den Altmans und den Musks überlassen darf, sondern elementare Fragen der existenziellen Daseinsvorsorge. Die Klimakrise ist keine KI-Halluzination, sondern Realität. Vorm Profit kommt der Planet."

Quelle: ntv.de

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