Nothing Ear (3a) ausprobiertDiese 100-Euro-Ohrhörer haben Wumms und Speicher
Von Klaus Wedekind Test (1 von 3).webp)
Die Nothing Ear (3a) sind relativ günstige Bluetooth-Ohrhörer, die viel zu bieten haben. Dazu gehören eine umfangreiche App und Speicher, um Gespräche oder "Audio-Schnappschüsse" aufzunehmen. Der Klang der Stöpsel macht mächtig Spaß, vor allem, wenn man fette Bässe mag.
Nachdem Nothing im vergangenen Herbst die "Ohrhörer für Stullen-Telefonierer" Ear (3) vorgestellt hat, folgt jetzt die mit einem Preis von knapp 100 Euro deutlich günstigere A-Klasse. Ihr fehlen Spezialfunktionen wie ein Mikrofon in der Ladebox und statt Metall-Akzente zu setzen, sind die Ear (3a) und ihr Case komplett aus Plastik gefertigt. Ansonsten müssen Nutzerinnen und Nutzer aber eigentlich auf nichts verzichten.
Bewährtes Design, umfangreiche App
Das grundsätzliche, an Apples Airpods orientierte Design hat Nothing unverändert gelassen. Die rund 4,5 Gramm leichten und nach IP54 staub- und wasserdichten Ohrhörer sitzen wie die Vorgänger sicher, aber äußerst bequem, die anpassbare Steuerung durch Zusammendrücken der Stäbchen ist unkompliziert und zuverlässig. Das sehr kompakte Ladecase sieht ebenfalls aus wie bei der ersten A-Klasse, ist jetzt aber wie die Stöpsel nach IP54 statt nur nach IPX2 geschützt.
Eine deutliche Verbesserung gegenüber den Vorgängern ist, dass jetzt praktisch alle Funktionen der zugehörigen App zur Verfügung stehen. Dazu gehört vor allem auch ein umfangreicher Equalizer, der eine Feinabstimmung des Klangs sowie die Übernahme von Profilen anderer Nutzerinnen und Nutzer erlaubt. Zusätzlich gibt es einen einfachen Equalizer und voreingestellte Modi.
Starker Klang mit mächtig viel Bass
Unter ihnen befindet sich auch "Mehr Bass", was allerdings völlig überflüssig ist. Denn der Klang der Nothing Ear (3a) zeichnet sich bereits in der Standardeinstellung durch überaus kräftige Bässe aus. Das wird vielen gefallen und der tiefergelegte Sound macht mitunter auch mächtig Spaß. Aber nicht nur bei bereits bassbetonten Songs ist es gelegentlich zu viel des Guten, und wer allgemein einen neutraleren Klang bevorzugt, wird im Equalizer den Tiefen-Regler ein wenig nach unten ziehen.
Wenn man dann auch noch den Mitten zu etwas mehr Gehör verhilft, kann der Ton überzeugen und steht dem der Nothing Ear (3) in nichts nach. Man hört, dass das Potenzial der Stöpsel groß ist, sie können so gut wie viel teurere Ohrhörer klingen.
Man hat auch die Möglichkeit, Raumklang zu aktivieren. Wie bei anderen Ohrhörern klingt das vor allem bei moderneren Aufnahmen manchmal richtig gut, bei älteren Songs wirkt der Effekt dagegen oft künstlich.
Die Nothing Ear (3a) unterstützen bei kompatiblen Smartphones den hochauflösenden Codec LDAC, ansonsten nur SBC und AAC. Trotz Bluetooth 6.0 sind die Ohrhörer nicht Auracast-fähig.
ANC, Transparenzmodus und Gesprächsqualität gut
Die aktive Geräuschunterdrückung (ANC) ist gut, speziell gleichmäßiges Rauschen wie in fahrenden Zügen wird deutlich gedämpft. Bei höheren Frequenzen ist die Funktion nicht so effektiv, beispielsweise bleiben klappernde Tastaturen deutlich hörbar. Man kann den Effekt manuell einstellen oder adaptiv an die Umgebung anpassen lassen.
Der Transparenzmodus wirkt bis auf ein stärkeres Eigenrauschen weitgehend natürlich, wobei Umgebungsgeräusche etwas stärker als ohne Stöpsel zu hören sind. Was auffällt: Der Klang ändert sich je nach verwendetem Modus, unter anderem sind die Bässe wesentlich kräftiger, wenn ANC aktiviert ist.
Bei Telefonaten machen die Nothing Ear (3a) einen mehr als ordentlichen Job. Solange es in der Umgebung nicht allzu laut ist, wird man gut verstanden und die eigene Stimme klingt recht angenehm.
Interessante Speicherfunktionen
Apropos Gespräche: Eine Besonderheit der Ohrhörer ist die Möglichkeit, sie auf einem internen Speicher aufzunehmen, indem man beide Stäbchen gleichzeitig drückt. Nothing hält sich dabei an hier geltende Datenschutzbestimmungen, weshalb die Funktion in Deutschland zur Verfügung steht.
Gesprächspartner werden per Sprachansage automatisch informiert, die Aufzeichnung kann bis zu zwei Stunden lang sein. Das Gleiche ist bei Videokonferenzen möglich. Beim Aufrufen der App werden Aufnahmen auf das Telefon übertragen, um Platz für neue Aufzeichnungen zu schaffen.
Im Anschluss kann man die Gespräche speichern, teilen oder transkribieren lassen. Zwei Standardmodi stehen für die Umwandlung von Sprache in Text offline zur Verfügung. Für einen genaueren Pro-Modus mit zusätzlichen Funktionen ist eine Internetverbindung nötig. Die Option soll in Kürze zur Verfügung stehen und nach drei Gratis-Monaten kostenpflichtig werden. Die Standard-Transkription funktioniert recht gut, man kennt sie bereits von den Sprachnotizen im "Essential Space" von Nothing-Smartphones.
Außerdem kann man Audio-Schnappschüsse von beliebigen Quellen, etwa Youtube, aufnehmen. Sie können - vermutlich aus rechtlichen Gründen - bis zu 60 Sekunden lang sein. Dabei kann man auf Wunsch einstellen, dass bis zu 30 Sekunden davon vor dem eigentlichen Start der Aufzeichnung aufgenommen werden. Das hilft beispielsweise, wenn man ein eben gehörtes Zitat aufnehmen möchte. Wie bei Gesprächen kann man die Aufzeichnungen schneiden oder via KI transkribieren lassen.
Da die App dabei immer "zuhören" muss, erhöht sich der Stromverbrauch. Das ist normalerweise kein Problem, bei aktivem ANC halten die Ohrhörer etwa sechs, ohne zehn Stunden durch. Das Case, das nicht induktiv betankt werden kann, bietet als Reserve rund drei Voll-Ladungen.
Fazit
Die Nothing Ear (3a) gehören zu den besten Ohrhörern, die man derzeit bis 100 Euro bekommen kann. Sie bieten einen zwar etwas basslastigen, aber guten Klang, eine ordentliche Ausdauer, eine umfangreiche App und interessante Aufnahmefunktionen. Außerdem sind sie sehr bequem.
